Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Schließzylinder: Alles, was Sie über sie wissen müssen

Haus & Bauvon Christoph5 Min. · 9 Abschnitte
Schließzylinder: Alles, was Sie über sie wissen müssen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Die Bauformen
  2. Richtig ausmessen
  3. Den Zylinder tauschen
  4. Wann sich ein Tausch lohnt
  5. Gleichschließend oder Schließanlage
  6. Material
  7. Die Schutzfunktionen
  8. Wartung
  9. Häufige Fragen

Der Schließzylinder ist das Teil im Türschloss, in das der Schlüssel gesteckt wird. In Deutschland ist fast immer ein Profilzylinder verbaut, der sich mit einer einzigen Schraube lösen und in fünf Minuten tauschen lässt. Das macht den Wechsel einfach – und die Sicherheit leicht zu verbessern, wenn man die richtige Länge und die passenden Schutzfunktionen wählt.

Die Bauformen

DoppelzylinderVon beiden Seiten mit Schlüssel bedienbar. Standard an Haus- und Wohnungstüren.
KnaufzylinderAußen Schlüssel, innen Drehknauf. Praktisch, weil man von innen ohne Schlüssel abschließt. An Türen mit Glasausschnitt nahe dem Knauf ein Risiko.
HalbzylinderNur von einer Seite bedienbar. Für Garagentore, Schaltkästen, Schlüsselschalter.
Zylinder mit Not- und GefahrenfunktionSchließt auch, wenn innen ein Schlüssel steckt. Wichtig, damit man im Notfall hineinkommt.
SchließanlagenzylinderTeil einer Anlage, in der ein Generalschlüssel mehrere Türen schließt und einzelne Schlüssel nur bestimmte.

Neben dem Profilzylinder gibt es Rundzylinder, vor allem in der Schweiz und in älteren Anlagen, sowie ovale Zylinder im skandinavischen und britischen Raum. Sie sind nicht untereinander austauschbar.

Richtig ausmessen

Ein Profilzylinder hat zwei Maße, A und B. Sie werden jeweils von der Mitte der Befestigungsschraube bis zum Ende des Zylinders gemessen. Beim neuen Zylinder zählt, wie weit er von der Schraubenmitte aus bis zur Außenkante der Tür beziehungsweise des Beschlags reicht.

  1. Tür öffnen, an der Stirnseite die Stulpschraube finden. Sie sitzt in Höhe des Zylinders.
  2. Von der Schraubenmitte nach außen messen bis zur Außenfläche des Türbeschlags. Das ist Maß A.
  3. Ebenso nach innen messen. Das ist Maß B.
  4. Aufrunden auf das nächste handelsübliche Maß. Zylinder gibt es meist in 5-mm-Schritten, beginnend bei 30 mm je Seite, also 30/30, 30/35, 35/40 und so weiter.

Außen darf der Zylinder höchstens etwa 3 mm überstehen. Ein weit herausragender Zylinder lässt sich mit einer Zange abbrechen, und die Tür ist in Sekunden offen. Ein Schutzbeschlag, der den Zylinder außen bündig abdeckt, gehört deshalb dazu. Hinweise zum Nachrüsten unter Einbruchschutz an der Tür nachrüsten.

Den Zylinder tauschen

  1. Tür öffnen und die Stulpschraube lösen.
  2. Schlüssel einstecken und etwas drehen, bis die Schließnase in einer Linie mit dem Zylinderkörper steht, meist in Nullstellung. Dann lässt sich der Zylinder herausziehen.
  3. Neuen Zylinder einschieben, dabei Schlüssel wieder leicht gedreht halten.
  4. Stulpschraube handfest anziehen. Zu fest verzieht sie den Zylinder, und er dreht schwer.
  5. Bei offener Tür testen, von beiden Seiten und mehrmals. Erst danach die Tür schließen.

Bei Mietwohnungen gehört der Zylinder dem Vermieter. Tauschen Sie ihn nur in Absprache und heben Sie den alten auf.

Schließzylinder aus Messing
Schließzylinder aus Messing sind aufgrund ihrer Haltbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und ästhetischen Eigenschaften eine beliebte Wahl für Schließmechanismen in Wohn- und Geschäftsbereichen. | Foto: gavran333 / Depositphotos.com

Wann sich ein Tausch lohnt

  • Nach Schlüsselverlust, wenn nicht ausgeschlossen ist, dass der Finder die Adresse kennt.
  • Beim Einzug in ein gekauftes Haus oder eine Wohnung. Wie viele Schlüssel der Vorbesitzer verteilt hat, weiß niemand.
  • Wenn der Zylinder weit übersteht oder keinerlei Schutzfunktion hat.
  • Wenn er schwer geht und Pflege nicht hilft. Verschlissene Stifte machen den Zylinder unzuverlässig, und ein abgebrochener Schlüssel sperrt Sie im ungünstigsten Moment aus.

Gleichschließend oder Schließanlage

Gleichschließende Zylinder lassen sich alle mit demselben Schlüssel bedienen, etwa Haustür, Kellertür und Garage. Das ist bequem und kostet wenig Aufpreis, wenn man die Zylinder gemeinsam bestellt. Nachträglich passend machen lässt sich ein vorhandener Zylinder in der Regel nicht.

Eine Schließanlage geht weiter: Jeder Schlüssel schließt nur bestimmte Türen, ein Hauptschlüssel alle. Das ist in Mehrfamilienhäusern und Betrieben üblich. Planung und Nachbestellung laufen über den Fachhandel, der einen Schließplan führt.

Material

Der Zylinderkörper ist meist aus Messing, oft vernickelt, um Korrosion und Abrieb zu vermindern. Messing lässt sich präzise fertigen und korrodiert kaum. Sicherheitszylinder haben zusätzlich gehärtete Stahleinlagen im Kern und im Gehäuse, die das Aufbohren verhindern sollen. Edelstahlzylinder sind für salzhaltige Luft und stark bewitterte Außentüren gedacht.

Die Schutzfunktionen

Bohrschutz. Gehärtete Stifte oder Platten im Zylinder lassen den Bohrer abgleiten oder brechen.

Ziehschutz. Verhindert, dass der Kern oder der ganze Zylinder mit einem Ziehwerkzeug herausgerissen wird. Wirksam nur mit einem passenden Schutzbeschlag.

Pick- und Aufsperrschutz. Besondere Stiftformen und zusätzliche Sperrelemente erschweren das Öffnen mit Pickwerkzeug.

Schutz gegen Schlagschlüssel. Das sogenannte Bumping öffnet einfache Zylinder in Sekunden. Hochwertige Zylinder sind dagegen gesichert.

Kopierschutz und Sicherungskarte. Nachschlüssel gibt es nur gegen Vorlage einer Karte beim Hersteller oder autorisierten Händler, oft zusätzlich über Patente geschützt. Das ist die Funktion, die im Alltag am meisten bringt, weil sich Schlüssel nicht beim nächstbesten Schlüsseldienst kopieren lassen.

Die Einstufung der Sicherheit regelt die Norm EN 1303 mit Klassen für Schlüsselsicherheit und Angriffswiderstand; in Deutschland sind zusätzlich Prüfungen nach DIN 18252 verbreitet. Für eine Haustür lohnt ein Zylinder mit Bohr-, Zieh- und Pickschutz und Sicherungskarte.

Wartung

Ein Zylinder, der schwer geht, wird mit der Zeit mit mehr Kraft bedient, und dann bricht irgendwann der Schlüssel ab. Deshalb ein- bis zweimal im Jahr pflegen:

  • Reinigen. Staub und Abrieb mit Druckluft ausblasen.
  • Schmieren. Mit einem Spray, das der Hersteller für Schließzylinder freigibt, oder mit Graphitpulver. Kein Speiseöl und kein dickes Fett – beides verharzt und bindet Schmutz.
  • Prüfen. Schließt der Zylinder leicht und von beiden Seiten? Hakt er nur bei geschlossener Tür, liegt das Problem oft am Schloss oder an der Tür, nicht am Zylinder.

Häufige Fragen

Was kostet ein neuer Zylinder?

Einfache Profilzylinder gibt es ab etwa 15 Euro. Sicherheitszylinder mit Sicherungskarte und Bohr- und Ziehschutz liegen meist bei 50 bis 150 Euro, Schließanlagen deutlich höher.

Knaufzylinder oder Doppelzylinder?

Ein Knaufzylinder ist bequem und im Brandfall ein Vorteil, weil man ohne Schlüssel hinauskommt. An Türen mit Glas neben dem Knauf ist der Doppelzylinder sicherer.

Kann ich einen elektronischen Zylinder nachrüsten?

Ja, es gibt mechatronische Zylinder und Aufsätze, die per Code, Karte oder Smartphone öffnen. Einen Überblick gibt elektronisches Türschloss.

Das könnte Sie auch interessieren