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Heimwerker-Berater

Druckluft-Schlagschrauber

Werkzeugvon Christoph4 Min. · 10 Abschnitte
Druckluft-Schlagschrauber
Inhalt10 Abschnitte
  1. So arbeitet das Schlagwerk
  2. Die wichtigen Kennwerte
  3. Der passende Kompressor
  4. Nur Kraftnüsse verwenden
  5. Radwechsel mit dem Schlagschrauber
  6. Pflege: Öl und trockene Luft
  7. Druckluft oder Akku
  8. Sicherheit
  9. Typische Fehler
  10. Häufige Fragen

Ein Druckluft-Schlagschrauber löst festsitzende Muttern und Schrauben mit schnellen, harten Drehschlägen. Er ist das Standardwerkzeug in Kfz-Werkstätten, weil er klein, leicht und robust ist. Seine Kraft kommt vom Kompressor, und genau dort scheitern viele Heimwerkerlösungen.

So arbeitet das Schlagwerk

Ein Druckluftmotor treibt einen rotierenden Hammer an. Bei Widerstand schlägt dieser Hammer in kurzen Abständen gegen einen Amboss an der Abtriebswelle. Jeder Schlag gibt einen kräftigen Drehimpuls, der auch festgerostete Muttern löst. Für den Anwender bleibt das Gegenmoment gering, weil die Schläge sehr kurz sind.

Verbreitete Schlagwerke sind das Doppelhammerwerk (Twin Hammer), das kräftig und ruhig arbeitet, und das Pin-Clutch-Schlagwerk, das robust und wartungsarm ist.

Die wichtigen Kennwerte

AntriebFür Pkw meist 1/2 Zoll, für Lkw und Landmaschinen 3/4 oder 1 Zoll.
LösemomentDas maximale Moment zum Lösen, bei 1/2-Zoll-Geräten oft mehrere hundert bis über 1000 Nm.
ArbeitsdruckStandard sind 6,3 bar am Gerät.
LuftverbrauchBei 1/2-Zoll-Geräten meist grob 100 bis 200 l/min, je nach Modell.
LufteinlassMeist 1/4-Zoll-Gewinde für den Schnellkupplungsstecker.

Der passende Kompressor

Die Angabe auf dem Kompressor ist meist die Ansaugleistung. Tatsächlich geliefert wird davon nur ein Teil, oft 50 bis 70 Prozent. Maßgeblich ist die Liefermenge bei 6 bis 8 bar, und die muss über dem Luftverbrauch des Schlagschraubers liegen.

Für einen 1/2-Zoll-Schlagschrauber hat sich ein Kolbenkompressor mit etwa 250 bis 400 l/min Ansaugleistung und mindestens 50 l Kessel bewährt. Kleine Kompressoren mit 24 l Kessel schaffen einzelne Muttern, geben aber beim Radwechsel an vier Rädern schnell auf. Mehr dazu im Beitrag Kolbenkompressor. Wer im Haus arbeitet, schätzt einen Flüsterkompressor.

Der Schlauch spielt ebenfalls eine Rolle. Ein zu dünner oder zu langer Schlauch drosselt den Luftstrom. Für Schlagschrauber sind 9 bis 10 mm Innendurchmesser sinnvoll, dazu Kupplungen mit ausreichendem Durchfluss.

Druckluft-Schlagschrauber
Ein Druckluft-Schlagschrauber für den Einsatz zuhause oder in der Werkstatt. | Foto: ZRyzner / Depositphotos.com

Nur Kraftnüsse verwenden

Normale verchromte Stecknüsse sind für Handwerkzeug gemacht. Unter den harten Schlägen können sie reißen oder platzen, und die Splitter fliegen. Für Schlagschrauber gibt es Kraftnüsse aus Chrom-Molybdän-Stahl, meist schwarz phosphatiert und dickwandiger. Sie sind Pflicht.

Dazu passen Kraftverlängerungen und Kardangelenke für Schlagschrauber. Normale Verlängerungen aus dem Ratschenkasten sind für diese Belastung nicht ausgelegt.

Radwechsel mit dem Schlagschrauber

  1. Muttern lösen, solange das Rad noch auf dem Boden steht. Der Schlagschrauber braucht das Gegenhalten nicht, aber das Rad sollte sich nicht mitdrehen.
  2. Fahrzeug anheben und sichern, Muttern ganz herausdrehen.
  3. Rad wechseln, Muttern von Hand ansetzen, damit das Gewinde nicht verkantet.
  4. Mit reduzierter Leistung vorziehen. Viele Geräte haben einen Leistungsregler für den Rechtslauf. Alternativ Drehmomentbegrenzer-Verlängerungen verwenden.
  5. Mit dem Drehmomentschlüssel auf Endmoment ziehen, über Kreuz. Der Schlagschrauber trifft das Anzugsmoment nicht. Überzogene Radbolzen dehnen sich, Bremsscheiben können sich verziehen.

Die Details zum Drehmoment beschreibt der Beitrag Drehmomentschlüssel, den gesamten Ablauf der Reifenwechsel zu Hause.

Pflege: Öl und trockene Luft

Druckluftwerkzeuge leben von Öl. Täglich vor der Arbeit einige Tropfen Druckluftöl in den Lufteinlass geben oder eine Wartungseinheit mit Öler verwenden. Ohne Öl verschleißen die Lamellen des Motors schnell.

Kondenswasser aus dem Kompressor ist der zweite Feind. Kessel regelmäßig entwässern und einen Wasserabscheider am Kompressor einbauen, sonst rostet das Innenleben des Schraubers.

Druckluft oder Akku

Akku-Schlagschrauber haben stark aufgeholt und erreichen heute ähnliche Lösemomente, ganz ohne Schlauch und Kompressor. Für den gelegentlichen Radwechsel sind sie die bequemere Lösung. Druckluftgeräte sind dafür leichter, günstiger, praktisch unverwüstlich und laufen ohne Ladepause, wenn ohnehin ein Kompressor in der Werkstatt steht.

Sicherheit

Druckluft-Schlagschrauber sind laut, oft deutlich über 90 dB(A). Gehörschutz gehört dazu. Eine Schutzbrille ebenfalls, denn Rost und Schmutz fliegen beim Lösen. Vor dem Wechseln der Nuss immer die Luft abkoppeln, damit das Gerät nicht versehentlich anläuft.

Typische Fehler

  • Kompressor zu klein. Das Gerät schlägt kurz kräftig, dann nur noch schwach, weil der Kessel leer ist. Pausen helfen, ersetzen aber keinen passenden Kompressor.
  • Kein Öl. Nach einigen Monaten ohne Schmierung lässt die Leistung spürbar nach, und die Lamellen des Motors verschleißen.
  • Radmuttern voll angeknallt. Das spart beim Radwechsel dreißig Sekunden und kostet beim nächsten Mal einen abgerissenen Bolzen.
  • Chromnüsse verwendet. Sie sehen passend aus, halten die Schläge aber nicht aus.
  • Falsche Drehrichtung. Linksgewinde gibt es an manchen Fahrzeugen und Maschinen. Vor dem Ansetzen die Drehrichtung prüfen, sonst zieht man die Mutter fest, statt sie zu lösen.

Häufige Fragen

Was kostet ein Druckluft-Schlagschrauber?

Einfache 1/2-Zoll-Geräte gibt es ab etwa 50 Euro, Markengeräte mit hohem Lösemoment bei 150 bis 400 Euro. Kraftnüsse und Kompressor kommen dazu.

Kann ich damit Möbel oder Holz verschrauben?

Nein. Die Schläge sind für Muttern und Bolzen gemacht. Für Holzschrauben ist ein Akkuschrauber das richtige Werkzeug.

Warum schafft mein Schlagschrauber die Mutter nicht?

Meist liegt es an zu wenig Luft: Kompressor zu klein, Schlauch zu dünn oder zu lang, Druck am Gerät zu gering. Erst dann an der Maschine zweifeln.

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