Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Mehrzweckfett

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 10 Abschnitte
Mehrzweckfett
Inhalt10 Abschnitte
  1. Was in einem Schmierfett steckt
  2. Die Kennzeichnung lesen
  3. Wo Mehrzweckfett hingehört
  4. Wo es nicht hingehört
  5. Richtig abschmieren
  6. Fettpresse und Kartuschen
  7. Wie oft nachschmieren
  8. Typische Fehler
  9. Lagerung und Entsorgung
  10. Häufige Fragen

Mehrzweckfett ist ein Schmierfett für fast alles, was sich dreht, gleitet oder schwenkt: Lager, Gelenke, Achsen, Spindeln, Scharniere und Schmiernippel an Gartengeräten, Anhängern und Landmaschinen. Meist ist es ein Lithiumseifenfett auf Mineralölbasis. Es ist günstig, verträgt Wasser gut und hält bei normalen Temperaturen lange – ist aber nicht die richtige Wahl für jede Stelle, an der es quietscht.

Was in einem Schmierfett steckt

Ein Schmierfett besteht aus drei Teilen: einem Grundöl, das die eigentliche Schmierung übernimmt, einem Verdicker, der das Öl wie ein Schwamm festhält, und Additiven gegen Verschleiß, Korrosion und Alterung. Beim Mehrzweckfett ist der Verdicker fast immer eine Lithiumseife. Sie macht das Fett wasserbeständig und hitzefest genug für den Alltag.

Der Begriff Staufferfett wird im Sprachgebrauch oft gleichbedeutend verwendet. Ursprünglich bezeichnet er ein Kalkseifenfett, das sehr wasserfest, aber weniger hitzebeständig ist. Im Baumarkt heißt heute vieles Staufferfett, was in Wahrheit ein Lithiumfett ist – ein Blick auf die Kennzeichnung klärt das.

Die Kennzeichnung lesen

Auf der Kartusche steht meist ein Code nach DIN 51502, etwa K2K-30 oder KP2K-30. Er lässt sich einfach entschlüsseln:

KSchmierfett für Wälz- und Gleitlager
Pmit Hochdruckzusätzen (EP) für stark belastete Stellen
2Konsistenzklasse NLGI 2 – die übliche, streichfähige Festigkeit
K (hinten)obere Gebrauchstemperatur bis etwa +120 °C
-30untere Gebrauchstemperatur −30 °C

Die Bezeichnung EP2 auf vielen Produkten bedeutet dasselbe in Kurzform: Hochdruckzusätze und Konsistenzklasse 2. Für Heimwerker und Garten ist ein EP2-Lithiumfett die sichere Allzweckwahl.

Mann hält Mehrzweckfett-Tube in den Händen
Handwerker hält Mehrzweckfett-Tube in den Händen. | Foto: luismolinero / Depositphotos.com

Wo Mehrzweckfett hingehört

  • Schmiernippel an Rasentraktor, Anhänger, Häcksler, Gartenfräse, Schubkarrenrad.
  • Wälzlager, die nachgeschmiert werden können, etwa an Betonmischern und Rüttelplatten.
  • Gewindespindeln an Schraubstöcken, Wagenhebern und Spannvorrichtungen.
  • Scharniere und Gelenke an Toren, Stalltüren, Garagentoren (die Laufschienen ausgenommen).
  • Anhängerkupplungen ohne Stabilisierungseinrichtung – bei Kupplungen mit Reibbelägen ist Fett dagegen verboten.
  • Korrosionsschutz blanker Teile, die draußen überwintern.

Wo es nicht hingehört

Mehrzweckfett ist klebrig – und bindet Staub. An offenen Stellen, die dreckig werden, bildet es mit der Zeit eine Schleifpaste. Deshalb ungeeignet für:

  • Türschlösser und Schließzylinder. Dort gehören Graphit oder spezielle Schlossöle hin.
  • Fahrradketten. Kettenöl oder Kettenwachs dringt ein und zieht weniger Schmutz an.
  • Kettensägen-Schwerter. Dafür gibt es Sägekettenöl.
  • Gummidichtungen aus EPDM, wie sie an Fenstern und in Sanitärarmaturen sitzen. Mineralölbasierte Fette lassen sie aufquellen. Dort nimmt man Silikonfett.
  • Sehr heiße Stellen über 120 °C, etwa Bremsen oder Auspuffnähe. Hier braucht es Hochtemperatur- oder Kupferpaste.
  • Kunststoffzahnräder in Haushaltsgeräten, sofern der Hersteller nichts anderes sagt.

Richtig abschmieren

  1. Schmiernippel reinigen. Alter Schmutz auf dem Nippelkopf wird sonst mit ins Lager gepresst.
  2. Fettpresse ansetzen und gerade aufdrücken, bis das Mundstück fest sitzt.
  3. Fett einpressen, bis an den Lagerdichtungen frisches Fett austritt. Das alte, verschmutzte Fett wird dabei herausgedrückt.
  4. Überschuss abwischen. Was außen klebt, sammelt nur Staub.
  5. Beweglichen Teil bewegen, damit sich das Fett verteilt.

Bei gekapselten Lagern ohne Nippel mit Dichtscheiben kommt man nicht hinein – diese Lager sind auf Lebensdauer geschmiert und werden bei Bedarf getauscht.

Fettpresse und Kartuschen

Mehrzweckfett gibt es in Tuben, Dosen und als Kartusche mit 400 g, die in fast jede handelsübliche Hebelfettpresse passt. Wer mehrere Maschinen hat, fährt mit Kartuschen am günstigsten und saubersten. Wie die Pressen sich unterscheiden, steht bei Fettpresse und Akku-Fettpresse.

Wie oft nachschmieren

Das hängt von Einsatz und Hersteller ab. Faustregel für Gartengeräte: zu Saisonbeginn und nach längeren Einsätzen, bei Landmaschinen und Anhängern nach Betriebsanleitung, oft alle 8 bis 50 Betriebsstunden. Nach dem Hochdruckreinigen immer nachschmieren, weil der Wasserstrahl Fett aus den Lagern spült.

Typische Fehler

  • Zu viel Fett in geschlossene Lager. Ein überfülltes Wälzlager wird heiß, weil das Fett gewalkt wird. Nur so viel, bis es an der Dichtung austritt.
  • Unterschiedliche Fette gemischt. Fette mit verschiedenen Verdickern sind nicht immer verträglich und können flüssig werden. Im Zweifel altes Fett vollständig herausdrücken.
  • Fettpresse mit Schmutz befüllt. Kartusche und Pressenrohr sauber halten.
  • Mehrzweckfett auf Kunststoffschienen. Garagentor- und Schiebetürschienen laufen mit Trockenschmiermittel besser.

Lagerung und Entsorgung

Verschlossen hält Mehrzweckfett mehrere Jahre. Setzt sich Öl ab, ist das bei langer Lagerung normal; umrühren genügt. Fettreste, verschmutzte Lappen und leere Kartuschen mit Resten gehören zum Schadstoffmobil oder Wertstoffhof, nicht in den Restmüll oder gar in den Abfluss.

Häufige Fragen

Ist Mehrzweckfett dasselbe wie Staufferfett?

Umgangssprachlich ja, technisch nicht ganz. Echtes Staufferfett ist ein Kalkseifenfett, heutiges Mehrzweckfett meist ein Lithiumfett. Für Heimwerkerzwecke sind beide austauschbar, das Lithiumfett ist hitzebeständiger.

Was kostet Mehrzweckfett?

Eine 400-g-Kartusche kostet meist 4 bis 10 Euro, im Mehrfachpack weniger. Spezialfette für hohe Temperaturen oder Lebensmittelbereiche sind deutlich teurer.

Kann ich Mehrzweckfett im Winter verwenden?

Ja, bis etwa −30 °C bleibt ein K2K-30-Fett schmierfähig. Bei starkem Frost wird es zäher, die Geräte laufen anfangs schwerer.

Das könnte Sie auch interessieren