Wechselschaltung anschließen und Funktionsweise

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Eine Wechselschaltung ist elektrisch erstaunlich einfach: zwei Umschalter, zwei Verbindungsdrähte dazwischen, fertig. Trotzdem ist sie die Schaltung, bei der im Haus am häufigsten etwas falsch angeklemmt wird. Hier steht, wie sie funktioniert, welche Leitung wohin gehört und wie eine Elektrofachkraft beim Anschluss vorgeht. Selbst anklemmen sollten Sie sie nicht – Arbeiten am 230-V-Netz sind in Deutschland Sache einer Elektrofachkraft.
Das Prinzip in einem Satz
Beide Schalter sind Umschalter, die ihren Eingang wahlweise auf eine von zwei Leitungen legen. Das Licht brennt, wenn beide Schalter auf dieselbe Leitung zeigen, und es ist aus, wenn sie auf verschiedene Leitungen zeigen. Jeder Schalter kann diesen Zustand allein umkehren. Das ist das ganze Geheimnis.
Die drei Klemmen am Wechselschalter
| Gemeinsame Klemme (L oder P) | Beim ersten Schalter kommt hier der Außenleiter aus der Sicherung an, beim zweiten geht hier der Schaltdraht zur Lampe ab. Oft farblich oder mit einem Pfeil markiert. |
| Klemme 1 | Erster korrespondierender Leiter zum anderen Schalter. |
| Klemme 2 | Zweiter korrespondierender Leiter zum anderen Schalter. |
Die beiden korrespondierenden Leiter verbinden die Schalter miteinander. Welcher an Klemme 1 und welcher an Klemme 2 sitzt, ist gleichgültig; die Schaltung funktioniert in beiden Fällen. Entscheidend ist allein, dass Außenleiter und Lampendraht jeweils an der gemeinsamen Klemme liegen.
Der Stromweg
Folgen Sie dem Strom: Aus der Sicherung kommt der Außenleiter (meist braun oder schwarz) zur gemeinsamen Klemme des ersten Schalters. Der Schalter legt ihn auf einen der beiden korrespondierenden Leiter. Diese laufen zum zweiten Schalter. Liegt dessen Wippe auf derselben Leitung, fließt der Strom über seine gemeinsame Klemme weiter zur Lampe und von dort über den Neutralleiter (blau) zurück. Der Schutzleiter (grün-gelb) geht direkt an die Lampe und wird am Schalter nicht geschaltet.
Geschaltet wird immer der Außenleiter, nie der Neutralleiter. Sonst steht die Lampe bei ausgeschaltetem Licht unter Spannung, und wer die Birne wechselt, fasst an 230 V.
Welches Kabel wohin
In einer typischen Installation mit Mantelleitung (NYM) laufen die Kabel über eine Abzweigdose oder direkt von Schalterdose zu Schalterdose. Zwischen den beiden Schaltern werden mindestens die zwei korrespondierenden Leiter gebraucht, dazu meist der Schutzleiter. Führt man die gesamte Versorgung durch die Schalterdosen, kommt oft ein fünfadriges Kabel zum Einsatz, damit Neutralleiter und Schutzleiter mitlaufen.
Adern ohne feste Farbzuordnung, etwa die korrespondierenden Leiter in Schwarz und Grau, sollte die Fachkraft beim Anschluss beschriften. Das erspart dem nächsten Elektriker eine halbe Stunde Suchen.
Wie die Fachkraft vorgeht
- Freischalten. Sicherung ausschalten und gegen Wiedereinschalten sichern, etwa mit einem Hinweisschild.
- Spannungsfreiheit feststellen, zweipolig mit einem geeigneten Prüfgerät. Ein einpoliger Phasenprüfer reicht dafür nicht; mehr dazu bei Stromprüfer und Messgeräte.
- Adern identifizieren. Außenleiter, Lampendraht und die beiden korrespondierenden Leiter zuordnen und markieren.
- Anklemmen. Außenleiter an die gemeinsame Klemme des ersten Schalters, Lampendraht an die gemeinsame Klemme des zweiten, die korrespondierenden Leiter an die übrigen Klemmen.
- Prüfen. Nach dem Einschalten alle vier Schalterkombinationen durchgehen und messen, dass die Lampenfassung im ausgeschalteten Zustand spannungsfrei ist.
Typische Anschlussfehler
- Licht geht nur bei bestimmten Schalterstellungen. Ein korrespondierender Leiter wurde an die gemeinsame Klemme gelegt. Die Schaltung verhält sich dann wie zwei in Reihe geschaltete Ausschalter.
- Sicherung fliegt beim Umschalten. Außenleiter und Neutralleiter sind über die Schalter kurzgeschlossen worden – ein gefährlicher Fehler.
- Lampe glimmt im ausgeschalteten Zustand. Bei LED-Lampen häufig durch kapazitive Kopplung langer, parallel verlegter Leitungen oder durch beleuchtete Schalter. Harmlos, aber lästig; die Fachkraft kann ein Grundlastelement einsetzen.
- Neutralleiter geschaltet. Funktioniert scheinbar, ist aber lebensgefährlich beim Lampenwechsel.
Aus Wechsel wird Kreuz
Soll eine dritte Schaltstelle dazukommen, wird zwischen die beiden Wechselschalter ein Kreuzschalter gesetzt. Er hat vier Klemmen und vertauscht bei jeder Betätigung die beiden korrespondierenden Leiter. Damit lassen sich beliebig viele Schaltstellen einfügen: zwei Wechselschalter an den Enden, dazwischen so viele Kreuzschalter wie nötig. Mehr dazu unter Kreuzschaltung.
Die Alternativen mit Tastern
Bei vielen Schaltstellen wird es mit Kreuzschaltern schnell unübersichtlich, weil jede Stelle vier Adern braucht. Die Stromstoßschaltung löst das eleganter: An jeder Stelle sitzt ein Taster, alle Taster sind parallel geschaltet und steuern ein Relais, das bei jedem Impuls umschaltet. Im Treppenhaus von Mehrfamilienhäusern ist die Treppenlichtschaltung üblich, bei der ein Zeitrelais das Licht nach einigen Minuten selbst ausschaltet.
Nachrüsten per Funk
Wo keine zweite Leitung liegt, kann ein Funkempfänger die Wechselfunktion übernehmen. Der vorhandene Schalter wird durch einen Empfänger mit Taster ersetzt, der zweite Schalter ist ein Funksender an beliebiger Stelle. Für den Einbau des Empfängers gilt dasselbe wie für jeden Schalter: Er gehört in Fachhand. Einen Überblick über Schalterarten und Kaufkriterien gibt der Beitrag Wechselschaltung.
Häufige Fragen
Kann man eine Wechselschaltung mit Ausschaltern bauen?
Nein. Ein Ausschalter hat nur zwei Klemmen und kann nicht umschalten. Es braucht Wechselschalter mit drei Klemmen.
Warum funktioniert die Schaltung, egal wie die korrespondierenden Leiter angeschlossen sind?
Weil es nur darauf ankommt, ob beide Schalter auf dieselbe Leitung zeigen. Vertauscht man die Leiter, ändert sich nur die Wippenstellung, bei der das Licht brennt.
Darf ich als Laie einen Schalter tauschen?
Nach den geltenden Regeln nicht. Die feste Installation darf nur eine Elektrofachkraft verändern – auch ein Wechselschalter gehört dazu.



