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Heimwerker-Berater

Drehmomentschlüssel

Werkzeugvon Christoph4 Min. · 10 Abschnitte
Drehmomentschlüssel
Inhalt10 Abschnitte
  1. Warum das Drehmoment zählt
  2. Die drei Bauarten
  3. Der passende Messbereich
  4. So wird er richtig benutzt
  5. Was man mit ihm nicht tun sollte
  6. Genauigkeit und Kalibrierung
  7. Worauf Sie beim Kauf achten sollten
  8. Drehmomentschlüssel oder Schlagschrauber
  9. Typische Fehler
  10. Häufige Fragen

Ein Drehmomentschlüssel zieht Schrauben mit einer genau festgelegten Kraft an, gemessen in Newtonmetern. Er verhindert, dass Radmuttern sich lösen oder Carbonteile am Fahrrad reißen. Das richtige Anzugsmoment ist kein Richtwert, sondern eine Konstruktionsvorgabe – zu wenig ist genauso falsch wie zu viel.

Warum das Drehmoment zählt

Eine Schraube wirkt wie eine sehr steife Feder. Wird sie angezogen, dehnt sie sich minimal und presst die Bauteile zusammen. Genau diese Vorspannkraft hält die Verbindung. Ist sie zu gering, lockert sich die Schraube unter Vibration. Ist sie zu hoch, wird die Schraube überdehnt, das Gewinde reißt aus, oder das Bauteil verformt sich.

Das Anzugsmoment gibt der Hersteller vor. Es steht im Fahrzeughandbuch, auf dem Fahrradteil oder im Datenblatt.

Die drei Bauarten

BauartFunktionGeeignet für
Auslösend (Klick)Knickt beim eingestellten Wert spürbar und hörbar abStandard für Auto und Werkstatt
AnzeigendZeiger oder Messuhr zeigt das aktuelle MomentPrüfen, Messen von Losbrechmomenten
ElektronischDigitale Anzeige, Signal bei Erreichen, oft mit DrehwinkelmessungMotorbau, Zylinderkopfschrauben, Dokumentation

Für die meisten Heimwerker ist der auslösende Drehmomentschlüssel die richtige Wahl. Er ist einfach einzustellen, robust und bezahlbar.

Der passende Messbereich

Ein Drehmomentschlüssel misst im mittleren Bereich seiner Skala am genauesten. Deshalb braucht man oft mehr als einen.

  • 1/4 Zoll, etwa 2 bis 25 Nm. Fahrrad, Carbonteile, Kleinmotoren, Elektronikgehäuse.
  • 3/8 Zoll, etwa 20 bis 110 Nm. Zündkerzen, Motorräder, viele Schrauben am Auto.
  • 1/2 Zoll, etwa 40 bis 210 Nm. Radmuttern und Fahrwerksschrauben am Pkw.

Radmuttern werden bei Pkw meist mit einem Moment zwischen etwa 90 und 140 Nm angezogen, der genaue Wert steht im Handbuch. Carbon-Lenkervorbauten am Fahrrad dagegen oft mit nur 4 bis 6 Nm.

Einsatz eines Drehmomentschlüssels in einer KFZ-Werkstatt
Einsatz eines Drehmomentschlüssels in einer KFZ-Werkstatt | Foto: Corepics / Depositphotos.com

So wird er richtig benutzt

  1. Wert einstellen. Am Griff den Sollwert drehen und die Arretierung schließen.
  2. Schraube vorziehen. Mit einer normalen Ratsche oder von Hand bis knapp vor das Endmoment.
  3. Am Griff anfassen. Genau an der markierten Griffmitte, nicht weiter vorn und nicht mit Verlängerungsrohr.
  4. Gleichmäßig ziehen. Langsam und ohne Ruck, bis der Schlüssel auslöst.
  5. Sofort aufhören. Nach dem Klick nicht weiterziehen. Wer nachdrückt, überschreitet das Moment.
  6. Über Kreuz anziehen. Bei Radmuttern und Flanschen immer gegenüberliegend, in zwei Durchgängen.

Radmuttern sollten nach 50 bis 100 km mit dem Drehmomentschlüssel nachgezogen werden. Das gilt besonders nach einem Reifenwechsel zu Hause.

Was man mit ihm nicht tun sollte

Keine Schrauben lösen. Viele auslösende Schlüssel sind nur in eine Richtung kalibriert, und das hohe Losbrechmoment kann die Mechanik dejustieren. Zum Lösen nehmen Sie eine normale Ratsche oder einen Knebel.

Nicht als Hammer oder Hebel benutzen. Das Innenleben ist ein Präzisionsinstrument.

Nicht unter Spannung lagern. Nach der Arbeit auf den kleinsten Skalenwert zurückdrehen, nicht unter null. Eine dauerhaft gespannte Feder ermüdet und verändert die Kennlinie.

Genauigkeit und Kalibrierung

Drehmomentschlüssel sind in DIN EN ISO 6789 genormt. Für gängige auslösende Schlüssel ist eine Abweichung von etwa 4 Prozent zulässig, bei kleinen Momenten mehr. Mit der Zeit driftet jeder Schlüssel. Hersteller empfehlen eine Kalibrierung etwa jährlich oder nach 5000 Lastwechseln, und immer nach einem Sturz.

Für private Nutzer mit gelegentlichem Radwechsel reicht meist eine Prüfung alle paar Jahre. Kalibrierdienste bieten das für überschaubare Beträge an.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Messbereich passend zur Anwendung, nicht zu groß wählen.
  • Umschaltknarre für Rechts- und Linksgewinde.
  • Gut lesbare Skala mit klarer Arretierung.
  • Prüfzertifikat mit Angabe der Norm.
  • Aufbewahrungskoffer, der ihn vor Stößen schützt.

Einfache Schlüssel gibt es ab etwa 20 bis 30 Euro, gute Markengeräte kosten 60 bis 150 Euro, elektronische Modelle mehr.

Drehmomentschlüssel oder Schlagschrauber

Ein Druckluft-Schlagschrauber oder Akku-Schlagschrauber löst festsitzende Muttern schnell, kann das Anzugsmoment aber nicht zuverlässig treffen. Die richtige Reihenfolge lautet daher: mit dem Schlagschrauber lösen und vorziehen, mit dem Drehmomentschlüssel auf Endmoment bringen.

Typische Fehler

  • Mit Verlängerung am Griff gezogen. Ein aufgestecktes Rohr verändert den Hebelarm, und der Schlüssel löst bei einem höheren Moment aus als eingestellt.
  • Adapter vergessen. Wer mit einer Verlängerung oder einem Kardangelenk zwischen Schlüssel und Nuss arbeitet, sollte wissen: Gerade Verlängerungen verfälschen kaum, Winkeladapter und Krähenfußschlüssel dagegen schon, weil sie den Hebel verlängern.
  • Geölte statt trockener Gewinde. Anzugsmomente gelten für einen bestimmten Schmierzustand. Öl oder Kupferpaste auf einem Gewinde, das trocken angezogen werden soll, erhöht die Vorspannkraft bei gleichem Moment deutlich.
  • Mehrmals auf Klick gezogen. Jeder weitere Klick dreht die Schraube ein kleines Stück weiter. Einmal auslösen genügt.

Häufige Fragen

Welcher Drehmomentschlüssel für das Fahrrad?

Ein 1/4-Zoll-Schlüssel mit etwa 2 bis 25 Nm und passenden Bits. Größere Schlüssel sind im unteren Bereich zu ungenau.

Reicht ein Schlüssel für Auto und Fahrrad?

Nein, die Bereiche liegen zu weit auseinander. Für beides sind zwei Schlüssel nötig.

Wie merke ich, dass mein Schlüssel ungenau ist?

Ohne Prüfgerät kaum. Fühlt sich das Auslösen schwammig an oder klemmt die Einstellung, gehört er zur Kalibrierung.

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