Silikon entfernen - so geht’s!

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Silikon altersschwach werden zu lassen ist keine gute Idee: Eine rissige oder abgelöste Fuge lässt Wasser hinter die Fliese, und der Schaden zeigt sich erst, wenn der Putz dahinter durchfeuchtet ist.
Das Erneuern ist eine überschaubare Arbeit. Die Mühe liegt nicht im Neuverfugen, sondern im vollständigen Entfernen des alten Materials – und genau daran entscheidet sich, ob die neue Fuge zehn Jahre hält oder ein Jahr.
Das Werkzeug
Cuttermesser mit frischer Klinge. Das wichtigste Werkzeug.
Fugenhobel oder Silikonschaber. Ein Handgerät mit gebogenen Klingen, das beide Flanken gleichzeitig anschneidet. Kostet wenige Euro und spart viel Zeit.
Kunststoffschaber für die Reste auf der Oberfläche – Metall zerkratzt Fliesen, Acrylwannen und Edelstahl.
Silikonentferner, ein Gel oder eine Paste, die ausgehärtetes Silikon aufquellen lässt.
Spiritus oder Aceton zum Entfetten.
Kreppband, Fugenglätter, Kartuschenpistole für die neue Fuge.
Schritt 1: Herausschneiden
Setzen Sie das Messer flach an der Fliese an und schneiden Sie die Fuge an beiden Flanken entlang. Danach lässt sich der Strang meist am Stück abziehen.
Arbeiten Sie mit leichtem Druck. Wer zu tief ansetzt, ritzt die Wannenkante oder die Fliesenglasur an – bei Acrylwannen entsteht dabei ein dauerhafter Kratzer.
Bei tiefen Fugen kann unter dem Silikon ein Rundschnur-Hinterfüllprofil liegen. Es gehört ebenfalls heraus und wird durch ein neues ersetzt.
Schritt 2: Reste entfernen
Der entscheidende und unbeliebteste Schritt. Auf Silikon haftet kein neues Silikon – jeder Rest ist eine Sollbruchstelle.
Tragen Sie Silikonentferner auf, lassen Sie ihn je nach Produkt mehrere Stunden bis über Nacht wirken und schaben Sie dann mit einem Kunststoffschaber nach. Bei hartnäckigen Resten wiederholen.
Auf glatten Fliesen gelingt das gut. Auf rauen, strukturierten oder unglasierten Oberflächen sitzt Silikon in jeder Vertiefung – hier hilft zusätzlich eine harte Bürste oder ein feines Schleifvlies.
Der Test vor dem Weitermachen: Fahren Sie mit dem Fingernagel über die Fläche. Spüren Sie noch gummiartige Stellen, sind Sie nicht fertig.
Schritt 3: Entfetten und trocknen
Wischen Sie die Fuge mit Spiritus oder Aceton aus und lassen Sie alles vollständig trocknen.
Silikon härtet mit Luftfeuchtigkeit aus, haftet aber nicht auf nassem Untergrund. Nach dem Reinigen mit Wasser sollten Sie mehrere Stunden warten, im Zweifel über Nacht. In der Dusche heißt das: an diesem Tag nicht mehr duschen.
Das ist der zweithäufigste Grund für Fugen, die sich nach wenigen Monaten an den Rändern lösen.
Der Untergrund entscheidet mit
Fliesen, glasiert: unproblematisch, Aceton und Klinge sind unkritisch.
Acryl- und Sanitäracrylwannen: empfindlich gegen Kratzer und gegen Aceton. Nur Kunststoffwerkzeug, zum Entfetten Spiritus.
Naturstein: Silikonentferner kann Flecken hinterlassen. Vorher an verdeckter Stelle testen, und auf saugendem Stein mit besonderer Vorsicht arbeiten.
Edelstahl: Aceton unkritisch, aber kein Metallwerkzeug und keine Stahlwolle – sie hinterlässt Eisenpartikel, die später als Flugrost sichtbar werden.
Lackierte Flächen und Kunststofffenster: Aceton greift an. Nur mechanisch arbeiten.
Schritt 4: Neu verfugen
- Abkleben mit Kreppband auf beiden Seiten, etwa 2 mm neben der Fugenkante
- Kartuschenspitze schräg anschneiden, passend zur Fugenbreite
- Gleichmäßig einspritzen, in einem Zug, ohne abzusetzen
- Abziehen mit dem Fugenglätter oder einem in Spülmittelwasser getauchten Finger
- Kreppband sofort abziehen, solange das Silikon frisch ist
- 24 Stunden aushärten lassen
Verwenden Sie im Bad Sanitärsilikon mit Fungizid, in der Küche ebenfalls. Für Naturstein gibt es spezielles Silikon – normales kann Randverfärbungen verursachen.
Häufige Fehler
- Alte Reste stehen gelassen. Die neue Fuge löst sich nach Monaten.
- Zu früh geduscht. Silikon braucht die volle Aushärtezeit.
- Feuchter Untergrund. Keine Haftung.
- Zu viel Material. Eine dicke Fuge sieht unsauber aus und reißt eher.
- Kreppband zu spät abgezogen. Die Kante reißt aus.
- Acrylfugenmasse statt Silikon im Nassbereich. Acryl ist überstreichbar und für trockene Anschlussfugen gedacht, nicht für Dusche und Wanne.
Ein Hinweis zur Badewanne
Füllen Sie die Wanne vor dem Verfugen mit Wasser und lassen Sie es erst nach dem Aushärten ab. Die belastete Wanne senkt sich um einige Millimeter – wird in unbelastetem Zustand verfugt, reißt die Fuge beim ersten Bad.
Wie lange eine Fuge hält
Eine fachgerecht ausgeführte Sanitärsilikonfuge hält im Bad etwa fünf bis zehn Jahre. Danach wird das Material spröde, verliert die Elastizität und reißt an den Rändern.
Wechseln sollten Sie früher, wenn:
- die Fuge an einer Kante abgelöst ist
- sich Risse zeigen
- Schimmel im Material sitzt und sich nicht mehr entfernen lässt
- die Fuge sich weich und klebrig anfühlt
Warten Sie nicht ab. Hinter einer abgelösten Fuge läuft Wasser in die Konstruktion, und der Schaden zeigt sich erst, wenn die Wand dahinter durchfeuchtet ist.
Ein Materialtipp: Silikonkartuschen haben ein Haltbarkeitsdatum. Zu altes Material härtet langsam aus und wird nie richtig elastisch.



