Wintergartenbeschattung

Inhalt10 Abschnitte
Ein Wintergarten sammelt Sonnenwärme – im März ein Geschenk, im Juli ein Problem. Ohne Beschattung steigen die Temperaturen unter dem Glasdach an sonnigen Tagen weit über 30 °C, Pflanzen verbrennen, Möbelstoffe bleichen aus. Die wichtigste Entscheidung ist nicht der Stoff, sondern die Seite: außen oder innen.
Außen schlägt innen
Sonnenlicht, das durch das Glas gekommen ist, wird im Raum zu Wärme. Eine innen liegende Beschattung hält zwar das grelle Licht ab, aber die Wärme ist dann schon drin. Sie staut sich zwischen Stoff und Glas und gibt sie nach und nach an den Raum ab.
Außen liegender Sonnenschutz fängt die Strahlung ab, bevor sie das Glas erreicht. Er ist deshalb um ein Vielfaches wirksamer gegen Überhitzung. Innen liegende Systeme sind vor allem Blend- und Sichtschutz – sinnvoll, aber allein kein Hitzeschutz.
Die beste Lösung ist oft die Kombination: außen eine Markise auf dem Dach gegen die Hitze, innen Plissees oder Rollos an den Seiten gegen Blendung und Blicke.
Die Systeme im Überblick
| System | Lage | Stärke | Schwäche |
| Wintergartenmarkise (Aufdach) | außen auf dem Dach | bester Hitzeschutz | teuer, wind- und wetterabhängig |
| Senkrechtmarkise | außen vor den Seiten | schützt vor tief stehender Sonne | nur für senkrechte Flächen |
| Unterdachmarkise | innen unter dem Dach | wetterunabhängig, geschützt | Wärme bleibt im Raum |
| Plissee, Rollo | innen am Glas | günstig, flexibel, für Schrägen | kaum Hitzeschutz |
| Sonnenschutzglas, Folie | im oder auf dem Glas | dauerhaft, wartungsfrei | dunkelt auch im Winter ab |
Die Wintergartenmarkise
Die Aufdachmarkise läuft in seitlichen Führungsschienen über das Glasdach. Durch den Abstand zwischen Tuch und Glas kann die aufgestaute Wärme nach oben abziehen. Eine gute Anlage fährt motorisch, gesteuert von einem Sonnen- und Windsensor: Bei Sonne fährt sie aus, bei starkem Wind automatisch ein, bevor das Tuch Schaden nimmt.
Achten Sie auf eine Kassette oder zumindest eine Abdeckhaube, die das eingefahrene Tuch vor Regen und Schmutz schützt. Tücher, die feucht aufgewickelt liegen bleiben, stocken.
Einen Überblick über Markisenformen gibt es unter Markisen für Garten, Balkon und Terrasse; für die Seitenwände eignet sich eine Vertikalmarkise.

Innen: Plissee, Rollo, Unterdachmarkise
Innen liegende Beschattung ist wetterunabhängig, preiswerter und leichter selbst zu montieren. Plissees passen auch in dreieckige und schräge Glasflächen und lassen sich von oben und unten verschieben. Rollos sind die einfache Lösung für senkrechte Scheiben, siehe Stoffrollos.
Eine Unterdachmarkise spannt ein Tuch flächig unter das Glasdach. Wählen Sie für innen Stoffe mit hell beschichteter, reflektierender Außenseite. Sie werfen einen Teil der Strahlung durch das Glas zurück und heizen sich weniger auf als dunkle Stoffe.
Welcher Stoff taugt
Acryltuch ist der Klassiker für Markisen: lichtecht, wasserabweisend imprägniert, in vielen Farben. Polyester ist reißfester und formstabiler. Screen-Gewebe aus beschichteten Glasfasern oder Polyester lässt den Blick nach draußen frei und hält trotzdem einen großen Teil der Strahlung ab.
Die Farbe entscheidet mit: Helle Stoffe reflektieren mehr Wärme, dunkle bieten mehr Blendschutz und Durchsicht. Hersteller geben den Gesamtenergiedurchlassgrad in Kombination mit der Verglasung an – je kleiner der Wert, desto weniger Wärme kommt herein.
Ohne Lüftung geht es nicht
Selbst die beste Beschattung hält die Wärme nicht vollständig draußen. Ein Wintergarten braucht deshalb Luftaustausch von unten nach oben: Zuluftöffnungen im unteren Bereich, Dachfenster oder Lüftungsklappen oben. Die warme Luft steigt auf und zieht ab, kühle Luft strömt nach.
Automatische Dachfensteröffner mit Temperaturfühler und Regensensor erledigen das zuverlässig, auch wenn niemand zu Hause ist. Ein Ventilator unter dem Dach hilft zusätzlich, wenn es windstill ist.
Die richtige Größe
Die Beschattung muss die gesamte Glasfläche abdecken, auf die die Sonne fällt, sonst entstehen Hitzeinseln. Messen Sie Dachfläche und Seiten einzeln und prüfen Sie, zu welchen Tageszeiten welche Fläche besonnt ist. Eine Südseite braucht vor allem Dachbeschattung, West- und Ostseiten zusätzlich Schutz vor tief stehender Sonne am Nachmittag und Morgen.
Bei Aufdachmarkisen geben Hersteller maximale Breiten und Ausfallängen je Tuchbahn vor. Sehr große Dächer werden mit mehreren gekoppelten Anlagen beschattet.
Was es kostet
| Plissee, Rollo innen | ab etwa 30 Euro je Fenster, Maßanfertigung deutlich mehr |
| Sonnensegel, einfach | ab etwa 50 Euro, aber keine dauerhafte Lösung auf Glas |
| Senkrechtmarkise | einige hundert Euro je Element |
| Aufdachmarkise mit Motor und Sensor | meist mehrere tausend Euro, abhängig von Fläche und Montage |
Wer den Wintergarten noch plant, sollte die Beschattung von Anfang an einrechnen – nachträglich kostet die Montage oft mehr. Mehr dazu bei der Wintergarten-Planung.
Typische Fehler
- Nur innen beschattet. Die Blendung ist weg, die Hitze bleibt.
- Markise ohne Windwächter. Ein Sommergewitter reicht, um Tuch und Gestänge zu zerstören.
- Keine Lüftung. Beschattung ohne Luftaustausch macht aus dem Wintergarten einen Brutkasten.
- Dunkler Stoff innen. Er heizt sich auf und strahlt Wärme in den Raum.
- Sonnenschutzglas im Nachhinein bereut. Es dunkelt auch im Winter ab, wenn Sie die Sonne eigentlich haben wollen.
Häufige Fragen
Welcher Stoff für die Wintergartenbeschattung?
Für außen Acryl oder Polyester in hellen Tönen, für die Durchsicht Screen-Gewebe. Innen reflektierend beschichtete Stoffe.
Reicht ein Sonnensegel?
Als Übergangslösung ja, dauerhaft kaum. Befestigung und Spannung auf einem Glasdach sind heikel. Wie man es richtig spannt, steht unter Sonnensegel richtig befestigen.
Was ist mit Pflanzen im Wintergarten?
Die meisten Kübelpflanzen vertragen im Sommer keine volle Sonne hinter Glas. Beschattung und Lüftung schützen sie ebenso wie die Menschen.



