Schnittschutzstiefel

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Schnittschutzstiefel sind Sicherheitsstiefel mit einer Einlage, die eine laufende Sägekette stoppt, bevor sie den Fuß erreicht. Sie gehören zur Grundausrüstung für jede Arbeit mit der Motorsäge, genauso wie Schnittschutzhose, Helm mit Visier und Gehörschutz. Ein normaler Sicherheitsschuh schützt nur die Zehen vor Stoß und Druck, nicht den Fuß vor der Kette.
Wie der Schnittschutz funktioniert
Im Obermaterial, vor allem über Zehen, Rist und vorderem Schaft, stecken Lagen aus langen, sehr reißfesten Kunstfasern. Trifft die Kette darauf, reißt sie die Fasern heraus und wickelt sie um Kettenrad und Kette. Die Säge blockiert in Sekundenbruchteilen. Das ist dasselbe Prinzip wie bei der Schnittschutzhose.
Daraus folgt: Nach einem Kettenkontakt ist der Stiefel verbraucht, auch wenn von außen nur ein kleiner Schnitt zu sehen ist. Die Fasern sind herausgezogen, an dieser Stelle schützt nichts mehr.
Die Norm und die Schutzklassen
Schnittschutzstiefel werden nach EN ISO 17249 geprüft. Grundlage ist die Norm für Sicherheitsschuhe EN ISO 20345, die unter anderem eine Zehenschutzkappe für 200 Joule verlangt. Dazu kommt die Prüfung mit einer laufenden Kette. Erkennbar ist das am Piktogramm mit der Motorsäge.
| Schutzklasse | Geprüft bis Kettengeschwindigkeit |
| Klasse 1 | 20 m/s |
| Klasse 2 | 24 m/s |
| Klasse 3 | 28 m/s |
| Klasse 4 | 32 m/s |
Klasse 1 ist die Mindestanforderung und im Handel am häufigsten. Höhere Klassen bieten Reserve, sind aber schwerer und steifer. Maßgeblich ist die Kettengeschwindigkeit Ihrer Säge, die in der Bedienungsanleitung steht. Wichtig: Die Klasse beschreibt den Test unter Laborbedingungen. Eine Garantie gegen jede Verletzung ist sie nicht.
Leder oder Gummi
Lederstiefel sind die Wahl für längere Arbeitstage und unebenes Gelände. Sie passen sich dem Fuß an, geben Halt im Knöchel und lassen sich pflegen. Gute Modelle haben eine wasserdichte Membran. Nachteil: Sie sind teurer und müssen trocknen.
Gummistiefel mit Schnittschutz sind wasserdicht, leicht zu reinigen und günstiger. Sie eignen sich für nasses Gelände, kurze Einsätze und für Arbeiten im Garten. Für lange Tage am Hang sind sie zu wenig stabil, und die Füße schwitzen darin stärker.
Worauf es beim Kauf ankommt
- Schnittschutz-Piktogramm und EN ISO 17249 auf dem Etikett. Ohne diese Angabe ist es kein Schnittschutzstiefel, egal wie der Name klingt.
- Grobstollige Sohle, rutschfest auf nassem Laub und Rinde. Bei Arbeiten auf Stämmen sind Modelle mit Spikes erhältlich.
- Hoher Schaft. Er stützt den Knöchel und überlappt mit der Schnittschutzhose. Zwischen Hosenbein und Stiefel darf keine Lücke entstehen.
- Durchtrittschutz. Nicht bei jedem Modell vorhanden, aber nützlich, wenn Sie über Äste und Aststummel laufen.
- Passform mit dicken Socken anprobieren. Am besten nachmittags, wenn die Füße etwas angeschwollen sind.

Wer sie braucht
Gewerblich sind Schnittschutzschuhe bei Arbeiten mit der Motorsäge vorgeschrieben. Auch Privatleute, die im Wald als Selbstwerber Brennholz machen, müssen bei vielen Forstbetrieben die vollständige Schutzausrüstung tragen und einen Motorsägenkurs nachweisen. Im eigenen Garten schreibt Ihnen niemand etwas vor – die Kette trifft dort aber genauso hart.
Die meisten Beinverletzungen mit der Motorsäge treffen Oberschenkel, Knie und Unterschenkel, darunter den Fuß. Beim Entasten nah am Boden oder beim Ablängen auf dem Boden liegender Stämme ist der Fuß besonders gefährdet.
Die komplette Ausrüstung
Der Stiefel allein reicht nicht. Zur Grundausstattung gehören auch eine Schnittschutzhose der passenden Klasse, ein Schutzhelm mit Visier und Gehörschutz, zum Beispiel ein Kapselgehörschutz, sowie Handschuhe mit Schnittschutz an der linken Hand. Und eine scharfe Kette: Eine stumpfe Kette muss man drücken, und gedrückt schlägt die Säge eher zurück. Wie man nachschärft, zeigt Sägeketten schärfen.
Die richtige Größe finden
Schnittschutzstiefel fallen je nach Hersteller unterschiedlich aus, und die Zehenkappe gibt keinen Millimeter nach. Zwischen Zehenspitze und Kappe sollte etwa ein Daumen breit Platz bleiben, sonst stoßen die Zehen beim Bergabgehen an. Die Ferse darf beim Gehen nicht spürbar rutschen, sonst drohen Blasen schon am ersten Tag. Probieren Sie beide Stiefel an, schnüren Sie sie vollständig und gehen Sie ein paar Schritte auf einer Schräge.
Pflege und Lebensdauer
Lederstiefel nach dem Einsatz von Erde und Harz befreien, bei Zimmertemperatur trocknen und regelmäßig mit Lederfett behandeln. Nicht auf die Heizung stellen, das Leder wird hart und rissig. Gummistiefel einfach abspülen.
Tauschen Sie die Stiefel aus nach jedem Kettenkontakt, bei durchgelaufener Sohle, bei Rissen im Obermaterial oder wenn die Zehenkappe sichtbar freiliegt. Wer mehr zu gewöhnlichen Arbeitsschuhen wissen will, findet Details bei den Sicherheitsschuhen.
Häufige Fragen
Was kosten Schnittschutzstiefel?
Gummistiefel mit Schnittschutz gibt es ab etwa 60 Euro. Lederstiefel liegen bei 150 bis über 300 Euro, je nach Membran, Klasse und Verarbeitung.
Reicht Klasse 1 für den Hausgebrauch?
Für die üblichen Heimwerker- und Gartensägen meist ja. Prüfen Sie trotzdem die Kettengeschwindigkeit Ihrer Säge in der Anleitung.
Kann ich Schnittschutzstiefel auch für andere Arbeiten tragen?
Ja, sie sind vollwertige Sicherheitsschuhe. Für den Alltag auf der Baustelle sind sie aber schwer und warm.
Schützen die Stiefel auch vor der Handsäge?
Gegen normale Schnittverletzungen bieten sie etwas Schutz, geprüft sind sie aber nur gegen die laufende Kette einer Motorsäge.


