Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Billardtisch selber bauen

Einrichtungvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Billardtisch selber bauen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Sie vorher wissen sollten
  2. Die Tischbeine
  3. Die Unterkonstruktion
  4. Die Spielfeldplatte
  5. Rahmen- und Bandenleisten
  6. Tuch aufziehen
  7. Zum Schluss ausrichten
  8. Material und Kosten
  9. Häufige Fehler

Einen Billardtisch selbst zu bauen ist ein anspruchsvolles, aber machbares Projekt. Die Maße in dieser Anleitung ergeben einen Tisch, der in der Größe ungefähr einem 8-Fuß-Tisch entspricht – das gängige Heimformat.

Was Sie vorher wissen sollten

Profitische haben eine Spielfläche aus Schiefer, 19 bis 30 mm dick, in drei Teilen verlegt und verspachtelt. Schiefer ist absolut eben, nimmt keine Feuchtigkeit auf und behält seine Form über Jahrzehnte.

Eine MDF-Platte ist der Kompromiss für den Selbstbau: bezahlbar, leicht zu bearbeiten, aber nicht gleichwertig. MDF arbeitet bei Luftfeuchte und senkt sich über die Jahre in der Mitte, wenn die Unterkonstruktion nicht ausreichend stützt. Genau deshalb ist die Anzahl der Querstreben in dieser Anleitung kein Nebenaspekt. Stellen Sie den Tisch nicht in einen feuchten Keller.

FormatSpielflächeRaumbedarf mit Queue
7 Fuß1,98 × 0,99 mca. 4,7 × 3,7 m
8 Fuß2,24 × 1,12 mca. 5,0 × 3,8 m
9 Fuß2,54 × 1,27 mca. 5,3 × 4,0 m

Der Raumbedarf ist der Punkt, an dem die meisten Projekte scheitern. Ein Queue ist 1,45 m lang und braucht hinter dem Tisch Platz zum Ausholen. Messen Sie den Raum, bevor Sie Holz kaufen.

Die Tischbeine

Die Beine müssen zusammen rund 150 kg tragen – Platte, Unterbau, Banden und das Gewicht von Spielern, die sich auflehnen. Nehmen Sie massives Kantholz, mindestens 80 × 80 mm.

Verbunden wird mit Gewindeschrauben 5 × 80 mm in vorgebohrten Löchern. Bohren Sie vor, sonst reißt das Holz. Die Beine kommen jeweils innen an die vier Ecken und werden sowohl an die Längs- als auch an die Querstreben geschraubt – erst diese doppelte Anbindung macht den Tisch verwindungssteif.

Höhenverstellbare Füße unter den Beinen sind kein Luxus. Kein Boden ist wirklich eben, und beim Billard merken Sie das sofort.

Die Unterkonstruktion

Sie brauchen:

  • 2 Bretter 2.000 × 85 × 26 mm für die Seitenteile
  • 5 Querstreben 1.000 × 85 × 26 mm

Die beiden äußeren Querstreben kommen an die Enden. Die beiden inneren werden in einem Abstand von jeweils 450 mm zu den äußeren montiert, die mittlere im Abstand von 485 mm zu diesen. Damit liegt unter der Platte alle 45 bis 50 cm eine Stütze – das ist die Mindestdichte, mit der MDF auf Dauer nicht durchhängt.

Verleimen Sie die Verbindungen zusätzlich zur Verschraubung. Bei einem Möbel, an dem gerüttelt wird, arbeitet sich jede nur geschraubte Verbindung mit der Zeit locker.

Die Spielfeldplatte

Lassen Sie sich im Baumarkt eine MDF-Platte auf 2.480 × 1.360 mm zuschneiden, Stärke 22 mm. Dünneres Material hängt durch.

An den beiden Längsseiten kommen je drei Löcher für die Taschen, also sechs insgesamt: vier an den Ecken, zwei in der Mitte. Der Durchmesser beträgt jeweils 100 mm, gebohrt mit einer Lochkreissäge.

  • Eckentaschen: Mittelpunkt exakt 90 mm vom Rand
  • Mitteltaschen: exakt bei 1.240 mm, also auf halber Länge

Arbeiten Sie hier langsam und messen Sie zweimal. Ein um 5 mm versetztes Loch sieht man später bei jedem Spiel.

Rahmen- und Bandenleisten

Die Rahmenleisten fassen die Platte ein und tragen die Banden. Die Bandenleisten bekommen auf der Innenseite ein Bandengummi – kaufen Sie das fertig, ein selbst geschnittenes Profil springt nicht gleichmäßig ab. Üblich ist das Profil K-66 für Pool.

Die Bandenhöhe ist kein Gestaltungsspielraum: Die Oberkante des Gummis muss bei etwa 63 bis 64 Prozent des Kugeldurchmessers liegen, bei 57,2-mm-Kugeln also rund 36 mm über dem Tuch. Liegt die Bande zu hoch, springt die Kugel; liegt sie zu tief, hüpft sie über die Bande.

Tuch aufziehen

Billardtuch wird faltenfrei über Platte und Banden gespannt und auf der Unterseite getackert. Arbeiten Sie von der Mitte nach außen und wechseln Sie dabei immer zwischen gegenüberliegenden Seiten – so verteilt sich die Spannung gleichmäßig.

Das Tuch hat eine Laufrichtung. Sie erkennen sie, indem Sie mit der Hand darüber streichen; die glattere Richtung soll von der Kopfseite zur Fußseite zeigen.

Zum Schluss ausrichten

Legen Sie eine lange Wasserwaage in beide Richtungen und über die Diagonalen auf die fertige Platte und justieren Sie die Fußschrauben nach. Eine Kugel, die langsam über die Mitte rollt, darf nicht abdriften. Diesen Test sollten Sie einmal im Jahr wiederholen – Holz arbeitet, und der Boden setzt sich.

Material und Kosten

PositionRichtwert
MDF-Platte 22 mm, zugeschnitten60–90 Euro
Kantholz und Leisten80–150 Euro
Bandengummi K-66, 6 Leisten60–120 Euro
Billardtuch, ca. 3,5 × 2 m80–250 Euro
Taschen, Netze, Beschläge40–100 Euro
Leim, Schrauben, Tacker30 Euro

In Summe landen Sie bei etwa 350 bis 700 Euro, je nach Tuchqualität. Ein fertiger Tisch dieser Größe kostet neu ab rund 600 Euro – der Selbstbau lohnt sich also nicht wegen des Preises, sondern weil Sie Maße, Höhe und Optik selbst bestimmen.

Sparen Sie nicht am Tuch. Billiges Tuch fusselt, bekommt schnell Laufspuren und verändert das Rollverhalten der Kugeln spürbar. Ein Tuch mit hohem Wollanteil ist die sinnvollste Aufwertung des ganzen Projekts.

Häufige Fehler

  • Zu dünne Platte. Unter 22 mm hängt MDF zwischen den Streben durch, und man sieht es beim langsamen Rollen der Kugel.
  • Taschen zu weit außen. Sitzt das Loch zu nah am Rand, bricht die Ecke zwischen Loch und Bande beim Bohren aus.
  • Tuch zu stramm gespannt. Es soll faltenfrei anliegen, nicht unter Zug stehen – sonst zieht es sich an den Banden hoch.
  • Kein Ausrichten nach dem Aufbau. Ein Tisch, der um 2 mm schief steht, macht jedes Spiel unbrauchbar.

Das könnte Sie auch interessieren