Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Styroporschneider selber bauen – so geht’s!

Werkzeugvon Christoph4 Min. · 10 Abschnitte
Styroporschneider selber bauen – so geht’s!
Inhalt10 Abschnitte
  1. Das Prinzip
  2. Material und Werkzeug
  3. Die Stromversorgung
  4. Den Draht berechnen
  5. Bauanleitung
  6. Die erste Probe
  7. Mobil oder als Standgerät
  8. Sicherheit beim Arbeiten
  9. Typische Fehler beim Bau
  10. Häufige Fragen

Ein einfacher Styroporschneider für den Tisch lässt sich an einem Nachmittag bauen: eine Grundplatte, ein Galgen, ein gespannter Heizdraht und eine Stromquelle mit Kleinspannung. Das Ergebnis schneidet gerade und winklig und reicht für Modellbau und Dämmplatten bis etwa zur Höhe des Galgens. Die einzige Stelle, an der Sie nicht improvisieren dürfen, ist die Stromversorgung.

Das Prinzip

Ein senkrecht gespannter Widerstandsdraht wird von Strom durchflossen und erwärmt sich. Das Styropor wird auf der Grundplatte gegen den Draht geschoben und schmilzt entlang der Schnittlinie. Da der Draht senkrecht zur Platte steht, sind alle Schnitte rechtwinklig. Mit einem Anschlag werden sie auch parallel.

Material und Werkzeug

  • Grundplatte aus Multiplex oder MDF, etwa 50 × 40 cm, mindestens 15 mm dick. Die Oberfläche glatt, damit das Styropor gleitet.
  • Galgen aus Holzleisten oder Aluprofil, 25 bis 40 cm hoch, mit einem Ausleger über die Platte.
  • Heizdraht aus Chromnickel (Nichrom) oder Konstantan, 0,3 bis 0,5 mm Durchmesser.
  • Zugfeder zum Spannen des Drahtes, weil er sich beim Erhitzen dehnt.
  • Zwei Anschlussklemmen (Lüsterklemmen aus Metall oder Schraubösen), Kabel, ein Schalter.
  • Netzteil mit Kleinspannung, siehe unten.
  • Bohrmaschine, Säge, Schrauben, Holzleim.

Die Stromversorgung

Verwenden Sie nur ein fertiges Netzteil mit Sicherheitskleinspannung, etwa 12 V, oder einen Sicherheitstransformator mit Prüfzeichen. Der Heizdraht liegt offen, und Sie fassen beim Arbeiten in seine Nähe. Mit Netzspannung darf er nie verbunden werden – auch nicht über eine Bastelschaltung aus Dimmer und Glühlampe. Eine Glühbirne im Stromkreis schützt nicht vor einem tödlichen Schlag.

Ideal ist ein regelbares Labornetzteil mit Strombegrenzung. Damit lässt sich die Temperatur feinfühlig einstellen, und ein Kurzschluss schadet nicht. Ein Trafo oder Netzteil mit 12 V und 2 bis 3 A reicht für kurze Drähte ebenfalls. Einige Bastler nutzen erfolgreich schon kleine Steckernetzteile mit 8 V und knapp 1 A, dann aber nur mit sehr kurzen Drähten.

Den Draht berechnen

Wie heiß der Draht wird, hängt von Strom, Länge und Material ab. Chromnickeldraht mit 0,3 mm Durchmesser hat etwa 15 Ohm je Meter. Ein 30 cm langer Draht hat also rund 4,5 Ohm. An 12 V fließen dann etwa 2,7 A, die Heizleistung liegt bei gut 30 W – für einen 30 cm langen Draht eher zu viel. Bei 8 V wären es rund 1,8 A und 14 W, was für EPS gut passt.

Die Faustregel: Wird der Draht rot oder raucht das Styropor stark, ist er zu heiß. Dann den Strom senken oder den Draht verlängern. Bleibt er im Material hängen, ist er zu kalt.

Bauanleitung

  1. Grundplatte zuschneiden und die Oberfläche glatt schleifen. Eine Lage glattes Laminat oder Klebefolie hilft, damit das Material gleitet.
  2. Loch für den Draht bohren, etwa 15 cm vom hinteren Rand, 2 bis 3 mm Durchmesser. Unter der Platte eine Klemme oder Schraube zum Befestigen.
  3. Galgen bauen. Senkrechte Leiste hinten an die Grundplatte schrauben und verleimen, oben den Ausleger so anbringen, dass seine Spitze genau über dem Loch steht.
  4. Feder am Ausleger befestigen, den Draht daran einhängen, durch das Loch nach unten führen und unten festklemmen. Die Feder hält den Draht gespannt, auch wenn er sich dehnt.
  5. Senkrecht ausrichten. Mit einem Tischlerwinkel prüfen, ob der Draht exakt im rechten Winkel zur Platte steht. Sonst werden alle Schnitte schief.
  6. Anschließen. Kabel oben und unten an den Draht, Schalter in die Zuleitung, dann ans Netzteil.
  7. Anschlag montieren. Eine gerade Leiste, die sich mit Zwingen oder Flügelschrauben parallel zum Draht verschieben lässt.

Die erste Probe

Schalten Sie ein und warten Sie einige Sekunden. Schieben Sie ein Reststück langsam gegen den Draht. Er sollte ohne merklichen Widerstand schneiden und eine glatte, leicht glänzende Kante hinterlassen. Ist die Kante wulstig, ist der Draht zu heiß oder Sie sind zu langsam. Machen Sie Ihre Einstellung an Resten, bevor Sie das eigentliche Werkstück anfassen.

Mobil oder als Standgerät

Der Tischschneider ist für gerade Schnitte ideal. Für freie Formen lässt sich nach dem gleichen Prinzip ein Handbügel bauen: ein U-förmiger Rahmen aus Holz oder Alu, zwischen dessen Schenkeln der Draht gespannt ist. Er braucht eine eigene Zuleitung und sollte einen Griff haben, der nicht warm wird. Für große Dämmplatten auf der Baustelle stößt ein Eigenbau an Grenzen – dort ist eine Thermosäge sinnvoller.

Sicherheit beim Arbeiten

  • Lüften. Beim Schmelzen entstehen Dämpfe, die die Atemwege reizen. Fenster auf oder im Freien arbeiten.
  • Keine brennbaren Unterlagen nahe am Draht, und nach dem Arbeiten ausschalten, bevor Sie den Raum verlassen.
  • Nur Polystyrol schneiden. PVC setzt beim Erhitzen Chlorwasserstoff frei.
  • Den heißen Draht nicht berühren. Er kühlt schnell ab, aber nicht sofort.

Typische Fehler beim Bau

  • Draht ohne Feder gespannt. Er wird beim Erhitzen schlaff und schneidet wellig.
  • Draht nicht rechtwinklig. Jeder Schnitt wird schräg.
  • Plastikklemmen am Draht. Sie schmelzen. Metallklemmen verwenden.
  • Zu dünne Zuleitung. Bei 2 bis 3 A brauchen Sie mindestens 0,75 mm² Querschnitt, sonst werden die Kabel selbst warm.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Heizdraht?

Im Modellbau- und Elektronikhandel als Meterware, oft auch als Ersatzdraht für fertige Styroporschneider.

Kann ich einen alten Modelleisenbahn-Trafo nehmen?

Ja, wenn er genug Strom liefert und ein intaktes Gehäuse hat. Die meisten Bahntrafos liefern nur 1 bis 2 A, was für kurze Drähte reicht.

Lohnt sich der Selbstbau?

Wenn Sie ohnehin ein Netzteil haben, kostet er nur ein paar Euro. Fertige Geräte mit Regelung sind unter Styroporschneidegerät beschrieben.

Das könnte Sie auch interessieren