Inbusschlüssel, Imbusschlüssel oder Innensechskant-Schlüssel?

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Richtig ist beides – und doch nur eines. Inbus ist ein Markenname und steht für „Innensechskantschraube Bauer und Schaurte“, die korrekte Werkzeugbezeichnung lautet Innensechskantschlüssel. Imbus mit m ist eine verbreitete Verballhornung, die sich im Alltag trotzdem durchgesetzt hat. Wer im Fachhandel „Imbus“ sagt, bekommt dasselbe Werkzeug, nur mit einem leicht mitleidigen Blick.
Woher der Name kommt
Die Firma Bauer & Schaurte aus Neuss meldete die Innensechskantschraube in Deutschland 1936 zum Patent an und brachte sie unter dem Namen Inbus auf den Markt. Das Kunstwort setzt sich aus Innensechskantschraube, Bauer und Schaurte zusammen. Wie bei Tempo oder Tesa wurde der Markenname zum Gattungsbegriff. Die Marke existiert bis heute und wird von einer eigenen Gesellschaft verwaltet.
Das „m“ in Imbus hat keinen Ursprung, außer dass es sich leichter spricht: Vor einem B wird ein n in der Aussprache fast von selbst zum m.
Wer die Schraube wirklich erfunden hat
Die Idee ist älter als das deutsche Patent. Um 1900 waren Maschinen und Transmissionswellen in Fabriken mit Schrauben bestückt, deren Köpfe hervorstanden. Kleidung und Hände verfingen sich darin, schwere Unfälle waren häufig. Eine Schraube, deren Antrieb im Kopf versenkt ist, löste das Problem. In den USA ließ sich um 1910 William G. Allen eine solche Schraube patentieren, weshalb der Schlüssel im englischen Sprachraum bis heute Allen key heißt. Im Englischen sagt man auch hex key.

Die wichtigsten Schrauben mit Innensechskant
| Zylinderschraube | Hoher, zylindrischer Kopf. Früher DIN 912, heute ISO 4762. Der Klassiker im Maschinenbau. |
| Senkschraube | Kegelförmiger Kopf, verschwindet bündig in der Senkung. Früher DIN 7991, heute ISO 10642. |
| Linsenkopfschraube | Flacher, gewölbter Kopf, oft an Fahrrädern und Gehäusen. ISO 7380. |
| Gewindestift (Madenschraube) | Ganz ohne Kopf, klemmt Griffe, Knöpfe und Wellen. ISO 4026 bis 4029. |
| Möbelverbinder | Spezielle Schrauben für Spanplatte, meist mit 4- oder 5-mm-Innensechskant. |
Die Schlüssel selbst sind in ISO 2936 genormt, die ältere deutsche Norm heißt DIN 911.
Was der Innensechskant besser kann
Kleiner Kopf, große Kraft. Der Kopf einer Zylinderschraube ist kaum breiter als der Schaft. Das spart Platz und erlaubt, Schrauben in Bohrungen zu versenken, wo kein Maulschlüssel hinpasst.
Kein Hängenbleiben. Die glatte, runde Oberfläche hat keine Kanten, an denen sich etwas verfängt – genau der Grund, aus dem die Schraube erfunden wurde.
Werkzeug klein und billig. Deshalb setzen Fahrradhersteller fast überall auf Innensechskant: Ein Multitool mit drei Größen reicht für das halbe Fahrrad.
Sicherer Sitz. Anders als beim Schlitz oder Kreuzschlitz rutscht der Schlüssel bei passendem Sitz nicht heraus, er drückt sich nicht nach oben weg.
Wo er an Grenzen stößt
Hohe Drehmomente bei kleinen Größen. Die Kraft wirkt auf sechs schmale Flanken. Bei kleinen Größen und festen Schrauben dreht der Sechskant leicht rund, vor allem bei weichem Material oder abgenutztem Werkzeug.
Schmutz und Lack. Ein zugesetzter Innensechskant lässt den Schlüssel nicht mehr tief genug hinein. Draußen, an Gartenmöbeln und Fahrzeugen, ist das ein echtes Problem.
Nachfolger mit mehr Kraftübertragung. Torx und ähnliche Sternprofile übertragen mehr Drehmoment, weil ihre Flanken steiler stehen. Im Fahrzeugbau haben sie den Innensechskant vielerorts abgelöst. Welche Schraube wofür taugt, steht unter Schraubenarten.

Worauf es bei einem Satz ankommt
Ein guter Satz besteht aus gehärtetem Chrom-Vanadium- oder Chrom-Molybdän-Stahl, hat Kugelköpfe am langen Ende und sitzt in einem Halter, der die Größen deutlich kennzeichnet. Farbige Beschichtungen erleichtern die Zuordnung. Der Kugelkopf ist praktisch, um Schrauben schräg anzudrehen, aber nicht zum Festziehen gedacht. Hersteller wie Wera, Proxxon, Inbus oder KLRStec bieten solche Sätze an; einfache Beigaben aus dem Möbelkarton sind aus weichem Stahl und für mehr als einen Aufbau selten zu gebrauchen. Eine ausführliche Einordnung von Bauformen und Größen steht im Beitrag Inbusschlüssel.
Richtig anwenden
- Größe genau wählen. Der Schlüssel muss saugend sitzen, ohne Spiel.
- Bis zum Grund einstecken, sonst tragen nur die Kanten.
- Rechts herum fest, links herum lose, wie bei jeder normalen Schraube.
- Kurzer Schenkel für Kraft, langer Schenkel für Tempo. Zum Lösen fester Schrauben immer das kurze, gerade Ende benutzen.
- Keine Verlängerung aufstecken. Ein Rohr auf dem Schlüssel erzeugt ein Drehmoment, das kleine Schrauben abreißt. Für definierte Kräfte gehört ein Einsatz auf den Drehmomentschlüssel.
Metrisch oder Zoll
In Europa sind metrische Schlüsselweiten Standard, von 1,5 bis 10 mm im Heimwerkerbereich. Zollgrößen kommen an amerikanischen Maschinen, älteren Fahrrädern und manchen Musikinstrumenten vor. Beide Systeme liegen in einigen Größen so dicht beieinander, dass der falsche Schlüssel scheinbar passt. Er sitzt dann locker und beschädigt die Schraube. Wer mit Importgeräten arbeitet, braucht beide Sätze.
Häufige Fragen
Ist „Inbusschlüssel“ falsch?
Nein, es ist im Deutschen allgemein üblich und wird überall verstanden. Genau genommen ist es ein Markenname, die neutrale Bezeichnung lautet Innensechskantschlüssel oder Sechskant-Stiftschlüssel.
Warum heißt er in England Allen key?
Nach William G. Allen, dessen Firma die Schraube in den USA früh patentieren ließ und verbreitete.
Kann ich mit einem Torx-Schlüssel eine Inbusschraube drehen?
Im Notfall greift ein etwas größerer Torx-Bit in einen rundgedrehten Innensechskant. Als Dauerlösung taugt das nicht; die Profile sind verschieden.



