Einbruchschutz an Tür nachrüsten

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Einbrecher kommen durch die Haus- oder Wohnungstür meist mit einem simplen Werkzeug: einem großen Schraubendreher. Sie hebeln die Tür an der Schlossseite auf, bis das Schließblech ausreißt. Die wirksamsten Nachrüstungen verstärken deshalb nicht das Schloss, sondern die Verankerung im Rahmen und in der Wand.
Wie Türen aufgebrochen werden
Die Polizei nennt seit Jahren dieselben Muster. Bei Wohnungstüren im Mehrfamilienhaus ist das Aufhebeln am häufigsten: Das Werkzeug wird zwischen Tür und Rahmen angesetzt, die Tür wird aufgedrückt, bis Schließblech oder Rahmen nachgeben. Seltener wird der Schließzylinder angegriffen, abgebrochen oder herausgezogen.
Die meisten Einbrecher geben nach wenigen Minuten auf, wenn die Tür nicht nachgibt. Genau darauf zielen Nachrüstungen: Sie sollen Zeit kosten und Lärm verursachen.
Die Schwachstellen einer Tür
| Schließblech | Das Blech im Rahmen, in das der Riegel fährt. Oft nur mit kurzen Schrauben im Holz befestigt. |
| Schließzylinder | Steht er außen über, kann er abgebrochen oder gezogen werden. |
| Bandseite | Die Scharnierseite. Bei außen liegenden Bändern lässt sie sich aushebeln. |
| Türblatt | Bei dünnen Röhrenspanplatten lässt es sich durchtreten. |
| Rahmen und Zarge | Schlecht in der Wand verankert, gibt die ganze Zarge nach. |
Winkelschließblech mit Mauerankern
Das ist die wichtigste Einzelmaßnahme. Ein Winkelschließblech aus Stahl ersetzt das alte Schließblech, ist deutlich länger und greift um die Rahmenkante. Mit langen Schrauben oder Mauerankern wird es durch die Zarge hindurch im Mauerwerk verankert. Aufhebeln bedeutet dann nicht mehr, ein Blech aus dem Holz zu reißen, sondern die Wand zu beschädigen.
Übliche Winkelschließbleche sind etwa 30 cm lang und aus 3 mm Stahl. Die Montage erfordert das Einlassen des Blechs in die Zarge und Bohrungen ins Mauerwerk; mit Oberfräse oder Stemmeisen ist das für geübte Heimwerker machbar.
Schutzbeschlag und Schließzylinder
Ein Schutzbeschlag umschließt den Zylinder außen, sodass er nicht mehr übersteht. Idealerweise hat er eine Zylinderabdeckung, die das Aufbohren und Ziehen erschwert. Er wird von innen verschraubt, außen sind keine Schrauben sichtbar.
Der Zylinder soll außen höchstens wenige Millimeter überstehen, sonst bietet er Angriffsfläche. Gute Zylinder haben einen Zieh- und Bohrschutz. Mehr zur Auswahl unter Schließzylinder. Einzeln nachgerüstet bringt ein teurer Zylinder allerdings wenig, wenn das Schließblech weiterhin mit zwei kurzen Holzschrauben hält.
Querriegel und Zusatzschloss
Ein Querriegelschloss, auch Panzerriegel genannt, sichert die Tür über die ganze Breite. Eine Stahlstange liegt innen quer über dem Türblatt und greift beidseitig in Schließkästen, die in der Wand verankert sind. Das ist die stärkste Nachrüstung für eine Wohnungstür, optisch aber auffällig.
Dezenter sind Zusatzschlösser, die innen auf das Türblatt geschraubt werden und mit einem Riegel in einen eigenen, ebenfalls verankerten Schließkasten greifen. Viele haben zusätzlich einen Sperrbügel, mit dem die Tür nur einen Spalt weit öffnet – das ersetzt die Türkette.
Bandseitensicherung
Auf der Scharnierseite schützen Bandseitensicherungen: Stahlbolzen, die in das Türblatt geschraubt werden und beim Schließen in Bohrungen im Rahmen fahren. Selbst wenn jemand die Bänder abtrennt, hält die Tür dann auf dieser Seite. Die Nachrüstung ist einfach und günstig und wird oft vergessen.
Türkette, Türspion und Alarmkeil
Eine Türkette schützt, wenn Sie Fremden öffnen, nicht, wenn Sie weg sind. Sie ist nur so stabil wie ihre Schrauben; Sperrbügel sind meist robuster.
Ein Türspion oder eine Türkamera zeigt, wer davorsteht, bevor man öffnet. Ein Türkeil mit Alarm wird von innen unter die Tür geschoben und schrillt mit sehr hoher Lautstärke, sobald jemand die Tür aufdrückt. Er ist eher etwas für Hotelzimmer und Ferienwohnungen, aber als Zusatz zu Hause nicht verkehrt, solange man zu Hause ist.
Die Widerstandsklassen
Für geprüfte Türen gilt die europäische Norm DIN EN 1627 mit Widerstandsklassen von RC1 bis RC6. Die Polizei empfiehlt für Wohnungs- und Haustüren mindestens RC2. Einzelne Nachrüstprodukte sind nach DIN 18104-1 geprüft; eine nachgerüstete Tür wird dadurch aber nicht automatisch zur RC2-Tür, weil nur die ganze Tür als System geprüft wird.
Wer ohnehin eine neue Tür plant, fährt mit einer geprüften Tür besser als mit vielen Einzelteilen. Hinweise dazu unter Haustür kaufen und montieren.
Typische Fehler
- Kurze Schrauben. Ein Stahlschließblech mit 20-mm-Holzschrauben ist Dekoration. Die Verankerung muss ins Mauerwerk, mit Dübeln für hohe Lasten, siehe Schwerlastdübel.
- Nur die Tür gesichert. Wenn das Fenster daneben gekippt steht, nimmt der Einbrecher das Fenster. Siehe Einbruchschutz Fenster nachrüsten.
- Tür nur zugezogen. Eine ins Schloss gefallene Tür wird nur von der Falle gehalten. Immer abschließen, auch bei kurzer Abwesenheit.
- In der Mietwohnung ohne Absprache gebohrt. Nachrüstungen an Tür und Rahmen vorher mit dem Vermieter klären, viele stimmen zu.
Häufige Fragen
Was bringt am meisten für wenig Geld?
Ein Winkelschließblech mit Verankerung im Mauerwerk und eine Bandseitensicherung. Beides zusammen kostet deutlich weniger als ein Querriegelschloss und schließt die häufigsten Angriffswege.
Wo bekomme ich neutrale Beratung?
Die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen beraten kostenlos und herstellerneutral, oft auch vor Ort. Die Adresse erfahren Sie bei Ihrer örtlichen Polizei.
Ist ein elektronisches Schloss sicherer?
Nicht automatisch. Es ersetzt den Schlüssel, nicht die Verankerung. Mehr dazu unter Elektronisches Türschloss.



