Notstromaggregat Einfamilienhaus
Inhalt10 Abschnitte
Ein Notstromaggregat für das Einfamilienhaus soll bei einem Stromausfall das Wichtigste am Laufen halten: Heizung, Kühlschrank, Licht, Pumpen, vielleicht den Router. Die Frage ist nicht, wie groß das Gerät sein kann, sondern was im Ernstfall wirklich laufen muss. Dafür reichen meist 3 bis 6 kW – vorausgesetzt, das Aggregat ist sicher angeschlossen. Genau daran scheitern viele Lösungen.
Wofür man Notstrom im Haus braucht
Längere Stromausfälle sind in Deutschland selten, aber nicht ausgeschlossen. Im Winter wird es dann schnell ungemütlich: Auch eine Gas- oder Ölheizung läuft ohne Strom nicht, weil Brenner, Steuerung und Umwälzpumpe Strom brauchen. Dazu kommen Tiefkühltruhe, Hebeanlage im Keller, Brunnen- oder Hauswasserpumpe, Aquarium, medizinische Geräte. Auf dem Land mit langen Freileitungen und bei Häusern mit Hebeanlage ist ein Aggregat eher eine Überlegung wert als in der Stadtwohnung.
Den Bedarf ausrechnen
| Verbraucher | Leistung im Betrieb (ca.) | Hinweis |
| Gas- oder Ölheizung | 100–300 W | sensible Elektronik |
| Kühlschrank | 100–200 W | Anlauf ein Mehrfaches |
| Gefriertruhe | 100–200 W | Anlauf ein Mehrfaches |
| Beleuchtung LED, mehrere Räume | 50–150 W | |
| Router, Handy-Ladegeräte | 20–50 W | |
| Hebeanlage, Tauchpumpe | 500–1500 W | hoher Anlaufstrom |
| Wasserkocher, Herdplatte | 1500–2500 W | nur kurz und einzeln |
Addieren Sie die Geräte, die gleichzeitig laufen, und rechnen Sie für den größten Motor den Anlaufstrom hinzu. Für eine Grundversorgung mit Heizung, Kühlgeräten, Licht und Router kommen Sie mit 3 bis 4 kW gut hin. Wer zusätzlich kochen, pumpen oder eine Wärmepumpe betreiben will, braucht deutlich mehr und meist ein dreiphasiges Gerät.
Wärmepumpe und E-Herd
Eine Wärmepumpe lässt sich nur mit einem großen, dreiphasigen Aggregat versorgen, und auch dann ist der Anlaufstrom des Verdichters kritisch. Häufig ist es sinnvoller, im Notfall nur den Heizstab oder einzelne Räume zu versorgen. Ein Elektroherd mit mehreren Platten zieht über 7 kW; im Notbetrieb kocht man besser mit einer einzelnen Platte oder auf dem Gaskocher.
Benzin, Diesel oder Gas
- Benzin: günstig in der Anschaffung, leicht, verbreitet. Der Kraftstoff altert aber nach einigen Monaten und ist feuergefährlich.
- Diesel: sparsam, robust, Kraftstoff länger lagerfähig. Schwerer und teurer, siehe Notstromaggregat Diesel.
- Flüssiggas: sauberer Betrieb, Gas altert nicht. Die Flaschen müssen aber gelagert und rechtzeitig gewechselt werden.
Einen Überblick über Bauformen und Größenklassen gibt der Beitrag große und kleine Notstromaggregate.
Der Anschluss ans Hausnetz
Es gibt zwei saubere Wege. Erstens: Einzelgeräte direkt ans Aggregat, mit einem geeigneten Verlängerungskabel. Das ist einfach und sicher, funktioniert aber nur für steckbare Geräte – eine Heizung mit festem Anschluss erreicht man so nicht.
Zweitens: Einspeisung über einen Netzumschalter. Ein Elektriker installiert einen Umschalter im Verteiler und eine Einspeisesteckdose außen am Haus. Im Notfall wird das Haus vom Netz getrennt und über das Aggregat versorgt. Oft wird dafür ein eigener Notstromkreis angelegt, der nur die wichtigen Verbraucher enthält. Das kostet einmalig einige hundert bis über tausend Euro, ist aber der einzige zulässige Weg.
Der gefährliche dritte Weg – ein Kabel mit zwei Steckern, das das Aggregat über eine Steckdose ins Hausnetz einspeist – ist lebensgefährlich. Ohne Netztrennung fließt der Strom zurück ins öffentliche Netz und kann Monteure töten. Außerdem liegt an den blanken Steckerstiften Spannung an.
Inverter für die Heizung
Moderne Heizungen haben eine empfindliche Elektronik. Ein Aggregat mit schwankender Spannung kann Steuerungen stören oder beschädigen. Achten Sie auf einen Inverter-Generator oder mindestens eine elektronische Spannungsregelung. Einige Heizungshersteller geben an, welche Anforderungen die Stromquelle erfüllen muss. Mehr zum Prinzip beim Inverter-Stromerzeuger.
Was es kostet
Ein brauchbares Benzin-Inverteraggregat mit 3 bis 4 kW kostet etwa 800 bis 2000 Euro, Diesel- und Gasgeräte ähnlicher Leistung eher mehr. Dazu kommen Netzumschalter und Installation. Für eine komplette Lösung mit fest installierter Einspeisung sollten Sie mit 2000 bis 4000 Euro rechnen, bei stationären Anlagen mit automatischer Umschaltung auch mehr.
Alternativen
Wer eine Photovoltaikanlage mit Speicher hat oder plant, kann die Ersatzstrom- oder Notstromfunktion nutzen, die manche Wechselrichter und Speicher bieten. Nicht jede Anlage kann das, und nicht jede versorgt das ganze Haus – fragen Sie beim Installateur ausdrücklich danach. Mehr dazu in den Photovoltaik-FAQ. Für kurze Ausfälle genügt manchmal auch eine tragbare Powerstation für Router, Licht und Handys.
Sicherheit und Wartung
Das Aggregat läuft nur im Freien, mit Abstand zu Fenstern und Lüftungsöffnungen, nie in Garage oder Keller: Kohlenmonoxid ist geruchlos und tödlich. Einmal im Monat eine halbe Stunde unter Last laufen lassen, Kraftstoff regelmäßig erneuern, Starterbatterie laden.
Häufige Fragen
Wie lange muss das Aggregat laufen können?
Für die meisten Ausfälle reichen einige Stunden. Planen Sie aber für mindestens 24 Stunden Kraftstoff ein, und prüfen Sie, wie lange das Gerät mit einer Tankfüllung läuft.
Darf ich das Aggregat selbst anschließen?
Einzelgeräte per Stecker ja. Alles, was in die Hausinstallation eingreift, gehört in die Hand einer Elektrofachkraft.
Ist das Aggregat im Wohngebiet zu laut?
Offene Geräte sind sehr laut. Inverter-Aggregate mit Schallhaube sind deutlich leiser und im Notfall eher zumutbar.



