Kontur-Vervielfältigungslehre

Inhalt9 Abschnitte
Eine Kontur-Vervielfältigungslehre ist ein Kamm aus vielen dünnen, verschiebbaren Nadeln. Drückt man ihn gegen eine Türzarge, ein Rohr oder eine Sockelleiste, bilden die Nadeln deren Profil exakt nach. Die Form lässt sich dann mit dem Bleistift auf Fliese, Laminat oder Teppich übertragen. Das Werkzeug kostet wenig und erspart beim Bodenverlegen genau die Schnitte, die sonst dreimal nachgearbeitet werden.
Wofür man sie braucht
Beim Verlegen von Böden trifft man ständig auf Hindernisse mit komplizierter Form: profilierte Türzargen, Heizungsrohre mit Rosette, Treppenstufen mit Nase, runde Säulen, Badewannenfüße. Mit Zollstock und Winkel lässt sich so etwas nur mühsam und ungenau aufmessen. Die Lehre erfasst die Form in einem Arbeitsgang.
Typische Einsätze sind Fliesen und Naturstein, Laminat und Vinyl, Teppich und Kork, Sockelleisten mit Profilstoß, aber auch Arbeiten in der Holzwerkstatt, beim Modellbau oder bei Karosseriearbeiten, wo Profile kontrolliert oder übertragen werden. Die allgemeine Einordnung und weitere Arten von Lehren stehen unter Konturenlehre.

Die Kenngrößen
| Messbreite | Wie breit die erfasste Kontur maximal sein darf. Üblich sind etwa 125 bis 130 mm bei kleinen und 250 mm bei großen Lehren. |
| Messtiefe | Wie weit die Nadeln verschoben werden können, meist um 30 bis 50 mm. Sie begrenzt, wie tief ein Profil sein darf. |
| Nadelbreite | Je feiner die Nadeln, desto genauer die Kontur. Übliche Werte liegen um einen Millimeter. |
| Feststellung | Ein Hebel oder eine Schraube arretiert die Nadeln, damit die Form beim Übertragen nicht verrutscht. |
Ein Beispiel für eine kompakte Lehre ist das Modell von Wolfcraft mit höchstens 130 mm Konturenbreite und 30 mm Konturentiefe. Das reicht für Zargen und Rohre, nicht für eine ganze Treppenstufe.
Kunststoff- oder Metallnadeln
Kunststoffnadeln, meist aus ABS, sind heute Standard. Sie sind leicht, rosten nicht und zerkratzen empfindliche Oberflächen wie lackierte Zargen oder Fliesen nicht. Nach vielen Jahren können einzelne Nadeln brechen oder schwergängig werden.
Metallnadeln aus Stahl sind feiner und damit etwas genauer, dafür rostanfällig und hart zu empfindlichen Oberflächen. Außerdem verrutschen sie ohne Feststellung leichter, weil sie in ihrer Führung meist loser sitzen.
Für Bodenarbeiten im Haus ist Kunststoff die bessere Wahl. Metall lohnt sich für feine Werkstattarbeiten.

Mit oder ohne Feststellung
Einfache Lehren halten die Nadeln nur durch Reibung. Wer die Lehre vom Hindernis abnimmt und mit etwas Druck auf die Fliese legt, verschiebt dabei leicht einzelne Nadeln. Eine Lehre mit Feststellhebel ist deshalb ihr Geld wert, gerade bei komplizierten Formen oder wenn man die Kontur mehrfach übertragen will. Manche Modelle lassen sich außerdem aneinanderstecken, um die Messbreite zu verdoppeln.
So wird aufgenommen und übertragen
- Nadeln ausrichten. Lehre flach auf den Tisch legen und die Nadeln mit der Handfläche auf eine Seite schieben, sodass eine gerade Kante entsteht.
- Bezugskante festlegen. Die Lehre muss beim Aufnehmen und beim Übertragen an derselben Referenz anliegen, zum Beispiel am Boden oder an der Wand. Sonst passt die Form, sitzt aber an der falschen Stelle.
- Andrücken. Lehre gerade und mit gleichmäßigem Druck gegen das Hindernis schieben, bis alle Nadeln anliegen.
- Feststellen. Hebel umlegen oder Schraube anziehen.
- Übertragen. Lehre auf das Werkstück legen, an der Bezugskante ausrichten und die Kontur mit einem spitzen Bleistift nachfahren.
- Kontrollieren. Vor dem Schnitt die Lehre noch einmal an das Hindernis halten. Das dauert Sekunden und rettet eine Fliese.

Den Schnitt ausführen
Die Lehre liefert die Linie, geschnitten wird mit dem passenden Werkzeug. In Laminat und Holz geht das mit der Stichsäge und einem feinen Kurvensägeblatt, bei engen Radien mit der Laubsäge. Fliesen werden mit Fliesenzange, Nassschneider oder Winkelschleifer mit Diamantscheibe bearbeitet, Rundungen mit einem Lochbohrer für Fliesen. Teppich und Vinyl schneidet man mit dem Cutter, am besten in mehreren Zügen.
Arbeiten Sie immer etwas außerhalb der Linie und nehmen Sie den Rest mit Feile oder Schleifpapier nach. Nachschneiden geht, ansetzen nicht.
Lange Konturen stückweise erfassen
Ist die Kontur breiter als die Lehre, nehmen Sie sie in Abschnitten auf. Markieren Sie am Hindernis und auf dem Werkstück, wo ein Abschnitt endet, und setzen Sie den nächsten mit leichter Überlappung an. Zwei aneinandergesteckte Lehren sind genauer, weil kein Versatz entsteht.

Typische Fehler
- Schief angedrückt. Die Lehre muss im rechten Winkel zur Bezugskante stehen, sonst wird die Form verzerrt übertragen.
- Beim Transport verschoben. Ohne Feststellung nie in der Hosentasche zum Werkstück tragen.
- Referenz vergessen. Die Form stimmt, aber der Ausschnitt sitzt zwei Zentimeter daneben.
- Zu kleine Lehre gekauft. Für Treppenstufen und breite Profile ist eine große Lehre oder ein anderes Verfahren nötig.
Häufige Fragen
Was kostet eine Kontur-Vervielfältigungslehre?
Einfache Modelle gibt es ab etwa 10 Euro, Lehren mit Feststellhebel und größerer Breite kosten meist 15 bis 35 Euro.
Welche Größe soll ich kaufen?
Für Zargen, Rohre und Sockelleisten reicht eine Lehre mit etwa 130 mm Breite. Wer oft größere Profile aufnimmt, nimmt eine mit 250 mm oder zwei zum Zusammenstecken.
Gibt es Alternativen?
Für große Flächen eine Pappschablone, für Winkel eine Schmiege, für Maße einen Messschieber. Eine digitale Variante gibt es ebenfalls, lohnt sich im Heimwerkerbereich aber selten. Ein weiteres Modell beschreibt Saker-Konturenlehre.



