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Heimwerker-Berater

Radon Messgerät

Werkzeugvon Christoph5 Min. · 10 Abschnitte
Radon Messgerät
Inhalt10 Abschnitte
  1. Woher das Gas kommt
  2. Warum es gefährlich ist
  3. Was der Referenzwert bedeutet
  4. Die zwei Gerätearten
  5. Warum eine Woche wenig beweist
  6. So stellen Sie das Gerät richtig auf
  7. Typische Fehler
  8. Was bei hohen Werten hilft
  9. Was Radon nicht ist
  10. Häufige Fragen

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das aus dem Boden in Keller und Wohnräume sickert – unsichtbar, geruchlos, ohne jedes Warnzeichen. Ob es in Ihrem Haus ein Thema ist, verrät nur eine Messung. Die beste Messung ist zugleich die billigste: ein passiver Detektor für 30 bis 50 Euro, der ein Jahr lang unbeachtet im Regal steht.

Woher das Gas kommt

Radon entsteht beim Zerfall von Uran, das in praktisch jedem Gestein und Boden in kleinen Mengen steckt. Besonders viel davon enthalten Granit und andere Urgesteine, weshalb Mittelgebirgsregionen wie Erzgebirge, Fichtelgebirge, Bayerischer Wald oder Schwarzwald stärker betroffen sind als das Norddeutsche Tiefland. Aus dem Boden gelangt das Gas über Risse in der Bodenplatte, undichte Leitungsdurchführungen, Naturböden im Keller oder Fugen im Mauerwerk ins Haus.

Wie viel ankommt, hängt weniger von der Region allein ab als vom einzelnen Gebäude: Baugrund, Abdichtung, Lüftungsgewohnheiten und Wetter wirken zusammen. Zwei Nachbarhäuser können deshalb völlig unterschiedliche Werte haben. Das ist der Grund, warum eine Radonkarte eine Messung nicht ersetzt.

Warum es gefährlich ist

Radon selbst hat eine Halbwertszeit von knapp vier Tagen. Gefährlich sind vor allem seine Zerfallsprodukte, radioaktive Isotope von Polonium, Blei und Bismut. Sie heften sich an Staubteilchen, werden eingeatmet und bestrahlen das Lungengewebe von innen. Radon gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs; das Bundesamt für Strahlenschutz führt etwa 5 Prozent der Lungenkrebstodesfälle in Deutschland darauf zurück.

Raucher trifft es doppelt: Beide Risiken addieren sich nicht einfach, sie verstärken sich gegenseitig. Einen belegten Zusammenhang mit Hautkrebs gibt es dagegen nicht – die Lunge ist das Organ, um das es geht.

Was der Referenzwert bedeutet

Das Strahlenschutzgesetz nennt für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze einen Referenzwert von 300 Becquerel je Kubikmeter Luft (Bq/m³) im Jahresmittel. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, möglichst unter 100 Bq/m³ zu bleiben. Der Referenzwert ist kein Grenzwert, ab dem Sie ausziehen müssen, sondern eine Schwelle, ab der Gegenmaßnahmen angeraten sind.

Die Länder haben sogenannte Radonvorsorgegebiete ausgewiesen. Für Arbeitsplätze im Keller und Erdgeschoss gilt dort eine Messpflicht, für Neubauten gelten erhöhte Anforderungen an die Abdichtung. Private Wohnräume müssen nicht gemessen werden – sinnvoll ist es in diesen Gebieten trotzdem.

Die zwei Gerätearten

Passiver Detektor (Exposimeter)Elektronisches Messgerät
PrinzipFolie, in der Alphateilchen Spuren hinterlassen; das Labor zählt sie ausMesskammer mit Sensor, Anzeige im Display oder in der App
Messdauer3 bis 12 Monatelaufend, erste Werte nach 1 bis 2 Tagen
Ergebnisein Mittelwert, nach EinsendenVerlauf über Tage und Jahreszeiten
StromkeinerBatterie oder USB
Preis30–50 Euro inklusive Auswertungetwa 150–300 Euro

Für die Frage „Liegt mein Haus über dem Referenzwert?“ reicht der passive Detektor. Er misst genau das, worauf sich der Wert bezieht: den Jahresdurchschnitt. Das elektronische Gerät lohnt sich, wenn Sie Ursachen suchen – etwa ob der Wert nach dem Abdichten eines Kellerdurchbruchs sinkt oder wie stark Lüften wirkt.

Warum eine Woche wenig beweist

Die Radonkonzentration schwankt stark: nachts höher als tagsüber, im Winter höher als im Sommer, bei Tiefdruck anders als bei Hochdruck. Im Winter steigt warme Luft im Haus auf und saugt unten Bodenluft nach – der Kamineffekt. Im Sommer stehen die Fenster offen, und das Gas wird verdünnt.

Eine Kurzmessung über ein paar Tage ist deshalb nur eine Momentaufnahme. Liegt sie deutlich unter 100 Bq/m³, ist das beruhigend. Liegt sie hoch, beweist sie noch keine Überschreitung, sondern ist ein Grund für die Langzeitmessung. Wer nur drei Monate messen will, legt den Zeitraum in die Heizperiode oder in die Übergangszeit, nie ausschließlich in den Sommer.

So stellen Sie das Gerät richtig auf

  1. Den richtigen Raum wählen. Gemessen wird dort, wo Sie viel Zeit verbringen und dem Boden am nächsten sind: Schlafzimmer, Wohnzimmer, genutzte Kellerräume. Die Werte nehmen nach oben meist ab. Bei mehreren Geschossen ist ein Detektor je bewohntem Geschoss sinnvoll.
  2. Freie Position suchen. Etwa auf Tischhöhe, mit mindestens 20 cm Abstand zur Wand, nicht in Schränken oder Vitrinen.
  3. Wärme und Zugluft meiden. Nicht direkt neben Heizkörper, Fenster, Lüftungsauslass oder Kamin.
  4. Normal weiterleben. Lüften Sie wie immer. Wer während der Messung auffällig viel lüftet, misst sein Lüftungsverhalten, nicht das Haus.
  5. Start- und Enddatum notieren. Das Labor braucht die Dauer für die Auswertung.

Typische Fehler

  • Nur im Keller messen, der nie genutzt wird. Der Wert ist dort oft hoch, sagt aber wenig über die Belastung beim Schlafen im ersten Stock.
  • Gerät zwischendurch umstellen. Dann mitteln Sie zwei Räume zu einem Wert, der für keinen gilt.
  • Vom Momentwert auf das Jahr schließen. Ein Spitzenwert von 800 Bq/m³ in einer Winternacht kann bei einem Jahresmittel unter 300 liegen.
  • Das Einsenden vergessen. Klingt banal, passiert aber: Ein passiver Detektor ohne Auswertung ist ein Stück Plastik im Regal.

Was bei hohen Werten hilft

Häufig genügen einfache Maßnahmen. Regelmäßiges Stoßlüften senkt die Konzentration spürbar. Wirksamer auf Dauer ist es, den Eintrittsweg zu schließen: Risse in der Bodenplatte, Rohr- und Kabeldurchführungen im Keller, Pumpensümpfe und Bodenabläufe abdichten, die Kellertür dicht schließen und den Keller vom Wohnbereich trennen. Wer ohnehin gegen Schimmel oder Feuchte im Keller vorgeht, kann beides verbinden.

Bei sehr hohen Werten kommen bauliche Lösungen in Frage, etwa eine Absaugung, die unter der Bodenplatte einen leichten Unterdruck erzeugt. Das gehört in die Hände einer Fachfirma. Nach jeder Maßnahme gilt: nachmessen, sonst wissen Sie nicht, ob sie gewirkt hat. Mehr zu anderen Belastungen der Raumluft steht unter Schadstoffe im Haus messen.

Was Radon nicht ist

Ein Radonmessgerät ist kein Kohlenmonoxid-Warner. Radon wirkt über Jahre, Kohlenmonoxid in Minuten. Wer einen Kamin oder eine Gastherme betreibt, braucht dafür einen eigenen CO-Melder. Manche elektronischen Radongeräte messen zusätzlich Temperatur, Luftfeuchte oder CO₂ – nützlich, aber kein Ersatz für einen Rauch- oder CO-Melder.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich einen passiven Detektor?

Bei anerkannten Messlaboren, die den Detektor verschicken und nach dem Rücksenden auswerten. Das Bundesamt für Strahlenschutz führt eine Liste solcher Stellen. Der Preis enthält in der Regel Versand und Auswertung.

Muss ich als Mieter messen lassen?

Nein, für private Wohnräume gibt es keine Messpflicht. Ein passiver Detektor ist aber so unauffällig, dass Sie ihn problemlos selbst aufstellen können.

Wie lange sollte ich messen?

Am aussagekräftigsten sind zwölf Monate. Drei Monate in der Heizperiode geben einen brauchbaren, eher vorsichtigen Anhaltspunkt.

Lohnt sich die Messung im Obergeschoss einer Wohnung?

Dort sind die Werte meist niedrig, weil das Gas aus dem Boden kommt. Priorität haben Erdgeschoss und genutzte Kellerräume, besonders in Radonvorsorgegebieten.

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