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Heimwerker-Berater

Schraubenarten - Welche Schrauben für was?

Werkzeugvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Schraubenarten - Welche Schrauben für was?
Inhalt9 Abschnitte
  1. Die drei großen Gruppen
  2. Teilgewinde oder Vollgewinde
  3. Die Kopfformen
  4. Die Antriebe
  5. Gewindearten, die man kennen sollte
  6. Festigkeitsklassen bei Stahlschrauben
  7. Material und Korrosionsschutz
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Ob eine Verbindung hält, entscheidet in erster Linie die richtige Schraube, nicht die Kraft am Schrauber. Die wichtigsten Fragen sind immer dieselben: In welches Material geht sie, welche Last trägt sie, wo liegt sie – drinnen, draußen oder im Salzwasser. Wer diese drei Fragen beantwortet, hat die Schraube zu 90 Prozent schon gefunden.

Die drei großen Gruppen

Holzschrauben haben ein grobes, spitz auslaufendes Gewinde, das sich in das Holz einschneidet und die Fasern verdrängt. Heute sind sie meist als Spanplattenschrauben ausgeführt, mit durchgehendem Gewinde und gehärtet. Details bei den Spanplattenschrauben.

Metallschrauben haben ein metrisches Gewinde und ein stumpfes Ende. Sie brauchen ein Gegenstück: eine Mutter oder ein vorgeschnittenes Innengewinde.

Betonschrauben schneiden sich selbst ein Gewinde in ein vorgebohrtes Loch in Beton oder Mauerwerk und kommen ohne Dübel aus. Für schwere Befestigungen siehe Schwerlastdübel.

Dazu kommen Sonderformen: Blechschrauben mit feinem, gehärtetem Gewinde für dünne Bleche, Bohrschrauben mit eigener Bohrspitze und Gipskartonschrauben mit Trompetenkopf, die sich nicht durch den Karton ziehen, siehe Rigipsschrauben.

Holzschraube
Holzschraube | Foto: AOosthuizen / Depositphotos.com

Teilgewinde oder Vollgewinde

Eine Schraube mit Teilgewinde zieht zwei Holzteile zusammen, weil der glatte Schaft im oberen Brett frei dreht und nur das Gewinde im unteren greift. Eine Schraube mit Vollgewinde hält dagegen den Abstand, den die Teile beim Eindrehen haben. Für Verbindungen, die fest aufeinanderliegen sollen, ist deshalb Teilgewinde die richtige Wahl.

Als Faustregel für die Länge gilt bei Holz: etwa zweieinhalbmal so lang wie das anzuschraubende Teil dick ist. Ein 20 mm starkes Brett braucht also eine Schraube von rund 50 mm.

Die Kopfformen

  • Senkkopf: verschwindet bündig im Material. Standard bei Holz und Beschlägen.
  • Linsensenkkopf: wie Senkkopf, aber leicht gewölbt. Sieht bei sichtbaren Schrauben gefälliger aus.
  • Halbrund- oder Linsenkopf: liegt auf, für dünne Bleche und Anbauteile.
  • Zylinderkopf: hoher, runder Kopf, meist mit Innensechskant, im Maschinenbau üblich.
  • Sechskantkopf: für hohe Anzugsmomente mit dem Schlüssel.
  • Tellerkopf: große Auflagefläche, für Holzbau und Dämmplatten.

Die Antriebe

SchlitzHistorisch, rutscht leicht ab, heute kaum noch sinnvoll.
Kreuzschlitz PHPhillips, weit verbreitet, rutscht bei hohem Drehmoment heraus.
Kreuzschlitz PZPozidriv, mit zusätzlichen Kerben, hält besser. Nicht mit PH-Bits verwechseln.
Torx (TX)Sternförmig, überträgt hohe Kräfte ohne Abrutschen. Heute Standard bei Holzschrauben.
InnensechskantFür Maschinenschrauben und Möbelbeschläge.

Der häufigste Grund für ausgenudelte Köpfe ist ein falsches Bit, nicht eine schlechte Schraube. PZ-Schrauben mit PH-Bit einzudrehen funktioniert irgendwie, ruiniert aber den Kopf.

Gewindearten, die man kennen sollte

  • Metrisches ISO-Gewinde (M): Das Standardgewinde. M6, M8, M10 bezeichnen den Außendurchmesser in Millimetern.
  • Metrisches Feingewinde: kleinere Steigung, zum Beispiel M10 × 1. Hält besser gegen Lockern, üblich an Fahrzeugen.
  • Rohrgewinde (Whitworth): in Zoll angegeben, an Wasserrohren und Armaturen. Mehr dazu bei der Schneidkluppe.
  • Trapezgewinde: für Bewegung statt Befestigung, etwa an Schraubstöcken und Spindeln.
  • Linksgewinde: dreht andersherum. Findet sich an Gasflaschen, am linken Fahrradpedal und an manchen Sägeblattbefestigungen.

Festigkeitsklassen bei Stahlschrauben

Auf dem Kopf einer Stahlschraube stehen zwei Zahlen, etwa 8.8. Die erste Zahl mal 100 ergibt die Zugfestigkeit in N/mm², die zweite mal 10 den Anteil, bis zu dem die Schraube elastisch bleibt. Eine 8.8-Schraube hat also 800 N/mm² Zugfestigkeit und verformt sich erst ab etwa 80 Prozent davon bleibend.

Üblich sind 4.6 und 5.6 für einfache Anwendungen, 8.8 als Standard im Maschinen- und Stahlbau, 10.9 und 12.9 für hochbelastete Verbindungen. Wo eine bestimmte Klasse vorgeschrieben ist, etwa am Auto, darf keine schwächere hinein.

Material und Korrosionsschutz

  • Verzinkt (galvanisch): Für innen und trockene Bereiche. Die Zinkschicht ist dünn und hält draußen nicht lange.
  • Feuerverzinkt: dicke Zinkschicht, für den Außenbereich und den Holzbau im Freien.
  • Edelstahl A2: rostfrei, für außen, Terrassen und Fassaden.
  • Edelstahl A4: zusätzlich säure- und chloridbeständig. Für Pool, Küste, Streusalzbereiche.

Bei gerbsäurehaltigen Hölzern wie Eiche, Robinie oder vielen Tropenhölzern nur Edelstahl verwenden. Verzinkte Schrauben reagieren mit der Gerbsäure und hinterlassen schwarze Flecken um den Schraubenkopf.

Typische Fehler

  • Nicht vorgebohrt. Hartholz und Randabstände unter etwa 2 cm reißen ohne Vorbohrung. Vorbohren mit etwa 70 Prozent des Schraubendurchmessers.
  • Edelstahl und Aluminium gemischt ohne Trennung. Im Feuchten entsteht Kontaktkorrosion.
  • Spanplattenschraube für tragende Verbindungen. Für Balken und Dachkonstruktionen braucht es zugelassene Holzbauschrauben.
  • Zu kurze Schrauben in Dübeln. Die Schraube muss den Dübel ganz durchdringen, sonst spreizt er nicht.

Häufige Fragen

Welche Schrauben sollte man zu Hause haben?

Ein Sortiment Spanplattenschrauben 3–5 mm in Längen von 16 bis 60 mm mit Torx-Antrieb, dazu einige Dübel. Das deckt die meisten Arbeiten ab. Ordnung hält ein Schraubenregal.

Was bedeutet A2-70?

Edelstahl A2 mit einer Zugfestigkeit von 700 N/mm². Das ist die übliche Ausführung bei rostfreien Schrauben.

Warum dreht die Schraube durch?

Das Loch ist zu groß, das Material ausgerissen oder der Dübel zu klein. Dickere Schraube oder größeren Dübel nehmen, bei Holz das Loch mit Leim und Holzstäbchen füllen.

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