Lötfett
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Lötfett ist eine pastöse Flussmittel-Zubereitung, die beim Weichlöten von Kupferrohr, Messing und Blech die Oberfläche von Oxiden befreit, damit das Lot fließen und haften kann. Ohne Flussmittel perlt geschmolzenes Lot ab wie Wasser von einer gewachsten Fläche. Lötfett ist für Installation und Klempnerei gedacht – in der Elektronik richtet es mehr Schaden an, als es nützt.
Warum Löten ein Flussmittel braucht
Jedes Metall überzieht sich an der Luft mit einer hauchdünnen Oxidschicht. Beim Erhitzen wird sie dicker. Lot kann sich mit dieser Schicht nicht verbinden, es benetzt das Grundmetall nicht und bleibt als Kugel liegen.
Flussmittel lösen die Oxide beim Erwärmen auf und verhindern, dass sich während des Lötens neue bilden. Zusätzlich senken sie die Oberflächenspannung des flüssigen Lots, sodass es in enge Spalten gezogen wird – genau das, was bei einer Muffenverbindung am Kupferrohr passieren soll.
Wie Lötfett zusammengesetzt ist
Lötfett besteht aus einem fettigen Trägerstoff, oft auf Vaselinebasis, in den aktive Salze eingearbeitet sind. Klassisch sind Zinkchlorid und Ammoniumchlorid. Die Paste haftet gut, läuft beim Auftragen nicht weg und aktiviert sich erst, wenn sie erhitzt wird.
Es gibt auch Lötfette, die als „säurefrei“ verkauft werden. Das heißt meist nur, dass keine freie Säure enthalten ist. Viele enthalten trotzdem Chloride, die Rückstände bleiben also korrosiv.
Wofür es geeignet ist
- Kupferrohre in Heizungs- und Wasserinstallation beim Weichlöten.
- Messing und Bronze, etwa Fittings und Armaturenteile.
- Verzinntes und verzinktes Blech, zum Beispiel Dachrinnen und Kleinteile.
- Kupferblech bei Klempnerarbeiten.
Für Trinkwasserleitungen sind nur Flussmittel zulässig, die dafür ausdrücklich geeignet und entsprechend gekennzeichnet sind, in Deutschland meist mit DVGW-Prüfzeichen. Achten Sie beim Kauf auf diesen Hinweis.
Wofür nicht
Elektronik. Die Chloride bleiben als Rückstand auf der Platine, ziehen Feuchtigkeit an und fressen Leiterbahnen und Bauteilanschlüsse langsam an. Kriechströme und Ausfälle Monate später sind die Folge. Für Elektronik nimmt man Lötdraht mit Kolophonium-Flussmittelseele oder spezielle No-Clean-Flussmittel. Mehr dazu unter Lötzinn.
Aluminium. Die Oxidschicht von Aluminium ist so zäh, dass normales Lötfett nicht reicht. Dafür gibt es eigene Flussmittel, siehe Alu löten.
Hartlöten. Bei Temperaturen über 450 °C verbrennt Lötfett. Hartlöten braucht eigene Hartlötpasten oder flussmittelummantelte Lote.
Lötfett oder Lötwasser
| Lötfett | Lötwasser | |
| Konsistenz | Paste | Flüssigkeit |
| Auftrag | mit Pinsel, gezielt | mit Pinsel, läuft leicht weg |
| Typischer Einsatz | Kupferrohr, Fittings | Blech, Zinkrinnen, große Flächen |
| Rückstände | fettig, korrosiv | stark korrosiv |
Beide beruhen auf ähnlichen Wirkstoffen. Die Paste ist bei Rohrverbindungen praktischer, weil sie am Rohr haften bleibt. Lötwasser benetzt größere Flächen gleichmäßiger. Mehr dazu im Beitrag Lötwasser.
So wird es richtig angewendet
- Metall blank machen. Mit Reinigungsvlies oder feinem Schleifpapier. Lötfett ersetzt nicht das Säubern, es entfernt nur dünne Oxidschichten.
- Dünn auftragen, mit einem kleinen Pinsel, nur auf das Rohrende oder die Lötfläche. Zu viel Lötfett läuft ins Rohr und bleibt dort als Rückstand.
- Teile zusammenstecken und leicht drehen, damit sich das Fett verteilt.
- Erhitzen. Das Lötfett schmilzt, zischt und raucht leicht. Das ist normal.
- Lot anlegen, sobald die Temperatur erreicht ist. Es wird vom Flussmittel in den Spalt gezogen.
- Rückstände entfernen mit einem feuchten Tuch, solange die Stelle noch warm ist.
Für das Erhitzen eignet sich ein Lötbrenner mit passender Leistung.
Rückstände sind das eigentliche Problem
Bleibt Lötfett auf dem Rohr, greift es Kupfer und Messing mit der Zeit an. Außen zeigt sich das als grüne Beläge, innen in Wasserleitungen als Korrosion. Nach dem Löten deshalb jede Verbindung außen sauber abwischen und neue Leitungen gründlich spülen, bevor sie in Betrieb gehen. Wer zu viel Lötfett verwendet, riskiert, dass Reste im Rohrinneren verbleiben – der wichtigste Grund, sparsam aufzutragen.
Gesundheit und Sicherheit
Beim Erhitzen entstehen Dämpfe mit Chlorverbindungen, die Augen und Atemwege reizen. Arbeiten Sie bei guter Lüftung und halten Sie das Gesicht aus dem Rauch. Die Paste selbst reizt die Haut, bei längerem Kontakt Handschuhe tragen. Lötfett gehört nicht in Kinderhände, und die Dose wird nach Gebrauch fest verschlossen, damit kein Schmutz hineingerät.
Typische Fehler
- Metall nicht blank gemacht. Lötfett löst dünne Oxide, keinen Schmutz, keine Farbe und keinen Kalk.
- Zu dick aufgetragen. Überschüssiges Fett läuft ins Rohr und bleibt dort als korrosiver Rückstand.
- Überhitzt. Verbranntes Flussmittel wird schwarz und verhindert das Fließen des Lots.
- Rückstände nicht abgewischt. Nach einigen Monaten zeigen sich grüne Beläge rund um die Lötstelle.
- Falsches Produkt für Trinkwasser. Ohne entsprechende Zulassung hat das Fett in Trinkwasserleitungen nichts zu suchen.
Häufige Fragen
Wie lange hält Lötfett?
Gut verschlossen mehrere Jahre. Wird es trocken, krümelig oder hat sich Schmutz darin gesammelt, lieber eine neue Dose kaufen – das kostet wenige Euro.
Kann ich Lötfett durch Kolophonium ersetzen?
Nur bei Elektronik und sehr sauberen Oberflächen. Für Kupferrohre ist Kolophonium zu schwach.
Brauche ich beim Lötzinn mit Flussmittelseele trotzdem Lötfett?
Bei Rohren ja, denn die Flussmittelseele reicht für größere Flächen nicht aus. Bei Elektronik nein.

