Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Marder im Haus bekämpfen

Haushaltvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Marder im Haus bekämpfen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Woran Sie einen Marder erkennen
  2. Marder oder doch ein anderes Tier?
  3. Was das Gesetz erlaubt
  4. Wann Sie nicht vertreiben sollten
  5. Vertreiben: was wirkt und was nicht
  6. Einstiege finden und verschließen
  7. Schäden beseitigen
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Ein Marder im Haus macht sich meist nachts bemerkbar: Poltern, Kratzen und Fauchen unter dem Dach. Bekämpfen heißt beim Marder vor allem: vertreiben und aussperren. Fangen oder töten dürfen Sie ihn in aller Regel nicht selbst, denn der Steinmarder unterliegt dem Jagdrecht. Und in der Zeit, in der Junge im Dach liegen, ist auch das Vertreiben tabu.

Woran Sie einen Marder erkennen

  • Geräusche in der Nacht: Poltern, Rennen, Kratzen, im Frühsommer auch Fiepen und Fauchen der Jungen.
  • Kot: wurstförmig, etwa fingerdick, oft mit Haaren, Federn oder Kirschkernen, an immer denselben Stellen.
  • Beutereste: Eierschalen, Federn, Knochen, Reste von Mäusen oder Vögeln.
  • Geruch: Urin und Kot riechen streng, besonders bei Wärme.
  • Beschädigte Dämmung: zerrupfte Mineralwolle, Löcher in der Dampfbremse, herausgezogene Dämmfetzen.
  • Spuren an der Fassade: Kratzspuren an Fallrohren, Kletterspuren an Holzverkleidungen.

Marder oder doch ein anderes Tier?

Nicht jedes Poltern im Dach ist ein Marder. Siebenschläfer sind kleiner, leben in waldnahen Gegenden, sind vor allem im Spätsommer aktiv und naturschutzrechtlich geschützt. Waschbären sind deutlich größer und schwerer, richten erhebliche Schäden an und unterliegen in vielen Ländern dem Jagdrecht. Ratten und Mäuse hinterlassen kleineren Kot und Nagespuren an Holz und Kabeln.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil für jedes Tier andere Regeln gelten. Eine Wildkamera auf dem Dachboden oder am vermuteten Einstieg schafft in wenigen Nächten Klarheit.

Was das Gesetz erlaubt

Der Steinmarder ist in Deutschland jagdbares Wild. Fangen und Töten ist den Jagdausübungsberechtigten vorbehalten, und in befriedeten Bezirken wie Wohngrundstücken gelten Sonderregeln der Länder. Manche Bundesländer erlauben Grundstückseigentümern mit Genehmigung den Fang mit Lebendfallen, andere nicht. Klären Sie das vor jedem Fangversuch mit der unteren Jagdbehörde oder einem örtlichen Jäger. Mehr dazu im Beitrag Marderfalle.

Unabhängig vom Land gilt der Elterntierschutz: Solange die Jungen versorgt werden müssen, dürfen die Elterntiere nicht bejagt werden. Das Tierschutzgesetz verbietet ohnehin, ein Tier ohne vernünftigen Grund leiden zu lassen.

Wann Sie nicht vertreiben sollten

Marder bekommen ihre Jungen meist im März und April, die Jungen bleiben bis etwa Juni im Nest. Wer in dieser Zeit die Mutter vertreibt oder den Einstieg verschließt, sperrt die Jungen ein. Sie verhungern im Dach, und dann haben Sie ein ganz anderes Problem. Warten Sie, bis die Jungen selbstständig sind, und verschließen Sie erst danach. Im Zweifel hilft ein Jäger oder Wildtierberater bei der Einschätzung.

Vertreiben: was wirkt und was nicht

Marder sind störempfindlich, gewöhnen sich aber an gleichbleibende Reize. Die Mittel wirken, wenn sie wechseln und kombiniert werden.

  • Licht und Lärm. Ein Radio auf dem Dachboden, nachts auf einem Sprechersender, und Licht mit Zeitschaltuhr stören den Marder. Nach einigen Tagen sucht er oft ein ruhigeres Quartier.
  • Gerüche. WC-Duftsteine, Hunde- oder Menschenhaare in Säckchen und Essiglappen werden oft empfohlen. Die Wirkung ist kurzfristig und lässt nach, sobald der Marder sich daran gewöhnt hat.
  • Ultraschallgeräte. Im Auto erprobt, im Dachboden mit vielen Hindernissen weniger wirksam, weil Ultraschall an jedem Balken abprallt.
  • Nicht empfehlenswert: Giftköder, Mottenkugeln in großen Mengen, Fallen ohne Berechtigung.

Vertreiben allein hilft nie dauerhaft. Das Revier bleibt attraktiv, und der nächste Marder zieht ein.

Einstiege finden und verschließen

Ein Marder passt durch Öffnungen, die etwa so groß sind wie ein Hühnerei. Die eigentliche Lösung ist deshalb, jeden Zugang zu finden und dauerhaft zu schließen – nachdem der Marder draußen ist.

  1. Kletterwege kappen. Äste von Bäumen, die bis ans Dach reichen, auf mindestens einen Meter Abstand zurückschneiden. Rankgitter und Kletterpflanzen an der Fassade prüfen.
  2. Fallrohre sichern. Manschetten aus Draht oder Kunststoff mit Stacheln, etwa auf Brusthöhe um das Rohr, verhindern das Hochklettern.
  3. Traufe und Ortgang schließen. Lüftungsöffnungen unter den Dachziegeln bekommen Lochbleche oder Vogelschutzgitter aus Metall, damit die Belüftung erhalten bleibt.
  4. Lücken am Dach prüfen. Verschobene Ziegel, lose Anschlüsse an Gauben und Schornstein, beschädigte Unterspannbahn.
  5. Kontrolle. Zerknülltes Zeitungspapier in den vermuteten Einstieg stecken. Ist es nach einigen Nächten unverändert, ist der Weg zu.

Für Arbeiten am Dach gilt: Absturzsicherung ernst nehmen, bei Steildächern den Dachdecker holen. Tipps zur Abwehr an Garage und Auto stehen im Beitrag Marder vertreiben.

Schäden beseitigen

Hat der Marder länger im Dach gewohnt, ist die Dämmung meist verschmutzt und beschädigt. Kot und Urin ziehen in die Mineralwolle ein; das riecht und kann Krankheitserreger enthalten. Betroffene Dämmung wird entfernt, die Fläche gereinigt und neu gedämmt. Tragen Sie dabei Handschuhe, Atemschutz der Klasse FFP2 oder besser und Schutzkleidung. Welche Materialien sich für den Neuaufbau eignen, steht unter Dämmstoff für den Dachboden.

Ob die Versicherung zahlt, hängt vom Vertrag ab. Marderschäden am Gebäude sind in vielen Wohngebäudeversicherungen nur über einen Zusatzbaustein abgedeckt – ein Blick in die Bedingungen lohnt vor der Sanierung.

Typische Fehler

  • Einstieg im Frühjahr verschlossen. Die Jungen sterben im Dach.
  • Nur vertrieben, nicht verschlossen. Nach wenigen Wochen ist der Nächste da.
  • Falle ohne Genehmigung aufgestellt. Das ist je nach Land eine Ordnungswidrigkeit oder schlimmer.
  • Lüftungsöffnungen zugeschäumt. Das Dach verliert die Hinterlüftung, und es droht Feuchte.

Häufige Fragen

Wann ist der Marder aktiv?

Vor allem nachts und in der Dämmerung. Im Sommer, während der Paarungszeit, ist er besonders unruhig und laut.

Kommt der Marder zurück?

Wenn die Einstiege offen bleiben, ja – oder ein anderer. Marderreviere werden schnell neu besetzt.

Wer hilft, wenn ich nicht weiterkomme?

Der örtliche Jäger, die untere Jagdbehörde oder ein Schädlingsbekämpfer mit Erfahrung bei Wildtieren. Für die Arbeiten am Dach ist der Dachdecker der richtige Ansprechpartner.

Das könnte Sie auch interessieren