Holzbohrer

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Ein Holzbohrer erkennt man an der Zentrierspitze in der Mitte: Sie zieht den Bohrer genau an den angezeichneten Punkt und verhindert das Verlaufen, das man mit einem Metallbohrer auf Holz kennt. Welche Bauart die richtige ist, hängt vor allem am Lochdurchmesser und daran, ob das Loch durchgehend oder ein sauberes Sackloch werden soll.
Warum ein eigener Bohrer für Holz
Holz ist weich, faserig und läuft in Richtung der Jahresringe unterschiedlich hart. Ein Metallbohrer mit Kegelspitze rutscht auf der Oberfläche weg, reißt die Fasern am Lochrand heraus und frisst sich in Weichholz schief. Der Holzbohrer löst beides: Die Zentrierspitze führt, und zwei Vorschneider am Außenrand ritzen die Fasern an, bevor die Schneide das Material heraushebt. Das Ergebnis ist ein Loch mit sauberem Rand.
Die Bauarten
| Bohrer | Durchmesser | Stärke |
| Holzspiralbohrer | etwa 2–20 mm | Allrounder für Dübel- und Schraubenlöcher |
| Schlangenbohrer | etwa 6–40 mm | tiefe Löcher in Balken, Zimmerei |
| Forstnerbohrer | etwa 10–60 mm und mehr | saubere Sacklöcher mit flachem Grund |
| Flachfräsbohrer | etwa 10–40 mm | schnelle, grobe Löcher, Kabeldurchführungen |
| Lochsäge | ab etwa 20 mm | große Durchbrüche in Platten |
Der Holzspiralbohrer
Er ist der Standard in jedem Bohrerset. Zentrierspitze, zwei Vorschneider und eine Spiralnut, die die Späne herausfördert. Für Dübellöcher, Vorbohrungen für Schrauben, Beschläge und Möbelbau ist er die erste Wahl. Sätze von 3 bis 10 mm decken fast alle Arbeiten ab. Für tiefe Löcher gibt es Überlängen.

Der Schlangenbohrer
Seine Spitze hat ein Gewinde, das den Bohrer von selbst ins Holz zieht. Die weite, gewundene Spannut fördert viel Material aus tiefen Löchern. Schlangenbohrer sind das Werkzeug für Balkenverbindungen, Gewindestangen durch Kanthölzer und Kabeldurchführungen durch Fachwerk. Sie brauchen Kraft und niedrige Drehzahl; ein Bohrschrauber mit Rutschkupplung oder eine Bohrmaschine mit Zusatzgriff ist sinnvoll, denn beim Verklemmen dreht die Maschine kräftig mit.
Der Forstnerbohrer
Er hat nur eine kurze Zentrierspitze und einen umlaufenden Schneidrand. Damit bohrt er Sacklöcher mit flachem Grund, überlappende Löcher und Löcher schräg zur Faser oder am Rand eines Werkstücks, wo andere Bohrer abrutschen. Das Standardbeispiel ist die 35-mm-Bohrung für Topfscharniere in Küchentüren. Forstnerbohrer gehören am besten in einen Bohrständer oder eine Ständerbohrmaschine, freihändig verkanten sie leicht.
Drehzahl und Druck
Die Faustregel gilt für alle Bohrer: je größer der Durchmesser, desto niedriger die Drehzahl. Ein 4-mm-Spiralbohrer darf schnell laufen, ein 40-mm-Forstnerbohrer braucht nur einige hundert Umdrehungen je Minute. Zu hohe Drehzahl erkennt man an Brandflecken und Rauch im Loch; das Holz verkohlt, und der Bohrer verliert seine Härte. Den Bohrer bei tiefen Löchern zwischendurch herausziehen, damit die Späne abfallen. Schlagbohren ist bei Holz immer ausgeschaltet.
Sauber bohren ohne Ausriss
- Punkt anzeichnen und ankörnen, bei Spiralbohrern genügt oft ein Stich mit der Ahle.
- Senkrecht bohren, bei Bedarf mit Winkel oder Bohrführung kontrollieren.
- Auf der Austrittsseite eine Opferplatte fest unterlegen. Sie stützt die Fasern und verhindert, dass beim Durchbruch ein Stück herausplatzt.
- Alternativ von beiden Seiten bohren: bis die Spitze auf der Rückseite austritt, dann umdrehen und vom kleinen Loch aus fertig bohren.
- Tiefenstopp nutzen bei Sacklöchern, zum Beispiel ein Tiefenanschlagring oder ein Streifen Klebeband am Bohrer.
Material und Qualität
Günstige Holzbohrer bestehen aus Chrom-Vanadium-Stahl und genügen für Weichholz und gelegentliche Arbeiten. Bohrer aus HSS bleiben in Hartholz und Leimholz länger scharf. Für Spanplatte und MDF, die durch den Leim stark schleifen, halten hartmetallbestückte Forstnerbohrer am längsten. Eine sauber geschliffene Spitze und scharfe Vorschneider sind wichtiger als die Anzahl der Teile im Set. Stumpfe Holzbohrer lassen sich nachschärfen, siehe Bohrer richtig schleifen.
Flachfräsbohrer und Lochsäge
Der Flachfräsbohrer, oft auch Spatenbohrer genannt, ist ein flaches Stahlblatt mit Zentrierspitze und zwei Schneiden. Er ist billig, schnell und ideal für Löcher, bei denen es nicht auf eine schöne Kante ankommt: Kabeldurchführungen durch Ständerwerk, Rohrdurchbrüche im Unterbau, Löcher in Latten. Auf der Rückseite reißt er stark aus, und der Lochgrund ist nicht plan. Mit Verlängerung erreicht er auch tiefe Stellen zwischen Balken.
Die Lochsäge besteht aus einem gezahnten Ring und einem Zentrierbohrer. Sie schneidet nur den Umfang aus und lässt einen Kern stehen – für Steckdosen in Holzplatten, Durchbrüche in Arbeitsplatten oder Lüftungsöffnungen. Für große Durchmesser ist sie der einzige praktikable Weg, weil ein Vollbohrer dieser Größe eine sehr kräftige Maschine bräuchte. Auch hier gilt: niedrige Drehzahl, und den Kern zwischendurch herausholen, damit die Säge nicht klemmt.
Typische Fehler
- Metallbohrer für Holz verwendet. Geht zur Not, aber mit ausgefranstem Rand und Verlaufen.
- Holzbohrer für Metall verwendet. Die Zentrierspitze bricht sofort ab.
- Zu schnell gedreht. Brandspuren, stumpfer Bohrer.
- Ohne Unterlage durchgebohrt. Ausriss auf der Rückseite.
Einen Überblick über alle Bohrertypen gibt der Beitrag Bohrerarten.
Häufige Fragen
Was kostet ein Holzbohrer?
Einzelne Spiralbohrer gibt es ab wenigen Euro, Sätze mit sieben bis zehn Größen ab etwa 10 Euro, gute HSS-Sätze bei 20 bis 40 Euro. Forstnerbohrer kosten je nach Größe 5 bis 30 Euro das Stück.
Kann ich mit dem Holzbohrer in Kunststoff bohren?
In weichem Kunststoff ja, mit niedriger Drehzahl. Für Acrylglas sind spezielle Kunststoffbohrer besser, weil es leicht splittert.
Gibt es Holzbohrer für den Bohrhammer?
Schlangenbohrer mit SDS-Schaft gibt es für die Zimmerei. Der Hammer muss dann auf reinen Drehbetrieb gestellt sein.
