Schlauchwaage
Inhalt9 Abschnitte
Die Schlauchwaage ist ein Schlauch mit Wasser – und eines der genauesten Nivelliergeräte, das man für wenig Geld bekommen kann. Sie überträgt eine Höhe von einem Punkt zum anderen, auch um Ecken, durch Türen und über 20 Meter Entfernung. Laser haben sie auf vielen Baustellen verdrängt, aber wo keine Sichtverbindung besteht, ist sie immer noch unschlagbar.
Das Prinzip
Grundlage ist das Gesetz der verbundenen Gefäße: In zwei miteinander verbundenen, offenen Gefäßen steht eine Flüssigkeit immer auf derselben Höhe, egal wie der Verbindungsschlauch dazwischen verläuft. Hält man also beide Enden eines wassergefüllten Schlauchs hoch, zeigen die beiden Wasserspiegel exakt dieselbe Höhe. Das Verfahren heißt fachlich hydrostatisches Nivellement.
Die Schlauchform spielt keine Rolle. Der Schlauch darf durch ein Fenster, um eine Hausecke oder unter einem Hindernis hindurchlaufen. Nur Luftblasen dürfen nicht drin sein.
Wofür man sie braucht
- Höhen übertragen zwischen Räumen, etwa den Meterriss für Estrich und Fliesen.
- Fundamente und Schalungen auf gleiche Höhe bringen, wenn Punkte weit auseinander liegen.
- Pfosten für Zaun, Carport und Pergola auf dieselbe Höhe setzen.
- Terrassen und Wege mit Gefälle anlegen: erst die Nullhöhe übertragen, dann das Gefälle abmessen.
- Decken und Unterkonstruktionen im Trockenbau ausrichten, wenn kein Laser vorhanden ist.
Was Sie brauchen
Einen transparenten Schlauch mit etwa 8 bis 12 mm Innendurchmesser und ausreichender Länge, meist 10 bis 20 Meter. Zwei Messzylinder mit Skala, die auf die Enden gesteckt werden – im Set als Schlauchwaage im Handel, aber auch ein durchsichtiger Schlauch allein funktioniert. Dazu Wasser, einen Tropfen Lebensmittelfarbe zur besseren Sichtbarkeit und einen Bleistift oder Markierstift. Fertige Sets kosten meist 10 bis 30 Euro.
Richtig befüllen
Die meisten Messfehler entstehen beim Befüllen. Eine einzige Luftblase im Schlauch verfälscht die Messung.
- Schlauch ausgelegt auf den Boden legen, ohne Knicke.
- Von einem Ende aus langsam füllen, am besten mit einem Trichter oder direkt am Wasserhahn mit geringem Druck. Das andere Ende liegt tiefer, damit die Luft vor dem Wasser herausgedrückt wird.
- Blasen kontrollieren. Halten Sie den Schlauch gegen das Licht und laufen Sie ihn ab. Blasen treibt man aus, indem man den Schlauch anhebt und die Blase zum offenen Ende wandern lässt.
- Wasser einfärben, damit der Spiegel leichter zu sehen ist.
- Beide Enden verschließen, bis gemessen wird. So läuft beim Transport nichts aus.
So wird gemessen
- Bezugspunkt markieren. Die Ausgangshöhe an der Wand anzeichnen, etwa einen Meter über dem späteren Fertigfußboden.
- Ein Ende am Bezugspunkt halten. Die Person dort hebt oder senkt ihr Schlauchende so lange, bis der Wasserspiegel genau auf der Markierung steht.
- Zweites Ende am Zielpunkt. Beide Enden müssen geöffnet sein. Nach kurzer Beruhigung zeigt der Wasserspiegel am Zielort die gleiche Höhe.
- Anzeichnen. Den Wasserspiegel am Zielort markieren.
- Kontrollmessung. Die Enden tauschen oder den Bezugspunkt nochmals prüfen. Wenn der Wasserspiegel am Ausgangspunkt nicht mehr auf der Markierung steht, ist Wasser ausgelaufen oder eine Blase im Spiel.
Allein messen geht auch: Das eine Ende wird am Bezugspunkt festgebunden, sodass der Wasserspiegel dort genau auf der Markierung steht. Dann geht man mit dem anderen Ende herum.
Wie genau ist das?
Bei sorgfältiger Arbeit lässt sich mit einer Schlauchwaage auf etwa einen Millimeter genau messen. Fehler kommen aus drei Quellen: Luftblasen, ungleiche Temperaturen entlang des Schlauchs (etwa ein Teil in der Sonne, ein Teil im Schatten) und Ablesefehler am Meniskus, also der gewölbten Wasseroberfläche. Lesen Sie immer auf Augenhöhe und immer an derselben Stelle der Wölbung ab.
Schlauchwaage, Wasserwaage, Laser
| Werkzeug | Stärken | Grenzen |
| Schlauchwaage | billig, genau, keine Sichtverbindung nötig | langsam, zwei Personen hilfreich |
| Wasserwaage | schnell auf kurzen Strecken | Fehler summieren sich beim Umsetzen |
| Kreuzlinienlaser | schnell, eine Person, sichtbare Linie | braucht Sichtverbindung, draußen schlecht zu sehen |
| Rotationslaser | große Flächen, mit Empfänger auch im Freien | teuer, eher für Profis |
Wer mit der Wasserwaage lange Strecken überbrückt, sammelt Fehler. Jede Ansetzung übernimmt die kleine Abweichung der vorigen. Deshalb ist die Schlauchwaage über größere Entfernungen genauer als eine Wasserwaage auf einer Richtlatte.
Digitale Schlauchwaagen
Es gibt Schlauchwaagen mit elektronischer Anzeige. Sie messen den Wasserdruck an einem Ende und zeigen die Höhendifferenz direkt als Zahl an, teils mit Signalton beim Erreichen der Nullhöhe. Das erleichtert die Arbeit für eine Person erheblich, kostet aber ein Mehrfaches der einfachen Ausführung.
Häufige Fragen
Kann ich einen Gartenschlauch nehmen?
Nur, wenn die Enden durchsichtig sind. Man kann auf einen Gartenschlauch zwei durchsichtige Schlauchstücke stecken. Luftblasen im undurchsichtigen Teil sieht man dann allerdings nicht.
Wie lang darf der Schlauch sein?
Grundsätzlich beliebig. Mit steigender Länge wird es aber umständlicher, Blasen zu finden, und Temperaturunterschiede werden wahrscheinlicher. Für Haus und Garten sind 10 bis 20 Meter üblich.
Was tun im Winter?
Bei Frost gefriert das Wasser. Frostschutzmittel für Scheibenwaschanlagen funktioniert, macht das Befüllen aber schmieriger. Danach den Schlauch gut ausspülen.



