Handentgrater

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Ein Handentgrater nimmt den scharfen Grat ab, der beim Sägen, Bohren und Abschneiden an Kanten entsteht. Das klingt nach Kosmetik, ist aber oft eine Frage der Funktion: Ein Grat im Rohr zerschneidet den Dichtring des Fittings, ein Grat an der Blechkante die Hand. Das Werkzeug kostet wenige Euro und spart mehr Ärger, als man ihm ansieht.
Was ein Grat ist und warum er stört
Beim Trennen von Metall und Kunststoff wird das Material nicht nur abgetrennt, sondern an der Schnittkante auch verdrängt. Dort bleibt ein dünner, scharfer Rand stehen – der Grat. Er entsteht beim Absägen, beim Rohrabschneider, beim Bohren auf der Austrittsseite und beim Stanzen.
Er stört an drei Stellen. Er verletzt: Blechkanten mit Grat schneiden wie ein Messer. Er dichtet schlecht: Beim Einschieben in einen Press- oder Steckfitting schert er den O-Ring an. Er verengt: Der Innengrat, den ein Rohrabschneider hinterlässt, verkleinert den Querschnitt und erzeugt Verwirbelungen und Geräusche in der Leitung.
Zwei Werkzeuge unter einem Namen
| Stiftentgrater | Griff mit drehbar gelagerter, gebogener Klinge. Wird an Kanten entlanggezogen, auch in Bohrungen und an Kurven. |
| Rohrentgrater | Kegelförmiger Körper mit Schneiden, meist innen und außen. Wird ins oder aufs Rohrende gesteckt und gedreht. |
| Kombi-Entgrater | Rohrentgrater mit zusätzlichem Kalibrierdorn, vor allem für Mehrschichtverbundrohr. |
| Senker | Kegeliger Fräser für die Bohrmaschine, entgratet Bohrungen maschinell. |
Der Stiftentgrater und seine Klingen
Beim Stiftentgrater steckt eine Klinge aus Schnellarbeitsstahl in einem Halter und kann sich frei drehen. Dadurch folgt sie jeder Kante von selbst, ob gerade, rund oder in einer Bohrung. Man legt sie an und zieht sie mit leichtem Druck zu sich heran. Nach zwei, drei Zügen ist die Kante sauber gebrochen.
Die Klingen sind austauschbar und unterscheiden sich im Schneidenwinkel. Die Standardklinge eignet sich für Stahl, Aluminium und Kunststoff. Für Messing, Guss und Kupfer gibt es Klingen mit anderer Geometrie, weil die Standardklinge in diesen Werkstoffen rattert. Zweischneidige Klingen arbeiten in beide Richtungen. Für Innenkanten in Bohrungen gibt es Klingen mit kleinem Radius.
Der Rohrentgrater
Der klassische Rohrentgrater sieht aus wie ein kleiner Kegel mit Schneiden. Innen entgratet er das Rohrende, wenn man ihn hineinsteckt und dreht, außen, wenn man ihn aufsetzt. Er ist das passende Werkzeug für Kupfer-, Stahl-, Edelstahl- und Kunststoffrohre in den üblichen Installationsgrößen.
Für Mehrschichtverbundrohr reicht Entgraten allein nicht. Das Rohr wird beim Abschneiden leicht oval und muss mit einem Kalibrierwerkzeug wieder rund gedrückt werden, bevor es in den Pressfitting kommt. Viele Kombiwerkzeuge erledigen beides in einem Arbeitsgang.
Entgraten Schritt für Schritt
- Rechtwinklig abschneiden. Ein schräger Schnitt lässt sich nicht sauber entgraten und dichtet später schlecht. Ein Rohrabschneider schneidet gerader als die Säge.
- Innen entgraten. Entgrater ins Rohr stecken, zwei bis drei Umdrehungen. Nicht weiter – eine übertriebene Innenfase schwächt die Wand.
- Außen entgraten. Entgrater aufsetzen oder den Stiftentgrater einmal rundherum führen.
- Späne entfernen. Metallspäne gehören nicht in die Leitung, sie landen sonst in der nächsten Armatur.
- Kontrollieren. Mit dem Finger vorsichtig über die Kante fahren. Sie soll glatt und leicht gebrochen sein, nicht scharf.
Wer Kupfer anschließend biegt, findet Einzelheiten beim Beitrag Kupferrohr biegen und beim Rohrbiegegerät.
Abwasserrohre anfasen
Bei Kunststoff-Abwasserrohren aus PP oder PVC genügt Entgraten nicht: Das eingesteckte Ende braucht eine Fase von etwa 15 Grad, damit es sich in die Muffe schieben lässt, ohne den Lippendichtring umzukrempeln. Die Fase lässt sich mit einer Feile, einem Anfasgerät oder einem großen Rohrentgrater herstellen. Wer das Rohr ohne Fase in die Muffe drückt, merkt es oft erst beim ersten Wassertest.
Bleche und Profile
An Blechkanten, Alu-Profilen und Winkeleisen ist der Stiftentgrater unschlagbar schnell. Er ersetzt die Feile bei allen Kanten, die nur gebrochen, nicht profiliert werden sollen. Nach dem Zuschnitt – Hinweise dazu stehen unter Bleche zuschneiden – ist er das erste Werkzeug, das man in die Hand nimmt, noch bevor jemand das Blech anfasst.
Typische Fehler
- Grat nur außen entfernt. Der Innengrat ist beim Rohr der wichtigere.
- Stumpfe Klinge weiterbenutzt. Sie reißt das Material, statt zu schneiden. Ersatzklingen kosten wenig.
- Zu tief entgratet. Eine große Innenfase verringert die Einstecktiefe und damit die Auflage im Fitting.
- Ohne Handschuhe gearbeitet. Gerade beim Entgraten liegt die Hand direkt an der scharfen Kante.
Häufige Fragen
Was kostet ein Handentgrater?
Stiftentgrater mit einer Klinge gibt es ab etwa 5 Euro, Sätze mit mehreren Klingen für 15 bis 30 Euro. Rohrentgrater für die Hausinstallation liegen bei 10 bis 40 Euro.
Kann ich stattdessen eine Feile nehmen?
Außen ja, innen kaum. Eine Halbrundfeile erreicht den Innengrat eines 15-mm-Kupferrohrs nur unvollständig. Für gelegentliche Arbeiten geht es, für eine Installation lohnt der Entgrater.
Muss ich Bohrlöcher entgraten?
Wenn Schrauben flach aufliegen oder Kabel durchgeführt werden sollen, ja. Ein Senker in der Bohrmaschine oder ein Stiftentgrater mit Bohrungsklinge erledigt das in Sekunden.


