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Heimwerker-Berater

Den Bohrer richtig schleifen

Werkzeugvon Andreas4 Min. · 9 Abschnitte
Den Bohrer richtig schleifen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Woran Sie einen stumpfen Bohrer erkennen
  2. Die Geometrie der Bohrerspitze
  3. Warum beide Schneiden gleich sein müssen
  4. Von Hand am Schleifbock
  5. Mit Gerät geht es genauer
  6. Holz- und Steinbohrer
  7. Typische Fehler
  8. Wann sich Schärfen nicht lohnt
  9. Häufige Fragen

Ein stumpfer Bohrer quietscht, wird heiß, verläuft und braucht doppelt so viel Druck. Weggeworfen werden muss er deshalb nicht: Spiralbohrer aus HSS lassen sich am Schleifbock in wenigen Minuten nachschleifen. Entscheidend sind drei Dinge – der richtige Spitzenwinkel, der Freiwinkel hinter der Schneide und zwei exakt gleiche Schneiden.

Woran Sie einen stumpfen Bohrer erkennen

Ein scharfer Metallbohrer wirft zwei gleichmäßige, spiralförmige Späne aus. Wird er stumpf, kommen nur noch Krümel oder Staub, der Bohrer wird schnell heiß, und die Bohrmaschine muss mit viel Druck arbeiten. Oft sieht man es auch mit bloßem Auge: Die Schneidecken außen sind abgerundet oder blau angelaufen.

Beim Holzbohrer merkt man es an ausgefransten Rändern und an Brandspuren im Loch. Beim Steinbohrer an stark nachlassendem Bohrfortschritt, obwohl das Schlagwerk arbeitet. Wer früh nachschärft, muss weniger Material abschleifen als bei einem Bohrer, der bis zum Glühen gequält wurde.

geschliffener bohrer
Mit einem geschliffenen Bohrer lässt sich wunderbar arbeiten! | Foto: HayDmitriy / Depositphotos.com

Die Geometrie der Bohrerspitze

SpitzenwinkelDer Winkel zwischen den beiden Hauptschneiden. Standard sind 118 Grad, für harte Stähle und Edelstahl oft 130 bis 135 Grad.
FreiwinkelDie Fläche hinter der Schneide fällt nach hinten ab, meist um 8 bis 12 Grad. Ohne ihn reibt der Bohrer statt zu schneiden.
QuerschneideDie kurze Kante in der Mitte, wo sich beide Freiflächen treffen. Sie schneidet nicht, sondern drückt.
AusspitzungEine Verkürzung der Querschneide, damit der Bohrer besser zentriert und weniger Vorschubkraft braucht.

Die Querschneide steht bei richtigem Freiwinkel in einem Winkel von etwa 55 Grad zur Hauptschneide. Das ist die einfachste Kontrolle nach dem Schleifen: Stimmt dieser Winkel ungefähr, stimmt auch der Freiwinkel.

Warum beide Schneiden gleich sein müssen

Ist eine Schneide länger als die andere, bohrt der Bohrer zu groß. Die Spitze liegt dann nicht mehr in der Mitte, der Bohrer läuft exzentrisch und das Loch wird oval oder größer als der Nenndurchmesser. Gleichzeitig trägt nur eine Schneide die Arbeit und wird schneller stumpf.

Auch der Winkel beider Schneiden muss gleich sein. Schon ein paar Grad Unterschied reichen, damit der Bohrer rattert. Eine einfache Bohrerschleiflehre aus Blech zeigt Spitzenwinkel und Schneidenlänge an und kostet nur ein paar Euro.

Von Hand am Schleifbock

  1. Schleifscheibe abziehen. Die Scheibe des Doppelschleifers muss plan und sauber sein. Eine verrundete Scheibe schleift keine gerade Schneide.
  2. Wasserbehälter bereitstellen. HSS verträgt zwar Hitze, aber blau angelaufene Schneiden werden weich.
  3. Bohrer richtig halten. Mit der Schneide waagerecht an die Scheibe, im halben Spitzenwinkel zur Scheibenachse, also etwa 59 Grad.
  4. Freiwinkel erzeugen. Den Bohrer beim Schleifen leicht nach unten schwenken und gleichzeitig etwas drehen, sodass die Fläche hinter der Schneide abfällt.
  5. Wenig Druck, kurze Kontakte. Lieber mehrere kurze Züge als einen langen. Zwischendurch in Wasser tauchen.
  6. Zweite Schneide gleich behandeln. Bohrer um 180 Grad drehen und dieselbe Bewegung wiederholen.
  7. Kontrollieren. Mit der Schleiflehre Winkel und Schneidenlänge prüfen, dann an einem Probestück bohren.

Die ersten Versuche gelingen selten perfekt. Üben Sie mit alten Bohrern ab etwa 6 mm Durchmesser, an denen man die Geometrie gut sieht. Mehr Details zum Metall gibt es beim Metallbohrer schärfen.

Mit Gerät geht es genauer

Wer viele Bohrer schärft oder keine ruhige Hand hat, nimmt ein Bohrerschärfgerät. Es hält den Bohrer in einer Führung und gibt Spitzenwinkel und Freiwinkel vor. Die Ergebnisse sind gleichmäßiger, und auch kleine Durchmesser lassen sich sauber schleifen, die von Hand kaum gelingen.

Holz- und Steinbohrer

Holzbohrer mit Zentrierspitze und Vorschneidern werden nicht am Schleifbock geschliffen. Man schärft sie vorsichtig mit einer feinen Schlüsselfeile oder einem Diamantfeilchen, und zwar nur von innen, damit der Durchmesser erhalten bleibt. Mehr dazu beim Holzbohrer.

Steinbohrer haben eine aufgelötete Hartmetallplatte. Die lässt sich mit einer Diamant- oder Siliciumcarbidscheibe nachschleifen, allerdings nur, solange genug Platte übrig ist. Ist die Platte ausgebrochen oder verrundet bis zum Lot, ist der Bohrer fertig.

Typische Fehler

  • Schneide überhitzt. Blau angelaufene Stellen sind weich geworden und stumpfen sofort wieder ab. Bis ins gesunde Material zurückschleifen.
  • Kein Freiwinkel. Der Bohrer sieht scharf aus, schneidet aber nicht, weil er mit der Rückseite reibt.
  • Zu viel Freiwinkel. Die Schneide wird dünn und bricht bei hartem Material aus.
  • Ungleiche Schneiden. Das Loch wird zu groß, der Bohrer verläuft.

Wann sich Schärfen nicht lohnt

Kleine Bohrer bis etwa 3 mm kosten wenig und sind von Hand kaum sauber zu schleifen. Hier ist der Neukauf fast immer die bessere Wahl. Bei großen Bohrern ab etwa 8 mm lohnt sich das Nachschleifen dagegen deutlich, weil sie teurer sind und die Geometrie leichter zu treffen ist. Beschichtete Bohrer, etwa mit Titannitrid, verlieren durch das Schleifen die Beschichtung an der Spitze, bohren aber als normaler HSS-Bohrer weiter.

Welcher Bohrer für welches Material der richtige ist, steht in der Übersicht Bohrerarten.

Häufige Fragen

Kann ich auch sehr feine Bohrer schärfen?

Von Hand kaum. Mit einem guten Schärfgerät gelingen Durchmesser ab etwa 3 mm. Darunter ist ein neuer Bohrer schneller und billiger.

Wie oft sollte ich nachschärfen?

Sobald der Bohrer merklich mehr Druck braucht oder Krümel statt Späne wirft. Früh nachgeschliffen, muss nur wenig Material weg.

Taugt ein Schleifpapier zum Schärfen?

Für ein wenig Entgraten ja, für eine saubere Geometrie nein. Ohne feste Führung und plane Scheibe lassen sich Spitzenwinkel und Freiwinkel nicht gleichmäßig schleifen.

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