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Heimwerker-Berater

Aussaaterde

Gartenvon Christoph4 Min. · 11 Abschnitte
Inhalt11 Abschnitte
  1. Warum wenig Nährstoffe besser sind
  2. Keimarm heißt gesünder
  3. Was drin ist
  4. Die Körnung
  5. Lichtkeimer und Dunkelkeimer
  6. Aussäen Schritt für Schritt
  7. Pikieren und umtopfen
  8. Aussaaterde selbst mischen
  9. Typische Fehler
  10. Lagerung und Kosten
  11. Häufige Fragen

Aussaaterde, auch Anzuchterde genannt, ist das Gegenteil von dem, was man guter Erde zutraut: arm an Nährstoffen, fein, locker und möglichst frei von Keimen. Genau das brauchen Samen und junge Sämlinge. In normaler Blumenerde keimen viele Samen zwar auch, aber die Keimlinge bilden schwächere Wurzeln und fallen häufiger um.

Warum wenig Nährstoffe besser sind

Ein Samenkorn bringt seine Nahrung für die ersten Tage selbst mit. Was der Keimling danach braucht, ist ein kräftiges Wurzelwerk. In nährstoffarmer Erde müssen die Wurzeln suchen und verzweigen sich dabei. In gedüngter Blumenerde finden sie alles direkt am Samen und bleiben kurz. Hinzu kommt der Salzgehalt: Dünger sind Salze, und eine hohe Salzkonzentration kann die zarten Wurzelspitzen schädigen. Aussaaterde hat deshalb einen niedrigen Salzgehalt und nur eine kleine Startdüngung.

Keimarm heißt gesünder

Die größte Gefahr für Sämlinge ist die Umfallkrankheit. Bodenpilze befallen den Stängel direkt über der Erde, er wird dünn und glasig, der Keimling kippt um. Aussaaterde aus dem Handel ist meist gedämpft oder aus Materialien hergestellt, in denen solche Pilze kaum vorkommen. Gartenerde oder alter Kompost dagegen enthalten Pilzsporen, Unkrautsamen und gelegentlich Trauermückenlarven, die sich an den Wurzeln zu schaffen machen.

Was drin ist

Torf oder TorfersatzHauptbestandteil. Torffreie Erden setzen auf Holzfasern, Kokosfasern, Rindenhumus oder Kompost.
SandMacht die Erde durchlässig und verhindert Staunässe.
Perlite oder VermiculiteLeichte mineralische Zuschläge, die Luft und Wasser speichern.
KalkStellt den pH-Wert ein, meist leicht sauer bei 5,5 bis 6,5.
Wenig DüngerEine geringe Startdüngung für die ersten Wochen.

Torffreie Aussaaterde ist heute gut zu bekommen und schont Moore, die als Kohlenstoffspeicher wichtig sind. Sie trocknet an der Oberfläche teils schneller ab, gießen Sie deshalb etwas häufiger, aber sparsamer.

Die Körnung

Samen brauchen engen Kontakt zur Erde, damit sie Feuchtigkeit aufnehmen. In grober Erde mit Klumpen und Fasern liegen feine Samen in Hohlräumen und vertrocknen. Aussaaterde ist deshalb fein gesiebt. Für sehr feine Samen wie Begonien oder Petunien kann man die Oberfläche zusätzlich mit etwas Sand glätten.

Lichtkeimer und Dunkelkeimer

Einige Samen brauchen zum Keimen Licht, andere Dunkelheit. Lichtkeimer wie Salat, viele Kräuter und Tomatensorten werden nur angedrückt, nicht bedeckt. Dunkelkeimer wie Kürbis, Bohnen oder Ringelblumen werden etwa zwei- bis dreimal so tief eingelegt, wie das Korn dick ist. Die genaue Angabe steht auf der Samentüte. Ein häufiger Fehler ist, Lichtkeimer mit einem Zentimeter Erde zu begraben.

Aussäen Schritt für Schritt

  1. Gefäß vorbereiten. Anzuchtschale, Multitopfplatte oder kleine Töpfe mit Abzugsloch, gründlich gereinigt.
  2. Erde einfüllen und leicht andrücken, ohne sie zu verdichten. Ein Zentimeter Rand bleibt frei.
  3. Erde anfeuchten, bevor die Samen kommen, mit der Sprühflasche oder von unten über einen Untersetzer.
  4. Samen verteilen, nicht zu dicht. Dicht gesäte Keimlinge konkurrieren um Licht und werden lang und dünn.
  5. Abdecken nach Keimertyp und mit Folie oder Haube für hohe Luftfeuchte sorgen. Täglich kurz lüften, damit sich kein Schimmel bildet.
  6. Hell und warm stellen, die meisten Gemüse keimen bei 18 bis 24 Grad. Nach dem Keimen etwas kühler, damit sie nicht vergeilen.

Pikieren und umtopfen

Sobald die ersten echten Blätter nach den Keimblättern erscheinen, werden die Sämlinge vereinzelt, also pikiert. Jetzt ist der Nährstoffvorrat der Aussaaterde aufgebraucht. Die Pflänzchen kommen in Einzeltöpfe mit etwas nährstoffreicherer Erde, etwa Kräuter- oder Pikiererde. Für Tomaten eignet sich später spezielle Tomatenerde, für Kräuter Kräutererde. Wer zu lange wartet, bekommt gelbliche, schwache Pflanzen.

Aussaaterde selbst mischen

Eine brauchbare Mischung besteht aus gleichen Teilen feiner Gartenerde, reifem, gesiebtem Kompost und Sand. Kompost vorher durch ein Kompostsieb geben. Wichtig ist, die Mischung zu entkeimen: in einer feuerfesten Form, leicht angefeuchtet und mit Alufolie abgedeckt, etwa 30 Minuten bei 120 bis 150 Grad im Backofen. Das riecht nach Erde in der Küche, reduziert aber Pilzsporen und Unkrautsamen deutlich. Selbstgemischte Erde ist meist nährstoffreicher als gekaufte, deshalb mit mehr Sand strecken, wenn sie für empfindliche Sämlinge gedacht ist.

Typische Fehler

  • Zu nass. Staunässe ist der häufigste Grund für umfallende Keimlinge. Die Erde soll feucht sein, nicht matschig.
  • Zu dunkel. Auf der Fensterbank im Februar fehlt Licht, die Keimlinge vergeilen. Später säen oder mit Pflanzenlampe nachhelfen.
  • Alte Erde vom Vorjahr im offenen Sack, in der Trauermücken überwintert haben.
  • Normale Blumenerde mit Langzeitdünger für feine Samen.

Lagerung und Kosten

Aussaaterde kostet im Sack mit 10 bis 20 Litern etwa 4 bis 10 Euro. Das reicht für viele Anzuchtschalen. Den geöffneten Sack verschließen Sie gut und lagern ihn trocken und kühl, dann ist die Erde im nächsten Frühjahr noch brauchbar. Feucht gewordene Erde, auf der sich Schimmel oder Mücken zeigen, wandert besser auf den Kompost.

Häufige Fragen

Kann ich Kokos-Quelltabletten statt Erde nehmen?

Ja, sie sind praktisch für größere Samen wie Tomaten oder Paprika. Die Tabletten werden gewässert und später samt Keimling eingetopft, das schont die Wurzeln.

Wie lange bleibt der Sämling in Aussaaterde?

Bis zum ersten echten Blattpaar, meist zwei bis vier Wochen nach der Keimung. Danach reicht der Nährstoffvorrat nicht mehr.

Ist Anzuchterde dasselbe wie Aussaaterde?

Ja, beide Begriffe meinen dasselbe. Kräutererde oder Pikiererde sind dagegen etwas nährstoffreicher und für den nächsten Schritt gedacht.

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