Reciprosäge

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Eine Reciprosäge – auch Säbelsäge oder Tigersäge genannt – ist die Abbruchsäge unter den Elektrowerkzeugen. Sie trennt Holz mit Nägeln, Metallrohre, Gasbeton und dicke Äste, wo andere Sägen aufgeben. Präzise ist sie nicht, und das muss sie auch nicht sein. Wer saubere Kurven sägen will, greift zur Stichsäge.

Wie sie funktioniert
Ein Elektromotor treibt über ein Getriebe einen Exzenter an, der die Drehbewegung in ein Vor und Zurück umwandelt. Das Sägeblatt sitzt vorn in Längsrichtung des Geräts und bewegt sich wie bei einem Fuchsschwanz – nur mit bis zu 3000 Hüben in der Minute. Vorn am Gehäuse sitzt ein Anschlagschuh, den Sie gegen das Werkstück drücken. Er nimmt die Rückstoßkräfte auf; ohne ihn schlägt die Säge.
Viele Geräte haben einen Pendelhub: Das Blatt bewegt sich zusätzlich leicht auf und ab, räumt dadurch mehr Späne aus und sägt in Holz deutlich schneller. Für Metall und dünne Bleche wird er abgeschaltet.
Die Kennwerte
| Hubzahl | Hübe je Minute, meist 0–2800 bis 0–3000. Stufenlos regelbar ist Pflicht: Metall braucht niedrige, Holz hohe Hubzahlen. |
| Hublänge | Weg des Blattes, meist 20 bis 32 mm. Längerer Hub nutzt mehr Zähne und sägt schneller. |
| Leistung | Netzgeräte etwa 600–1200 Watt, Akkugeräte meist 18 V. |
| Gewicht | Kompakte Akkugeräte ab etwa 1,5 kg, kräftige Netzgeräte 3 bis 4,5 kg. |
| Blattaufnahme | Fast immer universeller S-Schaft, werkzeuglos wechselbar. |
Die Hubzahl wird im Handel gern als „Umdrehungen“ angegeben. Das ist sachlich falsch, gemeint sind Hübe.
Kabel oder Akku

Ein Netzgerät hat mehr Dauerleistung und läuft ohne Pause. Für Abbrucharbeiten, lange Schnitte in dickem Holz und den Umbau eines ganzen Raums ist es die robustere Wahl.
Ein Akkugerät ist leichter, handlicher und unabhängig von der Steckdose – auf der Leiter, im Garten, auf dem Dach. Mit 18 V und zwei Akkus mit 4 bis 5 Ah kommen Heimwerker weit. Wer bereits Akkugeräte eines Herstellers besitzt, kauft das Gerät oft günstig ohne Akku. Mehr dazu unter Akku-Reciprosäge.
Reciprosäge oder Stichsäge

Beide Maschinen arbeiten mit hin und her gehendem Blatt, aber sie sind für verschiedene Aufgaben gebaut. Die Stichsäge steht mit ihrer Grundplatte auf dem Werkstück, das Blatt läuft senkrecht dazu. Sie sägt Kurven, Ausschnitte und gerade Schnitte in Platten mit guter Genauigkeit.
Die Reciprosäge wird frei geführt, das Blatt liegt in Verlängerung der Maschine. Das macht sie ungenau, aber sie erreicht Stellen, an die keine andere Säge kommt: bündig an der Wand, zwischen Balken, über Kopf, in Schächten. Faustregel: Die Stichsäge baut, die Reciprosäge baut ab.
Wofür sie sich eignet
- Alte Fensterrahmen und Türzargen heraustrennen
- Kanthölzer und Balken mit Nägeln durchsägen
- Stahl-, Kupfer- und Kunststoffrohre kürzen, auch direkt an der Wand
- Gasbeton, Porenbeton und Gipskarton grob zuschneiden
- Äste bis zur Stärke des Blattes zurückschneiden, Wurzeln durchtrennen
- Paletten, Möbel und Sperrmüll zerlegen

Das Blatt entscheidet
Die Säge ist nur so gut wie ihr Blatt. HCS (Kohlenstoffstahl) für Holz und Kunststoff, HSS für Metall, Bimetall als zähe Allroundlösung für Holz mit Nägeln und Metall, Hartmetall für Gasbeton, Faserzement und Mauerwerk. Blätter gibt es von etwa 100 bis 300 mm Länge; das Blatt sollte mindestens 5 cm länger sein als das Werkstück dick. Grobe Zahnung sägt schnell in Holz, feine Zahnung ruhig in Metall. Einen ausführlichen Überblick gibt der Beitrag zu Reciprosägeblättern.
Worauf Sie beim Kauf achten
- Stufenlose Hubzahlregelung über den Schalter, zusätzlich ein Stellrad für die Maximaldrehzahl.
- Werkzeugloser Blattwechsel. Heute Standard, aber prüfen Sie, ob der Mechanismus mit Handschuhen funktioniert.
- Verstellbarer Anschlagschuh. Er erlaubt, ein frisches Stück Blatt zu nutzen, wenn der vordere Teil stumpf ist.
- Vibrationsdämpfung. Bei längeren Arbeiten schont sie Hände und Gelenke spürbar.
- Umsetzbare Blattaufnahme. Manche Geräte erlauben, das Blatt mit den Zähnen nach oben einzusetzen – praktisch bei Schnitten dicht unter einer Decke.

Sicher arbeiten
- Werkstück fixieren. Freies Holz oder ein lose liegendes Rohr schlägt mit dem Blatt.
- Schuh fest andrücken. Nur so wird der Rückstoß aufgefangen.
- Leitungen suchen, bevor Sie in Wände sägen. Ein Blatt, das 15 cm tief in eine Wand fährt, findet die Stromleitung zuverlässig.
- Kein Asbestzement. Alte Welldachplatten, Fensterbänke oder Blumenkästen aus Faserzement können vor 1993 Asbest enthalten und dürfen nicht gesägt werden.
- Schutzbrille und Gehörschutz sind Pflicht, Handschuhe empfehlenswert – das Blatt wird beim Metallsägen heiß.
Was sie kostet
Einfache Netzgeräte gibt es ab etwa 50 Euro, solide Heimwerkermodelle mit Pendelhub kosten 100 bis 200 Euro. Profigeräte liegen bei 200 bis 500 Euro, Akkugeräte ohne Akku oft im selben Bereich. Blätter sind Verbrauchsmaterial: Ein gemischtes Set für 10 bis 25 Euro gehört von Anfang an dazu. Marken im Überblick finden Sie bei Bosch, Einhell und Makita.

Häufige Fragen
Ist Säbelsäge dasselbe wie Reciprosäge?
Ja. Reciprosäge, Säbelsäge, Tigersäge und elektrischer Fuchsschwanz meinen dasselbe Gerät.
Kann ich damit Fliesen oder Keramik schneiden?
Mit einem Blatt mit Hartmetall- oder Diamantkörnung grob ja. Für saubere Kanten ist ein Fliesenschneider oder ein Winkelschleifer die bessere Wahl.
Ersetzt sie die Kettensäge im Garten?
Für Äste bis etwa 15 cm Stärke und Wurzeln im Boden ja – bei Wurzeln sogar besser, weil Erde eine Kette sofort stumpf macht. Für Stammholz und Brennholz in Mengen bleibt die Kettensäge überlegen.


