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Heimwerker-Berater

Lötwasser

Werkzeugvon Christoph4 Min. · 11 Abschnitte
Inhalt11 Abschnitte
  1. Wie es wirkt
  2. Wofür es verwendet wird
  3. Wofür nicht
  4. Die Gefahren
  5. So wird damit gelötet
  6. Warum Nacharbeit Pflicht ist
  7. Aufbewahrung und Entsorgung
  8. Lötwasser oder Lötfett
  9. Das richtige Lot für Blech
  10. Typische Fehler
  11. Häufige Fragen

Lötwasser ist eine wässrige Lösung aus Zinkchlorid, oft ergänzt um Ammoniumchlorid. Es ist das klassische Flussmittel der Klempner für das Weichlöten von Zinkblech, verzinktem Stahl, Kupfer und Messing. Es wirkt sehr stark – und genau deshalb muss jeder Rückstand nach dem Löten gründlich entfernt werden, sonst frisst es weiter.

Wie es wirkt

Beim Erhitzen löst Zinkchlorid die Oxidschicht auf der Metalloberfläche auf und schützt die blanke Stelle, bis das Lot sie benetzt. Weil die Lösung dünnflüssig ist, verteilt sie sich gleichmäßig über größere Flächen und läuft in Überlappungen und Falze. Das ist bei Blechnähten ein Vorteil gegenüber einer Paste.

Wofür es verwendet wird

  • Zink- und Titanzinkblech, etwa Dachrinnen, Fallrohre und Kehlbleche.
  • Verzinktes Stahlblech für Abdeckungen und Anschlüsse.
  • Kupfer und Messing an Blechen und Bauteilen.
  • Weißblech, beim Verzinnen und in der Modellbau-Blechverarbeitung.

Für Titanzink gibt es speziell abgestimmte Lötwässer. Sie reinigen die patinierte Oberfläche besser, die bei älteren Dachrinnen sonst kaum lötbar ist.

Wofür nicht

Nie für Elektronik. Die Chloride ziehen Feuchtigkeit an und zerstören Leiterbahnen und Bauteilanschlüsse. Für Elektronik gibt es Kolophonium und spezielle Elektronik-Flussmittel.

Nicht für Aluminium. Dessen Oxidschicht erfordert eigene Flussmittel.

Nicht für Trinkwasserleitungen, sofern das Produkt nicht ausdrücklich dafür zugelassen ist. Für Kupferrohr in der Installation nimmt man ein geprüftes Lötfett.

Die Gefahren

ÄtzendZinkchlorid verursacht schwere Verätzungen an Haut und Augen. Schutzbrille und Handschuhe sind Pflicht.
DämpfeBeim Erhitzen entstehen reizende Dämpfe. Nur im Freien oder bei guter Lüftung arbeiten.
UmweltZinkchlorid ist sehr giftig für Wasserorganismen. Nicht in den Ausguss oder in den Boden.
KorrosionGreift Metalle auch nach dem Löten an, Dämpfe lassen blankes Werkzeug in der Nähe rosten.

Früher wurde Lötwasser selbst hergestellt, indem man Zink in Salzsäure auflöste. Das sollten Sie nicht tun. Dabei entsteht Wasserstoff, die Reaktion ist heftig, und der Umgang mit konzentrierter Salzsäure ist gefährlich. Fertiges Lötwasser gibt es in kleinen Flaschen im Fachhandel.

So wird damit gelötet

  1. Oberfläche vorbereiten. Schmutz, Fett und grobe Oxide mit einer Drahtbürste oder Schleifvlies entfernen. Bei alten Rinnen die Patina an der Lötstelle abschaben.
  2. Lötwasser dünn auftragen, mit einem kleinen Borstenpinsel, nur auf die Lötstelle.
  3. Erwärmen. Mit einem Hammerlötkolben oder einem Gaslötkolben. Bei großen Blechteilen hilft ein Lötbrenner mit breiter Flamme.
  4. Lot zuführen. Lötzinn in Stangenform, das vom Kolben in die Naht gezogen wird. Mehr zur Auswahl unter Lötzinn.
  5. Naht verlöten, gleichmäßig in einem Zug, nicht abschnittsweise mit Pausen.
  6. Neutralisieren und abwaschen. Die Lötstelle mit reichlich Wasser, notfalls mit etwas Soda, abwaschen und trocknen.

Warum Nacharbeit Pflicht ist

Rückstände von Lötwasser sind hygroskopisch. Sie ziehen Feuchtigkeit aus der Luft und bilden eine dauerhaft korrodierende Salzlösung. An einer Dachrinne sieht man das nach wenigen Monaten als weiße oder grüne Ausblühungen, die das Blech bis zum Loch angreifen können. Waschen Sie die Lötstelle deshalb nicht nur ab, sondern auch die Umgebung, auf die Spritzer gelangt sein könnten. Pinsel und Werkzeug ebenfalls sofort reinigen.

Aufbewahrung und Entsorgung

Lötwasser gehört in die Originalflasche, fest verschlossen, kindersicher und getrennt von Lebensmitteln. Nie in eine Getränkeflasche umfüllen. Reste und verschmutzte Lappen bringen Sie zur Schadstoffsammelstelle. Die Flasche nicht offen in der Werkstatt stehen lassen – die Dämpfe greifen Werkzeug und Maschinen an.

Lötwasser oder Lötfett

Beide Flussmittel beruhen auf ähnlichen Salzen. Lötwasser ist flüssig und für Blech und größere Flächen besser geeignet, Lötfett haftet als Paste gezielt am Rohr. Für Dachrinnen und Blecharbeiten ist Lötwasser erste Wahl, für Kupferrohre in der Hausinstallation das zugelassene Lötfett.

Das richtige Lot für Blech

Für Zink- und Titanzinkblech verwenden Klempner Stangenlot mit hohem Zinnanteil. Früher war bleihaltiges Lot üblich, heute gibt es bleifreie Lote, die für Dachentwässerung ausdrücklich geeignet sind. Da Regenwasser von der Rinne oft in Zisterne oder Garten fließt, ist bleifreies Lot die bessere Wahl. Wichtig ist, dass Lot, Lötwasser und Blech zueinander passen – die Hersteller von Titanzink nennen in ihren Verarbeitungshinweisen geeignete Kombinationen. Für kleine Reparaturen an Kupfer und Messing genügt normales Weichlot aus Zinn mit einem geringen Kupferanteil.

Typische Fehler

  • Zu viel Lötwasser. Es läuft in Falze und Nähte und bleibt dort unerreichbar, wo es weiter korrodiert.
  • Patina nicht entfernt. Auf alter Zinkoberfläche hilft auch das stärkste Flussmittel nur bedingt.
  • Kolben zu kalt. Das Lot bleibt teigig und füllt die Naht nicht aus.
  • Nicht abgewaschen. Der häufigste und folgenreichste Fehler überhaupt.

Häufige Fragen

Kann ich eine undichte Dachrinne selbst löten?

Bei Zinkrinnen ja, mit Übung und dem richtigen Werkzeug. Arbeiten Sie nur vom sicheren Gerüst aus und mit Brandschutz, denn unter der Rinne liegen oft Holz und Dämmung.

Was kostet Lötwasser?

Eine kleine Flasche kostet wenige Euro und reicht für viele Lötstellen.

Hilft Lötwasser auch beim Verzinnen?

Ja. Kupfer- und Messingteile lassen sich mit Lötwasser und Lötzinn gleichmäßig verzinnen. Danach gilt dasselbe: gründlich abwaschen.

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