Schadstoffe im Haus messen

Inhalt10 Abschnitte
Schadstoffe in der Wohnung riecht man manchmal, oft aber nicht: Radon, Kohlenmonoxid und viele Lösemittel bleiben unbemerkt. Einfache Messgeräte für CO2, Feinstaub und flüchtige organische Verbindungen zeigen Tendenzen, aber keine belastbaren Werte für einzelne Stoffe. Wer einen konkreten Verdacht hat, braucht eine Probe im Labor, und bei Asbest und Holzschutzmitteln sollte man nicht selbst bohren.
Die häufigsten Schadstoffe in Innenräumen
| VOC | Flüchtige organische Verbindungen aus Lacken, Klebern, Möbeln, Bodenbelägen. Kurz nach Renovierung stark erhöht, klingt meist innerhalb von Wochen ab. |
| Formaldehyd | Aus älteren Spanplatten, Möbeln, Klebstoffen. Stechender Geruch, reizt Augen und Atemwege. |
| Radon | Radioaktives Edelgas aus dem Untergrund, dringt über Keller und Bodenplatte ein. Geruchlos, regional sehr unterschiedlich. |
| Kohlenmonoxid | Aus defekten Öfen, Gasthermen, Kaminen. Geruchlos und in hoher Konzentration tödlich. |
| Schimmelsporen | Aus feuchten Wänden, oft hinter Möbeln oder unter Tapeten. |
| Asbest | In Bauten bis Anfang der 1990er-Jahre: Floor-Flex-Platten, Kleber, Spachtelmassen, Faserzementplatten, Nachtspeicheröfen. |
| Holzschutzmittel | PCP und Lindan in Holzverkleidungen aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. |
| Feinstaub | Aus Kerzen, Kochen, Laserdruckern, Holzöfen. |
Was einfache Messgeräte können
CO2-Messgeräte sind die nützlichsten Geräte für den Alltag. Sie messen nicht einen Schadstoff im engeren Sinn, zeigen aber zuverlässig, ob gelüftet werden muss. Das Umweltbundesamt bewertet Werte unter 1000 ppm als unbedenklich, 1000 bis 2000 ppm als auffällig und darüber als inakzeptabel. Gute Geräte arbeiten mit einem NDIR-Sensor und kosten 50 bis 150 Euro.
VOC-Sensoren in Luftqualitätsmonitoren zeigen eine Summe aus vielen Stoffen, oft als Ampel oder Index. Sie sagen nicht, welcher Stoff es ist, und sind untereinander kaum vergleichbar. Als Hinweis auf Veränderungen taugen sie, als Nachweis nicht.
Feinstaubsensoren mit Laserstreuung messen PM2,5 und PM10 recht brauchbar und zeigen gut, wie stark Kerzen oder Braten die Luft belasten.
Formaldehyd-Sensoren in günstigen Geräten sind oft ungenau und reagieren auch auf andere Gase.
Wo Messgeräte versagen
Ein Gerät für 150 Euro, das angeblich alle Schadstoffe erkennt, gibt es nicht. Kein Heimgerät unterscheidet einzelne Lösemittel, Holzschutzmittel oder Weichmacher. Asbestfasern kann man mit keinem Raumluftsensor feststellen. Bei solchen Fragen hilft nur eine gezielte Probenahme mit Laboranalyse.

Passivsammler und Labortests
Für Privatleute gibt es Sammelröhrchen oder -plaketten, die einige Tage bis zwei Wochen im Raum liegen und dann an ein Labor gehen. Sie weisen VOC-Einzelstoffe oder Formaldehyd nach und kosten je nach Umfang etwa 50 bis 200 Euro. Wichtig ist die Anleitung: Vorher meist acht Stunden nicht lüften, Fenster und Türen geschlossen halten, keine Duftkerzen, nicht rauchen. Sonst misst man den Zustand nach dem Stoßlüften oder nach dem Kerzenabend.
Für Hausstaub gibt es Proben, die auf Holzschutzmittel, PCB und Weichmacher untersucht werden. Staub reichert solche Stoffe über Jahre an und verrät oft mehr als eine einzelne Luftmessung.
Radon messen
Radon ist nach dem Rauchen eine der wichtigsten Ursachen für Lungenkrebs. Der Referenzwert für Aufenthaltsräume liegt nach dem Strahlenschutzgesetz bei 300 Becquerel je Kubikmeter im Jahresmittel. Gemessen wird mit Kernspurdetektoren (Exposimetern), die über mehrere Monate, am besten ein Jahr, im Wohnraum liegen und dann ausgewertet werden. Sie kosten meist 30 bis 50 Euro je Stück. Elektronische Messgeräte zeigen Kurzzeitwerte, taugen aber eher zur Suche nach Eintrittsstellen. Mehr dazu unter Radon-Messgerät.
Kohlenmonoxid: melden, nicht messen
Bei Kohlenmonoxid geht es nicht um eine einmalige Messung, sondern um Alarm im Ernstfall. In Räumen mit Gasheizung, Kaminofen oder Gastherme gehört ein CO-Melder nach DIN EN 50291 an die Wand. Er kostet 20 bis 50 Euro. Die Unterschiede zwischen CO- und CO2-Meldern erklärt Kohlendioxidwarnmelder und Kohlenmonoxidmelder.
Schimmel
Schimmel sieht man meist, bevor man ihn misst. Verdeckter Schimmel verrät sich durch muffigen Geruch und feuchte Stellen. Luftkeimmessungen durch Fachleute können eine verdeckte Quelle bestätigen, sie sind aber nur mit Vergleichsprobe von außen aussagekräftig. Wichtiger als die Messung ist die Ursache: Feuchtigkeit. Hinweise zur Suche stehen unter Schimmel feststellen.
Asbest: nicht selbst beproben
Besteht in einem älteren Haus der Verdacht auf Asbest, bohren, schleifen oder brechen Sie das Material nicht. Eine Materialprobe entnimmt am besten eine Fachfirma oder ein Sachverständiger, und das Labor untersucht sie. Die Kosten liegen meist bei 50 bis 150 Euro je Probe. Woran man Verdachtsmaterialien erkennt, steht unter Asbest erkennen.
Wann der Sachverständige kommen sollte
- bei gesundheitlichen Beschwerden, die zu Hause stärker sind als anderswo,
- vor dem Kauf eines älteren Hauses mit Verdacht auf Asbest oder Holzschutzmittel,
- bei Streit mit Vermieter oder Bauträger, wenn Messwerte als Beweis dienen sollen,
- wenn ein Labortest auffällig war und die Quelle gesucht wird.
Eine Begehung mit mehreren Raumluftmessungen kostet je nach Umfang mehrere Hundert Euro. Wählen Sie Sachverständige mit nachweisbarer Qualifikation für Innenraumschadstoffe.
Häufige Fragen
Hilft Lüften gegen alles?
Gegen CO2, VOC und Formaldehyd hilft regelmäßiges Stoßlüften erheblich. Gegen eine dauerhafte Quelle wie eine belastete Spanplatte oder Radon aus dem Keller hilft es nur begrenzt – die Quelle muss weg oder abgedichtet werden.
Helfen Luftreiniger?
Geräte mit HEPA-Filter holen Feinstaub und Pollen zuverlässig aus der Luft. Gegen Gase wie Formaldehyd braucht es große Aktivkohlefilter, und die sättigen sich. Luftreiniger ersetzen keine Quellensuche.
Wie lange dünstet ein neuer Boden aus?
Die meisten Emissionen klingen in den ersten Wochen deutlich ab. Achten Sie beim Kauf auf emissionsarme Produkte mit anerkannten Umweltzeichen.



