Gestellsäge
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Die Gestellsäge ist die Säge der alten Tischlerwerkstatt: Ein dünnes Blatt ist in einen Holzrahmen gespannt, gespannt wird über eine verdrillte Schnur oder einen Draht mit Flügelmutter. Durch die Spannung kann das Blatt viel dünner sein als bei einem Fuchsschwanz, der Schnitt ist schmal und präzise. Heute wird sie oft von Japansägen verdrängt, für lange, gerade Schnitte und Kurven ist sie aber nach wie vor hervorragend.
Aufbau
- Sägeblatt mit Befestigungen an beiden Enden, oft in drehbaren Griffen gelagert.
- Zwei Arme, die das Blatt tragen und oben die Spannung aufnehmen.
- Steg in der Mitte, der die Arme verbindet und als Drehpunkt dient.
- Spannschnur mit Knebel oder ein Spanndraht mit Gewindebolzen und Flügelmutter.
Das Prinzip ist ein Hebel: Wird die Schnur oben verdrillt, ziehen sich die Armenden oben zusammen, und unten wird das Blatt gespannt.
Die Formen
| Spann- oder Trennsäge | Großes Gestell, mittelgrobe Zahnung. Für Längs- und Querschnitte an Brettern und Bohlen. |
| Schittersäge | Grobe Zahnung, schneidet auf Zug und Stoß. Für Kant- und Rundholz, Brennholz. |
| Absetzsäge | Feinere Zahnung, für Querschnitte und das Absetzen von Zapfen. |
| Schlitzsäge | Für Längsschnitte an Zapfen und Schlitzen. |
| Schweifsäge | Sehr schmales Blatt für Kurven und Bögen. |
Im Baumarkt wird unter dem Namen Gestellsäge oft auch eine Bügelsäge mit Metallrahmen verkauft, mit der man Äste und Brennholz sägt. Sie folgt demselben Prinzip – gespanntes, dünnes Blatt –, ist aber ein Gartenwerkzeug.
Warum ein gespanntes Blatt
Ein Blatt, das nur an einem Ende gehalten wird, muss dick und steif sein, sonst knickt es beim Stoß. Ein gespanntes Blatt kann dagegen dünn sein, weil die Zugspannung es stabilisiert. Dünneres Blatt bedeutet schmalere Schnittfuge, weniger Kraftaufwand und weniger Materialverlust.
Das Blatt lässt sich bei vielen Gestellsägen in den Griffen drehen. So kann man seitlich am Rahmen vorbei sägen, etwa um ein Brett längs aufzutrennen, das breiter ist als der Abstand zwischen Blatt und Steg.
Das Blatt spannen
- Blatt einhängen und in den Griffen gerade ausrichten. Es darf nicht verdreht sein, sonst verläuft der Schnitt.
- Schnur verdrillen mit dem Knebel, bis das Blatt beim Anschlagen hell klingt.
- Knebel am Steg einrasten, damit sich die Schnur nicht zurückdreht.
- Nach der Arbeit entspannen. Dauerhafte Spannung verzieht den Rahmen und dehnt Schnur und Blatt.
Bei Sägen mit Spanndraht übernimmt die Flügelmutter diese Arbeit.
Richtig sägen
Querschnitt. Werkstück fest auf dem Bock, Säge senkrecht, mit langen Zügen. Den Rahmen nicht verkanten, sondern locker führen.
Längsschnitt. Das Blatt um 90 Grad zum Rahmen drehen, damit der Steg seitlich am Brett vorbeiläuft. Das Brett wird fest eingespannt, man sägt entlang des Anrisses, beim Faustsägen mit beiden Händen am Gestell.
Kurven. Mit der Schweifsäge das Werkstück senkrecht im Schraubstock spannen und in kleinen Schritten entlang der Linie sägen. Enge Radien vorher mit einem Bohrloch entlasten.
Die Zahnung
Die meisten Gestellsägen schneiden auf Stoß; die Zähne zeigen dann vom Griff weg. Schittersägen haben Zähne, die in beide Richtungen schneiden. Für Längsschnitte eignet sich eine Zahnform, die wie ein kleiner Meißel arbeitet, für Querschnitte eine spitz geschliffene. Das Blatt lässt sich bei ungehärteten Zähnen nachschärfen, Ersatzblätter sind günstig.
Gestellsäge, Fuchsschwanz oder Japansäge
Der Fuchsschwanz ist robuster und schneller zur Hand, die Japansäge feiner und ohne Spannung einsatzbereit. Die Gestellsäge liegt dazwischen: präziser als der Fuchsschwanz, bei langen Schnitten ausdauernder als die Japansäge. Wer traditionelle Holzverbindungen von Hand sägt, schätzt ihre Laufruhe.
Eine Gestellsäge selbst bauen
Gestellsägen gehören zu den klassischen Gesellenstücken, und viele Tischler bauen ihre eigene. Nötig sind zwei Arme und ein Steg aus Hartholz wie Buche oder Esche, eine feste Schnur, ein Knebel und ein fertiges Blatt mit Befestigungsstiften. Die Arme werden mit einer Zapfenverbindung locker auf den Steg gesteckt, damit sie beim Spannen kippen können. Das Blatt ist der einzige Teil, den man kaufen muss – Ersatzblätter in verschiedenen Längen und Zahnungen gibt es im Fachhandel für Tischlerbedarf. Eine selbst gebaute Säge ist oft leichter und besser ausbalanciert als ein günstiges Kaufmodell.
Typische Fehler
- Zu wenig Spannung. Das Blatt flattert, der Schnitt verläuft.
- Blatt verdreht eingebaut. Die Säge zieht schräg, egal wie gut man führt.
- Dauerhaft gespannt gelagert. Der Rahmen verzieht sich.
- Zu viel Druck. Das dünne Blatt biegt sich aus. Das Gewicht der Säge und lange Züge genügen.
Häufige Fragen
Wo bekomme ich eine Gestellsäge?
Im Werkzeugfachhandel und bei Anbietern für Tischlerwerkzeug. Im Baumarkt findet man eher die Metallbügelsäge für den Garten.
Welche Größe für den Anfang?
Eine mittelgroße Absetz- oder Trennsäge mit 500 bis 700 mm Blattlänge ist vielseitig. Für Kurven kommt später eine Schweifsäge dazu.
Wie lagere ich die Säge?
Entspannt und hängend, damit sich der Rahmen nicht verzieht. Das Blatt dünn einölen, wenn die Säge länger nicht benutzt wird.



