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Heimwerker-Berater

Anreißwinkel

Werkzeugvon Christoph5 Min. · 9 Abschnitte
Anreißwinkel
Inhalt9 Abschnitte
  1. Wofür man ihn braucht
  2. Die Bauarten im Überblick
  3. Fest oder verstellbar
  4. Stahl, Alu oder Holz
  5. Die Umschlagprobe: Ist der Winkel wirklich rechtwinklig?
  6. Womit man anreißt
  7. Typische Fehler
  8. Messen an der Skala
  9. Häufige Fragen

Ein Anreißwinkel überträgt einen rechten Winkel von einer geraden Kante auf die Fläche eines Werkstücks. Er besteht aus einem dicken Anschlag, der an der Kante anliegt, und einer dünnen Zunge, an der Sie den Strich ziehen. Das klingt banal – aber jeder Sägeschnitt ist nur so rechtwinklig wie der Strich, dem er folgt.

Wofür man ihn braucht

Der Anreißwinkel ist das Werkzeug für den Moment vor dem Schnitt. Sie legen den Anschlag an die gehobelte oder gesägte Kante eines Bretts, einer Latte oder eines Flachstahls und ziehen quer darüber eine Linie, die exakt 90 Grad zur Kante steht. Danach wird gesägt, gebohrt, gefräst oder gestemmt.

Typische Einsätze sind Ablängschnitte an Kantholz, Anrisse für Zapfen und Schlitze im Möbelbau, Bohrungsmarkierungen an Flachmaterial und das Übertragen einer Linie um alle vier Seiten eines Balkens herum. Wer mit der Kappsäge arbeitet, braucht den Winkel seltener – wer mit Japansäge oder Handkreissäge arbeitet, ständig.

Anreißwinkel
Anreißwinkel | Foto: photography33 / Depositphotos.com

Die Bauarten im Überblick

AnschlagwinkelFester 90-Grad-Winkel mit dickem Anschlag. Der Klassiker für Holz, meist 150 bis 300 mm Schenkellänge.
GehrungswinkelFest auf 45 und 135 Grad, für Rahmenecken und Leisten.
SchlosserwinkelGanz aus Stahl, flach oder mit Anschlag, für Metall und Maschineneinstellung.
KombinationswinkelVerschiebbares Lineal mit Kopf für 90 und 45 Grad, oft mit Libelle. Siehe Kombinationswinkel.
SchmiegeFrei verstellbar, überträgt beliebige Winkel, misst sie aber nicht.

Für den Einstieg reicht ein fester Anschlagwinkel mit 200 bis 250 mm Zunge. Er deckt die Breite der meisten Bretter und Latten ab und passt noch in die Schürze. Für Dachsparren und Treppenwangen ist ein großer Zimmermannswinkel die bessere Wahl.

Fest oder verstellbar

Ein fester Winkel ist genauer als jeder verstellbare. Er hat kein Gelenk, keine Rändelschraube und kein Spiel, das sich im Laufe der Jahre einstellt. Deshalb hängt in jeder Tischlerei ein fester Anschlagwinkel, auch wenn daneben ein Kombinationswinkel liegt.

Verstellbare Modelle lohnen sich, wenn Sie oft von 90 Grad abweichen müssen: Dachschrägen, Treppen, Sechseck- und Achteckrahmen. Dann aber mit Gradskala oder zusammen mit einem Winkelmesser, denn eine Schmiege allein überträgt nur, was Sie ihr vorher eingestellt haben.

Stahl, Alu oder Holz

Die Zunge sollte aus gehärtetem oder rostfreiem Stahl sein. Sie bleibt gerade, die Skala nutzt sich nicht ab, und die Kante verträgt auch die Anreißnadel. Aluminium ist leichter und günstiger, bekommt aber schneller Macken an der Kante – und eine Macke an der Kante ist ein Knick in jeder Linie.

Der Anschlag ist bei Tischlerwinkeln oft aus Hartholz wie Buche oder Palisander, bei Schlosserwinkeln aus Stahl oder Druckguss. Holz ist angenehm und schont das Werkstück, kann sich bei Feuchtigkeit aber minimal verziehen. Wichtig ist bei beiden, dass der Anschlag deutlich dicker ist als die Zunge. Nur dann liegt er sicher an der Kante an, ohne zu kippen.

Die Umschlagprobe: Ist der Winkel wirklich rechtwinklig?

Billige Winkel sind nicht selten um einen halben Grad daneben. Auf 20 cm Länge sind das fast 2 mm – genug, damit eine Schublade klemmt. Prüfen lässt sich das in einer Minute:

  1. Gerade Kante suchen. Ein sauber abgerichtetes Brett oder eine Plattenkante mit Fabrikschnitt.
  2. Linie ziehen. Anschlag anlegen, mit spitzem Bleistift oder Messer einen feinen Strich ziehen.
  3. Winkel umdrehen. Den Winkel wenden, sodass der Anschlag von der anderen Seite an derselben Kante liegt, und die Zunge an den Strich legen.
  4. Vergleichen. Deckt sich die Zunge mit der Linie, ist der Winkel in Ordnung. Laufen beide auseinander, entspricht der Spalt dem doppelten Fehler.

Machen Sie diese Probe beim Kauf und danach, wenn der Winkel einmal heruntergefallen ist. Ein Sturz auf den Betonboden reicht, um einen genieteten Anschlag zu verziehen.

Womit man anreißt

Die Linie ist nur so fein wie das, was sie zieht. Im Rohbau genügt ein Zimmermannsbleistift. Für Möbel und Verbindungen nehmen Tischler lieber ein Anreißmesser: Es ritzt die obersten Fasern an, die Säge findet in der Kerbe Halt, und die Kante reißt beim Sägen weniger aus.

Auf Metall kommt eine Reißnadel aus Hartmetall zum Einsatz. Auf blankem Stahl sieht man den Riss besser, wenn die Fläche vorher mit Anreißfarbe oder einem dicken Filzstift eingefärbt wurde. Für Linien parallel zur Kante ist dagegen ein Streichmaß das richtige Werkzeug – der Anreißwinkel ist für Querlinien gedacht.

Typische Fehler

  • Anschlag nicht fest angedrückt. Drücken Sie den Anschlag mit der ganzen Hand an die Kante und ziehen Sie den Strich mit der anderen. Kippt der Anschlag, kippt der Winkel.
  • An einer schlechten Kante angelegt. Eine rohe, gewölbte Brettkante überträgt ihre Krümmung auf die Linie. Erst abrichten, dann anreißen.
  • Stift schräg gehalten. Der Stift gehört dicht an die Zunge und immer im gleichen Winkel geführt, sonst wandert die Linie.
  • Rundum-Anriss ohne Bezugskante. Wer einen Balken rundherum anreißt, legt den Anschlag immer an dieselbe Bezugsfläche an. Sonst treffen sich die Linien am Ende nicht.

Messen an der Skala

Viele Anreißwinkel haben eine eingeätzte oder gelaserte Skala in Millimetern, manche zusätzlich in Zoll. Das ist praktisch, um schnell ein Maß abzutragen, ersetzt aber keinen Zollstock oder Stahlmaßstab. Achten Sie darauf, dass die Skala eingraviert und nicht nur aufgedruckt ist. Aufgedruckte Striche sind nach einem Jahr Werkstatt oft nicht mehr lesbar.

Eine eingebaute Libelle, wie sie manche Kombinationswinkel haben, ist nützlich für grobe Prüfungen an Pfosten oder Regalböden. Eine echte Wasserwaage ersetzt sie nicht; mehr dazu bei der Winkelwasserwaage.

Häufige Fragen

Was kostet ein guter Anreißwinkel?

Einfache Anschlagwinkel gibt es ab 10 Euro. Solide Modelle mit Stahlzunge und gravierter Skala kosten 20 bis 40 Euro, Präzisionswinkel für den Maschinenbau deutlich mehr. Für Heimwerker lohnt sich die mittlere Klasse – vorausgesetzt, die Umschlagprobe fällt gut aus.

Gibt es eine Norm für die Genauigkeit?

Für Präzisionswinkel aus Stahl legt die DIN 875 Genauigkeitsgrade fest. Im Holzbereich sind die meisten Winkel nicht danach eingestuft. Dort zählt, ob die Umschlagprobe stimmt.

Kann ich einen ungenauen Winkel nachrichten?

Bei Ganzmetallwinkeln ist das mit Feile und Geduld möglich, bei genieteten Holzanschlägen kaum. Meist ist ein neuer Winkel die schnellere Lösung.

Brauche ich zusätzlich einen Kombinationswinkel?

Nicht zwingend. Wer viel mit 45 Grad arbeitet oder Tiefen an Nuten und Bohrungen abnehmen will, schätzt ihn. Für reine Querlinien ist der feste Tischlerwinkel handlicher und genauer.

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