Entlötpumpe
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Eine Entlötpumpe saugt geschmolzenes Lötzinn von einer Lötstelle ab. Damit lassen sich Bauteile aus einer Platine lösen, ohne Leiterbahnen oder Lötaugen zu zerstören. Sie ist neben dem Lötkolben das wichtigste Werkzeug, wenn Sie Elektronik reparieren oder umbauen – und eines der günstigsten.
Wie sie funktioniert
Die klassische Entlötpumpe ist ein Zylinder mit Kolben und Feder. Sie drücken den Kolben herunter, bis er einrastet. Dann halten Sie die Spitze an die geschmolzene Lötstelle und drücken den Auslöseknopf. Die Feder schnellt den Kolben zurück, und der entstehende Unterdruck saugt das flüssige Zinn in den Zylinder. Dort erstarrt es und wird beim nächsten Spannen herausgedrückt.
Die Spitze besteht aus hitzebeständigem Kunststoff, meist PTFE (Teflon). Sie hält die kurze Berührung mit heißem Zinn aus, verschleißt aber mit der Zeit und lässt sich bei guten Pumpen tauschen.
Die Bauformen
- Mechanische Entlötpumpe. Kolben und Feder, von Hand gespannt. Der Standard für Hobby und Werkstatt.
- Entlötpumpe mit Metallgehäuse. Robuster und oft mit stärkerer Saugkraft, weil der Kolben größer ist.
- Entlötkolben mit Saugbirne. Ein Lötkolben mit hohler Spitze und einem Gummiball zum Absaugen. Heizen und Saugen mit einem Werkzeug.
- Elektrische Entlötstation. Beheizte, hohle Spitze mit elektrischer Vakuumpumpe. Für Werkstätten, die häufig entlöten, ideal – aber deutlich teurer.
Schritt für Schritt entlöten
- Lötkolben auf Temperatur bringen. Bei bleihaltigem Lot etwa 320 bis 350 °C, bei bleifreiem Lot 350 bis 380 °C an der Spitze.
- Pumpe spannen. Kolben herunterdrücken, bis er einrastet.
- Lötstelle erhitzen, bis das Zinn vollständig flüssig ist. Ein wenig frisches Lot dazugeben hilft: Das enthaltene Flussmittel lässt das alte Zinn besser fließen.
- Pumpenspitze direkt an die flüssige Stelle halten, möglichst senkrecht, und den Kolben auslösen.
- Prüfen. Das Bauteilbein sollte sich frei im Loch bewegen. Wenn nicht, den Vorgang wiederholen.
- Pumpe entleeren, bevor sie voll ist – sonst saugt sie schlecht.
Die Kunst liegt im Timing: Die Spitze muss am Zinn sein, solange es flüssig ist. Viele arbeiten deshalb mit dem Lötkolben von der einen Seite der Platine und der Pumpe von der anderen.
Welche Temperatur und Spitze
Bleifreie Lote schmelzen bei etwa 217 bis 227 °C, klassisches Zinn-Blei-Lot schon bei rund 183 bis 190 °C. Die Lötspitze muss deutlich heißer sein, damit das Zinn trotz der Wärmeabfuhr durch Platine und Bauteil schnell schmilzt. Zu heiß ist genauso schlecht wie zu kalt: Die Lötaugen lösen sich von der Platine, und dünne Leiterbahnen reißen ab. Eine Lötstation mit Temperaturregelung ist deshalb die bessere Wahl als ein einfacher Lötkolben.
Für große Lötstellen, etwa an Masseflächen oder Steckverbindern, braucht es eine breite Spitze, die viel Wärme übertragen kann.
Entlötpumpe oder Entlötlitze
Die Entlötlitze ist ein Geflecht aus feinem Kupferdraht mit Flussmittel. Auf die Lötstelle gelegt und mit dem Lötkolben erhitzt, saugt sie das Zinn durch Kapillarwirkung auf.
- Pumpe ist schnell und stark bei Durchsteckbauteilen, bei denen viel Zinn im Loch sitzt.
- Litze ist feiner und sauberer bei SMD-Bauteilen, bei Resten auf Lötaugen und zum Säubern von Pads.
In der Praxis ergänzen sich beide: erst die Pumpe für den Großteil, dann die Litze für die Reste.
Wartung
- Regelmäßig entleeren. Die erstarrten Zinnstückchen fallen beim Spannen vorne heraus.
- Innenraum reinigen. Mit der Zeit setzt sich Zinnstaub und Flussmittel an der Kolbendichtung ab. Viele Pumpen lassen sich aufschrauben.
- Dichtung prüfen. Saugt die Pumpe schwach, ist oft die Kolbendichtung trocken oder verschlissen. Ein Hauch Silikonfett hilft.
- Spitze tauschen, wenn sie ausgefranst oder verformt ist. Eine unebene Spitze dichtet nicht ab.
Typische Fehler
- Zinn nicht ganz flüssig. Die Pumpe saugt nur die Oberfläche ab, der Rest bleibt im Loch.
- Zu lange erhitzt. Das Lötauge löst sich, die Platine ist beschädigt.
- Pumpe schräg angesetzt. Es strömt Luft vorbei, der Unterdruck ist weg.
- Rückschlag nicht bedacht. Beim Auslösen schlägt die Pumpe leicht zurück. Halten Sie sie fest, sonst trifft die Spitze Bauteile nebenan.
Sicherheit
Beim Löten und Entlöten entstehen Dämpfe aus dem Flussmittel, die Augen und Atemwege reizen. Arbeiten Sie bei guter Lüftung oder mit einer Lötrauchabsaugung. Bleihaltiges Lot gehört nicht an Lebensmittel: nach der Arbeit Hände waschen und am Arbeitsplatz nicht essen. Die Zinnreste aus der Pumpe gehören zum Elektroschrott oder Wertstoffhof, nicht in den Hausmüll. Mehr zu den Lotarten beim Lötzinn.
Häufige Fragen
Was kostet eine Entlötpumpe?
Einfache Kunststoffpumpen gibt es ab 5 Euro, gute Metallpumpen mit Wechselspitze für 10 bis 25 Euro. Elektrische Entlötstationen beginnen bei etwa 100 Euro.
Warum saugt meine Pumpe nicht?
Meist ist sie voll, die Spitze ist verschlissen, oder die Kolbendichtung ist trocken. Entleeren, Spitze tauschen, Dichtung fetten.
Taugt sie für SMD-Bauteile?
Nur bedingt. Für SMD sind Entlötlitze, Heißluft oder eine Entlötpinzette besser geeignet.



