Lötstation
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Eine Lötstation besteht aus einem Lötkolben und einer Basisstation, die seine Temperatur misst und regelt. Anders als ein einfacher Lötkolben, der ungeregelt heizt, hält sie die Spitze auf einem eingestellten Wert. Für Elektronik ist das kein Luxus, sondern die Voraussetzung für saubere, zuverlässige Lötstellen.
Was sie besser macht als ein Lötkolben
Ein einfacher Lötkolben heizt mit konstanter Leistung. Im Leerlauf wird die Spitze viel zu heiß, bis über 400 °C, das Flussmittel verbrennt, die Spitze oxidiert. Setzt man sie auf eine große Lötfläche, kühlt sie ab und die Lötstelle wird kalt.
Die Lötstation misst die Temperatur mit einem Fühler nahe der Spitze und regelt die Heizleistung nach. Sie heizt nach, wenn Wärme abfließt, und nimmt Leistung zurück, wenn die Spitze in der Halterung liegt. Das Ergebnis sind gleichmäßige Lötstellen, empfindliche Bauteile bleiben unbeschädigt und die Spitze hält viel länger.
Die wichtigen Kenngrößen
| Leistung | Für Elektronik 40 bis 80 Watt. Mehr Leistung heizt schneller nach, nicht heißer. |
| Temperaturbereich | Üblich sind etwa 150 bis 450 °C, einstellbar per Drehknopf oder Tasten. |
| Aufheizzeit | Gute Stationen erreichen die Arbeitstemperatur in unter einer Minute. |
| Spitzensystem | Wechselbare Spitzen, bei manchen Stationen mit integriertem Heizelement. |
| ESD-Schutz | Geerdete Spitze, wichtig für empfindliche Halbleiter. |
Die richtige Temperatur
- Bleihaltiges Lot (etwa Sn60Pb40) schmilzt um 190 °C. Eine Arbeitstemperatur von 300 bis 330 °C ist üblich.
- Bleifreies Lot (etwa SnCu oder SAC) schmilzt bei rund 217 bis 227 °C. Gearbeitet wird meist mit 330 bis 370 °C.
- Große Massen, etwa Masseflächen oder dicke Kabel, brauchen mehr, entweder durch eine höhere Temperatur oder eine breitere Spitze.
Faustregel: so kühl wie möglich, so heiß wie nötig. Eine Lötstelle sollte in zwei bis drei Sekunden fertig sein. Braucht sie länger, ist die Spitze zu klein oder zu kalt.
Die Lötspitzen
Die Spitze entscheidet, wie gut die Wärme ins Werkstück kommt.
- Bleistiftspitze. Fein, für kleine Bauteile. Überträgt wenig Wärme.
- Meißelspitze. Flach, für die meisten Arbeiten die beste Wahl. Große Kontaktfläche, gute Wärmeübertragung.
- Hohlkehlspitze. Mit Mulde, die Lot aufnimmt. Für das Ziehlöten von SMD-Bauteilen mit vielen Beinchen.
- Messerspitze. Für lange Kontaktreihen und Brücken.
Eine Station mit großer Auswahl an Spitzen lohnt sich. Anfänger nehmen fast immer eine zu feine Spitze und wundern sich, dass nichts schmilzt.
Pflege der Spitze
- Immer verzinnt halten. Vor dem Ablegen in die Halterung einen Tropfen Lot auf die Spitze geben. Er schützt vor Oxidation.
- Messingwolle statt Schwamm. Ein nasser Schwamm schreckt die Spitze ab und verkürzt ihre Lebensdauer. Messingwolle reinigt, ohne abzukühlen.
- Nicht feilen oder schleifen. Moderne Spitzen haben eine Eisenbeschichtung. Einmal durchgeschliffen, ist die Spitze hinüber.
- Temperatur senken bei Pausen, oder die Standby-Funktion nutzen, falls vorhanden.
Was dazugehört
Eine gute Arbeitsausstattung besteht aus mehr als der Station. Dazu gehören Lötzinn mit Flussmittelseele, siehe Lötzinn, eine Entlötpumpe oder Entlötlitze für Korrekturen, eine dritte Hand mit Lupe und eine Absaugung für die Dämpfe. Das Flussmittel in Lötzinn erzeugt beim Erhitzen Rauch, der Atemwege reizt. Ein kleiner Lötrauchabsauger mit Aktivkohlefilter ist für regelmäßige Arbeiten sinnvoll.
Lötfett gehört nicht auf die Platine. Es ist für Rohre gedacht, seine Rückstände greifen Leiterbahnen an. Die Gründe stehen im Beitrag zum Lötfett.
Sonderformen
Heißluftstationen erwärmen mit einem gezielten Luftstrom und sind für SMD-Bauteile und Schrumpfschlauch gedacht. Entlötstationen haben eine hohle Spitze mit Vakuumpumpe, die Lot direkt absaugt. Kombistationen vereinen Lötkolben und Heißluft in einem Gerät. Für unterwegs gibt es Akku-Lötkolben mit Regelung und den Gaslötkolben.
Worauf es beim Kauf ankommt
Achten Sie auf Ersatzspitzen, die dauerhaft nachkaufbar sind. Eine billige Station, für die es in zwei Jahren keine Spitzen mehr gibt, ist rausgeworfenes Geld. Wichtig sind außerdem eine stabile, schwere Ablage, die nicht umkippt, ein Kabel aus Silikon, das bei versehentlichem Kontakt mit der Spitze nicht schmilzt, und ein Anzeigefeld mit tatsächlicher Temperatur.
Eine gute Lötstelle erkennen
Eine gelungene Lötstelle ist glatt, vollständig benetzt und läuft in einer leicht hohlen Kehle vom Bauteilanschluss auf das Lötauge aus. Bleihaltiges Lot glänzt dabei, bleifreies ist von Natur aus etwas matter. Eine kugelige, stumpfe Lötstelle, die wie aufgesetzt wirkt, ist fast immer kalt – das Lot hat Anschluss oder Lötauge nicht richtig benetzt. Sie leitet anfangs oft, fällt aber bei Erschütterung oder Temperaturwechseln aus. Abhilfe: Spitze wieder anlegen, einen Hauch frisches Lot mit Flussmittel zugeben und warten, bis alles durchfließt. Genau hier zeigt sich der Vorteil der geregelten Station, die sofort Wärme nachliefert.
Typische Fehler
- Lot auf die Spitze statt an die Lötstelle. Das Flussmittel verbrennt, bevor es wirken kann.
- Zu lange heizen. Leiterbahnen lösen sich von der Platine, Bauteile nehmen Schaden.
- Zu feine Spitze. Die Wärme reicht nicht, die Lötstelle wird kalt.
Häufige Fragen
Was kostet eine Lötstation?
Brauchbare Einsteigerstationen gibt es ab etwa 40 Euro. Solide Stationen namhafter Hersteller kosten 100 bis 250 Euro, Profigeräte mit schnellen Heizspitzen mehr.
Kann ich mit einer Lötstation Kupferrohre löten?
Nein. Die Leistung reicht nicht. Rohre werden mit einem Lötbrenner erwärmt.
Brauche ich eine ESD-sichere Station?
Für moderne Halbleiter, Mikrocontroller und empfindliche Sensoren ja. Für Kabel, Stecker und einfache Bauteile ist es weniger wichtig, schadet aber nicht.


