Metallbohrer

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Metallbohrer sind Spiralbohrer aus Schnellarbeitsstahl, kurz HSS. Sie bohren Stahl, Aluminium, Messing und Kunststoff – und in der Not auch Holz. Welcher Bohrer passt, hängt am Werkstoff: Für Baustahl reicht ein guter HSS-G-Bohrer, Edelstahl verlangt Kobalt. Und fast wichtiger als der Bohrer ist die richtige Drehzahl.
Die HSS-Varianten
| HSS-R | Gewalzt, erkennbar an der dunklen Oberfläche. Günstig, für Baustahl, Alu, Kunststoff, gelegentliche Arbeit. |
| HSS-G | Voll geschliffen, meist blank. Genauer im Durchmesser, besser zentrierend, langlebiger. Standard für Werkstatt und Handwerk. |
| HSS-TiN | HSS-G mit goldfarbener Titannitrid-Beschichtung. Geringere Reibung, längere Standzeit, solange die Schicht an der Spitze erhalten ist. |
| HSS-Co / HSS-E | Mit etwa 5 Prozent Kobalt legiert, hitzebeständiger. Für Edelstahl und hochfeste Stähle. |
| Hartmetall | Sehr hart und spröde, für Maschinen mit Ständer. Bricht in der Handbohrmaschine leicht. |
Für Heimwerker ist ein HSS-G-Satz von 1 bis 10 mm die beste Grundausstattung. Für Edelstahl kommen einzelne Kobaltbohrer in den gebräuchlichen Größen dazu.
Der Spitzenwinkel
Der Standard-Spitzenwinkel beträgt 118°. Er ist ein Kompromiss für die meisten Stähle und Nichteisenmetalle. Bohrer mit 135° sind für harte und zähe Werkstoffe wie Edelstahl gedacht. Sie haben oft einen Kreuzanschliff, der die Querschneide verkürzt: Der Bohrer zentriert sich selbst, verläuft weniger und braucht weniger Andruck.
Die Bohrertypen N, H und W
Die Spiralform unterscheidet sich je nach Werkstoff. Typ N mit normalem Drall ist der Standard für Stahl und Guss. Typ H hat einen flachen Drall für harte, kurzspanende Werkstoffe wie Messing. Typ W hat einen steilen Drall und große Spannuten für weiche, langspanende Werkstoffe wie Aluminium und Kupfer. Im Baumarkt findet man fast nur Typ N; für viel Aluminium lohnt die Suche nach Typ W.

Die richtige Drehzahl
Die häufigste Ursache für ausgeglühte Bohrer ist zu hohe Drehzahl. Je größer der Durchmesser und je härter der Stahl, desto langsamer muss der Bohrer laufen.
| Durchmesser | Baustahl | Edelstahl | Aluminium |
| 3 mm | ca. 2500 U/min | ca. 1000 U/min | ca. 5000 U/min |
| 6 mm | ca. 1300 U/min | ca. 500 U/min | ca. 2500 U/min |
| 10 mm | ca. 800 U/min | ca. 300 U/min | ca. 1500 U/min |
Die Werte sind Richtwerte für HSS-Bohrer. Ein bläulich verfärbter Span oder ein quietschender Bohrer zeigt, dass es zu schnell geht.
Sauber bohren in sechs Schritten
- Werkstück spannen. Nie mit der Hand halten. Ein Blech, das sich am Bohrer verhakt, dreht sich wie ein Messer. Ein Schraubstock oder Zwingen sind Pflicht.
- Ankörnen. Mit Körner und Hammer eine kleine Mulde schlagen, sonst wandert der Bohrer.
- Vorbohren. Ab etwa 8 mm mit 3 bis 4 mm vorbohren. Die Querschneide großer Bohrer schabt mehr als sie schneidet.
- Kühlen. Schneidöl auf Stahl und Edelstahl, für Aluminium Schneidöl oder Spiritus. Messing und Guss werden trocken gebohrt.
- Gleichmäßig drücken. Ein Span soll entstehen, kein Staub. Bei Edelstahl nie ohne Druck laufen lassen – er verfestigt sich dann an der Oberfläche.
- Entgraten. Mit einem Senker oder einem größeren Bohrer von Hand.
Bohrmaschine oder Ständer?
Kleine Löcher in Blech und Profilen gelingen mit dem Akkuschrauber im ersten Gang. Für größere Durchmesser und Serien lohnt eine Ständerbohrmaschine oder Säulenbohrmaschine: Der Bohrer läuft senkrecht, und die Drehzahl lässt sich passend einstellen. Für große Löcher in Stahlträgern gibt es die Magnetbohrmaschine.
Sonderformen
- Stufenbohrer. Für Bleche bis wenige Millimeter; ein Bohrer ersetzt viele Durchmesser und entgratet gleich mit.
- Gewindebohrer. Schneiden nach dem Kernloch ein Innengewinde. Anleitung unter Gewinde schneiden.
- Metallbohrer mit SDS-Schaft sind selten; der Schlagbohrmodus hat im Metall nichts verloren.
Stumpfe Bohrer schärfen
Metallbohrer lassen sich nachschleifen – von Hand am Schleifbock mit Übung, einfacher mit einem Bohrerschärfgerät. Wichtig ist, dass beide Schneiden gleich lang sind und der Winkel stimmt. Einzelheiten unter Metallbohrer schärfen.
Typische Fehler
- Schlagwerk eingeschaltet. Im Metall zerstört der Schlag die Schneiden in Sekunden.
- Ohne Körnerpunkt ansetzen. Der Bohrer tanzt über die Oberfläche und zerkratzt sie, das Loch sitzt daneben.
- Großer Bohrer ohne Vorbohren. Die Querschneide drückt nur, der Bohrer wird heiß, der Akku leer.
- Beschichtete Bohrer nachschleifen und weiter als TiN-Bohrer betrachten. Nach dem Schleifen fehlt die Schicht an der Spitze, der Bohrer arbeitet dann wie ein normaler HSS-G.
- Bohrer im Sammelsurium lagern. Lose in der Schublade schlagen die Schneiden gegeneinander. Eine Kassette mit festen Plätzen hält sie scharf.
Häufige Fragen
Taugen Metallbohrer für Holz?
Ja, für kleine Löcher. Sie zentrieren aber schlecht und reißen am Austritt aus. Für saubere Löcher in Holz nehmen Sie Holzbohrer mit Zentrierspitze.
Was kostet ein guter Satz?
Ein HSS-G-Satz 1–10 mm liegt bei 20 bis 50 Euro, Kobaltsätze kosten mehr. Einzelne Bohrer gibt es je nach Größe ab 1 bis 3 Euro.
Warum bricht mein Bohrer?
Meist bei kleinen Durchmessern durch Verkanten oder zu hohen Druck, oft beim Austritt aus dem Material. Gegen Ende der Bohrung den Druck zurücknehmen.



