Kombinationswinkel

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Ein Kombinationswinkel besteht aus einem Stahllineal und einem verschiebbaren Anschlagkopf, der sich an jeder Stelle festklemmen lässt. Mit dieser einfachen Konstruktion ersetzt er Anschlagwinkel, Gehrungswinkel, Tiefenmaß und Streichmaß. Wer nur ein einziges Anreißwerkzeug in der Werkstatt haben will, sollte dieses nehmen.
Wie er aufgebaut ist
Das Lineal ist meist 300 mm lang, aus gehärtetem oder rostfreiem Stahl und hat eine Nut auf der Rückseite. In dieser Nut läuft der Anschlagkopf, der über eine Rändelschraube festgeklemmt wird. Der Kopf hat zwei Anlageflächen: eine im rechten Winkel zum Lineal, eine im 45-Grad-Winkel.
Dazu kommen meist eine kleine Libelle im Kopf und eine Reißnadel, die in einer Bohrung steckt. Das Lineal lässt sich komplett herausziehen und allein als Maßstab benutzen.
Was man damit alles macht
- Rechte Winkel anreißen. Kopf an die Werkstückkante, Linie entlang des Lineals.
- Gehrungen mit 45 Grad über die schräge Anlagefläche.
- Tiefen messen. Kopf auf die Oberfläche, Lineal bis zum Grund der Nut oder Bohrung schieben, festklemmen, ablesen.
- Überstände einstellen, etwa die Höhe eines Sägeblatts oder den Überstand eines Fräsers.
- Parallele Linien ziehen. Lineal auf das gewünschte Maß einstellen, Bleistift an das Linealende, Kopf an der Kante entlangführen. Das ersetzt ein Streichmaß.
- Senkrecht und waagerecht prüfen mit der Libelle, etwa bei Pfosten oder Regalböden.
- Rechtwinkligkeit kontrollieren, zum Beispiel an einer frisch gesägten Kante oder am Sägeblatt der Tischkreissäge.
Das Set mit drei Köpfen
Neben dem einfachen Kombinationswinkel gibt es Sets mit zusätzlichen Köpfen für dasselbe Lineal.
| Anschlagkopf | 90 und 45 Grad, meist mit Libelle. Der Standard. |
| Winkelmesserkopf | Drehbar mit Skala von 0 bis 180 Grad. Für beliebige Winkel, etwa bei Treppen oder Dachschrägen. |
| Zentrierkopf | V-förmiger Anschlag, mit dem man die Mitte runder Werkstücke findet. Zwei Linien, der Schnittpunkt ist das Zentrum. |
Für die meisten Heimwerker reicht der einfache Anschlagkopf. Der Winkelmesserkopf lohnt sich, wenn regelmäßig schräge Winkel übertragen werden müssen, wobei eine Schmiege, eine Winkelwasserwaage oder ein digitaler Winkelmesser dafür oft bequemer sind. Wer Rundhölzer mittig bohren will, greift zum Zentrierkopf oder zum Zentrierwinkel.
Wie genau ist er?
Ein Kombinationswinkel ist so genau wie die Passung zwischen Kopf und Lineal. Bei günstigen Modellen hat der Kopf Spiel in der Nut, und je nachdem, wie man die Schraube anzieht, steht das Lineal minimal schräg. Bei guten Modellen sitzt der Kopf spielfrei, und die Winkelabweichung liegt im Bereich weniger Hundertstelmillimeter auf der Linealänge.
Für Holzarbeiten reicht die Genauigkeit eines soliden Mittelklassemodells fast immer. Im Metallbau und beim Einrichten von Maschinen zählt jede Hundertstel – dort lohnen die teuren Modelle.
Die Genauigkeit selbst prüfen
Den rechten Winkel können Sie mit einem einfachen Trick kontrollieren, ohne Referenzwinkel.
- Brett mit gerader Kante nehmen. Die Kante muss wirklich gerade sein, am besten eine gehobelte oder fabrikgeschnittene Plattenkante.
- Linie anreißen. Kopf an die Kante, mit spitzem Bleistift oder Reißnadel eine feine Linie am Lineal entlang.
- Winkel umschlagen. Den Winkel umdrehen, sodass der Kopf von der anderen Seite an derselben Kante liegt, und das Lineal an die Linie heranschieben.
- Vergleichen. Liegt das Lineal genau auf der Linie, stimmt der Winkel. Klafft ein Keil, ist die Abweichung halb so groß wie der sichtbare Spalt.
Weicht ein Winkel ab, taugt er noch als Tiefenmaß und Streichmaß, aber nicht mehr zum Anreißen rechter Winkel.
Worauf es beim Kauf ankommt
Lineallänge. 300 mm ist der Standard und passt in jede Schürzentasche. 150 mm sind handlicher für Kleinteile, 600 mm für große Platten, aber schon unhandlich.
Material des Kopfes. Zinkdruckguss ist günstig und ausreichend. Gusseisen oder gefrästes Aluminium sind formstabiler. Kunststoffköpfe sind für einfache Arbeiten okay, verziehen sich aber gern.
Skala. Gelasert oder geätzt, nicht aufgedruckt – aufgedruckte Skalen reiben sich ab. Praktisch ist eine Millimeterteilung auf beiden Seiten.
Klemmung. Die Schraube muss den Kopf sicher halten, ohne dass man mit Gewalt zudrehen muss. Wackelt der Kopf nach dem Festziehen, ist der Winkel unbrauchbar.
Pflege und Aufbewahrung
Ein Kombinationswinkel verliert seine Genauigkeit fast immer durch einen Sturz. Der Kopf schlägt auf, verformt sich oder die Nut wird eingedrückt. Hängen Sie ihn an die Wand oder legen Sie ihn in eine Schublade, nicht auf die Werkbankkante. Das Lineal aus Kohlenstoffstahl rostet – ein Hauch Öl oder Wachs verhindert das. Harzreste und Leim am Lineal mit einem feuchten Tuch entfernen, bevor sie antrocknen.
Ergänzung oder Ersatz?
Ein Kombinationswinkel ersetzt nicht alle anderen Winkel. Für große Formate ist ein Zimmermannswinkel mit langen Schenkeln genauer, für schnelles Anreißen an Latten ein kleiner Anreißwinkel. Und wer nur Maßstab und rechten Winkel für den Innenausbau braucht, kommt mit einem Tischlerwinkel aus. Als erstes und vielseitigstes Werkzeug ist der Kombinationswinkel aber schwer zu schlagen.
Häufige Fragen
Was kostet ein Kombinationswinkel?
Einfache Modelle gibt es ab 10 bis 20 Euro. Solide Winkel mit spielfreiem Kopf kosten 30 bis 60 Euro, Präzisionsmodelle für den Maschinenbau deutlich mehr.
Kann ich damit Winkel außer 90 und 45 Grad anreißen?
Nur mit einem Winkelmesserkopf. Der einfache Anschlagkopf kennt nur diese beiden Winkel.
Warum ist mein Bleistiftstrich nie ganz genau?
Weil ein Bleistiftstrich schon einen halben Millimeter breit ist. Für genaue Arbeiten reißen Sie mit der Reißnadel oder einem Anreißmesser an – die feine Kerbe dient später auch als Führung für die Säge oder das Stemmeisen.


