Ein Kinderzimmer gestalten und einrichten

Inhalt8 Abschnitte
Ein Kinderzimmer ist Schlafzimmer, Spielplatz und später Arbeitszimmer in einem – und es muss alle paar Jahre etwas anderes können. Wer das von Anfang an mitdenkt, spart sich zwei komplette Neueinrichtungen.
Der Boden
Gefragt ist ein Belag, der warm ist, Stürze dämpft und sich reinigen lässt. Drei Materialien erfüllen das:
Kork ist fußwarm, elastisch und dämmt Trittschall. Er ist druckempfindlich, was bei Möbelfüßen sichtbar wird.
Linoleum besteht aus Leinöl, Holzmehl und Jute, ist robust und antistatisch. Es hat eine lange Lebensdauer und ist reparabel.
Vinyl (LVT) ist strapazierfähig und wasserunempfindlich. Achten Sie hier besonders auf die Emissionsprüfung – Qualität und Schadstoffgehalt unterscheiden sich stark.
Bei allen dreien lohnt der Blick auf ein Prüfzeichen wie den Blauen Engel. Kinder halten sich direkt auf dem Boden auf und atmen dort, wo schwere Ausgasungen sich sammeln.
Ein Teppich gehört auf die Spielfläche, nicht unter das ganze Zimmer – dann lässt er sich waschen oder austauschen.

Wandfarbe
Nehmen Sie eine Innenfarbe mit dem Zusatz emissionsarm und lösemittelfrei. Für Kinderzimmer sinnvoll ist außerdem eine gute Nassabriebklasse 1 oder 2 nach DIN EN 13300: Sie können Fingerabdrücke und Buntstift abwischen, ohne dass die Farbe mitgeht.
Bei der Farbwahl ist weniger mehr. Eine kräftige Wand und drei helle wirken ruhiger als ein rundum bunter Raum – und die eine Wand lässt sich in fünf Jahren mit einem Nachmittag Arbeit ändern.

Licht in drei Ebenen
Kinderzimmer brauchen mehr Licht, als meist eingeplant wird – und zwar unterschiedliches:
| Ebene | Zielwert | Lichtfarbe |
| Grundlicht, Zimmer bis 10 m² | 1.100–2.000 Lumen | 2.700–3.200 K |
| Grundlicht, größeres Zimmer | bis 3.300 Lumen | 2.700–3.200 K |
| Schreibtisch | 500–800 Lumen gerichtet | 4.000 K |
| Nachtlicht | unter 50 Lumen | warm, gedimmt |
Warmweißes Licht zwischen 2.700 und 3.200 Kelvin gilt im Wohnbereich als angenehm. Am Schreibtisch darf es neutraler sein, weil das wacher macht und Farben richtig zeigt.
Die Schreibtischleuchte sollte von der Gegenseite der Schreibhand kommen – bei Rechtshändern also von links –, sonst schreibt das Kind im eigenen Schatten.
Möbel, die mitwachsen
Kinder wachsen schnell und Interessen ändern sich noch schneller. Drei Stücke lohnen die Investition in eine mitwachsende Variante:
- Der Schreibtisch mit verstellbarer Höhe und Neigung, ergänzt um einen höhenverstellbaren Stuhl
- Das Bett, entweder als verlängerbares Modell oder gleich in 90 × 200 cm, das bis ins Erwachsenenalter passt
- Das Regalsystem, das sich umbauen lässt
Alles andere darf günstig sein. Gebrauchte Möbel sind hier besonders sinnvoll: Die Ersparnis liegt leicht bei über 70 Prozent gegenüber Neuware, und ein Kratzer mehr fällt in diesem Zimmer nicht auf. Prüfen Sie bei Gebrauchtem die Stabilität, die Beschläge und ob alle Kippsicherungen dabei sind.
Sicherheit: die fünf wichtigsten Punkte
Kippsicherung. Jedes Möbel über etwa 60 cm Höhe gehört an die Wand geschraubt. Kommoden und Regale kippen, wenn ein Kind die unterste Schublade als Leiter benutzt – das ist die häufigste schwere Möbelverletzung bei Kleinkindern überhaupt. Die mitgelieferten Winkel reichen nur in massiver Wand; in Gipskarton brauchen Sie Hohlraumdübel oder eine Schraube im Ständer.
Steckdosenschutz. Einsätze mit Drehverschluss oder gleich Steckdosen mit integriertem Kinderschutz.
Fenstersicherung. Abschließbare Griffe oder Sperren, sobald das Kind klettern kann. Möbel gehören nicht unter ein Fenster.
Schnüre. Gardinen- und Rollo-Schnüre sind eine Strangulationsgefahr. Sie gehören aufgewickelt und außer Reichweite, am besten mit einer Zugsicherung, die bei Belastung nachgibt.
Hochbetten erst ab etwa sechs Jahren, mit umlaufender Absturzsicherung von mindestens 16 cm über der Matratze und fest verschraubter Leiter.
Zum Schluss: Stauraum in Bodennähe
Was ein Kind selbst wegräumen soll, muss es erreichen können. Offene Kisten und flache Körbe auf dem Boden funktionieren deutlich besser als ein hoher Schrank mit Türen – und sie machen aus dem Aufräumen eine Aufgabe, die das Kind auch allein schafft.
Der Arbeitsplatz ab der Einschulung
Spätestens mit der Grundschule braucht das Zimmer eine Arbeitsfläche. Sie muss nicht groß sein, aber sie muss richtig eingestellt sein – und das ändert sich jedes Jahr.
Die Faustregel für die Tischhöhe: Bei aufrecht sitzendem Kind mit aufliegenden Unterarmen bilden Ober- und Unterarm einen rechten Winkel. Die Füße stehen dabei flach auf dem Boden oder auf einer Fußstütze, Ober- und Unterschenkel ebenfalls im rechten Winkel. Beides zusammen geht bei Kindern nur mit verstellbarem Tisch und verstellbarem Stuhl.
Prüfen Sie die Einstellung zweimal im Jahr. Kinder wachsen zwischen sechs und zwölf Jahren um etwa 5 bis 7 cm jährlich; ein einmal eingestellter Tisch ist nach einem Jahr falsch.
Der Platz für den Tisch: seitlich zum Fenster, nicht davor und nicht mit dem Rücken dazu. Direkt vor dem Fenster blendet das Gegenlicht, mit dem Rücken dazu spiegelt es auf dem Bildschirm.
Ordnung, die funktioniert
Ein Kinderzimmer wird nie dauerhaft aufgeräumt sein, aber es kann leicht aufzuräumen sein. Der Unterschied liegt in der Zugänglichkeit:
- Offene Kisten statt Deckel. Jeder Deckel ist eine Hürde, die zur Folge hat, dass das Spielzeug daneben liegt.
- Wenige große Kategorien statt vieler kleiner. Ein Kind sortiert „Bausteine“ und „Autos“, nicht „Bausteine rot“ und „Bausteine blau“.
- Bilder statt Beschriftung, solange nicht gelesen wird.
- Ein Teil weg. Wer etwa ein Drittel des Spielzeugs für ein paar Monate in den Keller stellt und dann tauscht, hat ein aufgeräumteres Zimmer und ein Kind, das mehr mit dem Vorhandenen spielt.
Bücher gehören in ein Regal mit sichtbarem Cover, nicht mit Buchrücken nach vorn – bei kleinen Kindern entscheidet das darüber, ob sie überhaupt danach greifen.



