Einen Lampenschirm selber machen

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Ein Lampenschirm ist das Bauteil, das am meisten über eine Leuchte aussagt – und das sich am leichtesten selbst herstellen lässt. Das Gestell einer alten Lampe ist dabei oft der beste Ausgangspunkt: Es ist maßhaltig, passt zur Fassung und kostet nichts.
Zuerst: nur mit LED arbeiten
Fast alle schönen Materialien für Lampenschirme sind brennbar – Stoff, Papier, Bambus, Rattan, Spitze, Makramee-Garn. Mit einer Glühlampe wären sie ein ernsthaftes Risiko: Der Kolben erreicht leicht 150 bis 250 Grad, Papier entzündet sich ab etwa 220 Grad.
Eine LED-Lampe bleibt am Kolben bei rund 60 bis 80 Grad. Damit sind diese Materialien vertretbar, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:
- Mindestens 5 cm Abstand zwischen Leuchtmittel und Material, bei Papier und feinem Stoff eher 8 cm
- Oben offen oder mit Lüftungsschlitzen, damit die Wärme der Sockelelektronik abziehen kann
Prüfen Sie nach einer Stunde Betrieb mit der Hand nach. Fühlt sich das Material mehr als handwarm an, ist der Abstand zu klein.
Die Proportionen
Ein selbstgemachter Schirm scheitert selten an der Technik und oft an den Maßen. Drei Regeln helfen:
| Maß | Richtwert |
| Schirmhöhe | ca. ein Drittel der Gesamthöhe der Lampe |
| Unterer Schirmdurchmesser | mindestens so breit wie der Lampenfuß, meist deutlich breiter |
| Überdeckung | Fassung und Leuchtmittel dürfen von der Seite nicht sichtbar sein |
Der letzte Punkt ist der wichtigste: Ein Schirm, der das Leuchtmittel nicht verdeckt, blendet aus jeder Sitzposition.
Denken Sie außerdem an die Lichtverteilung. Ein lichtdurchlässiges Material leuchtet selbst und gibt weiches Raumlicht. Ein blickdichtes Material wirft das Licht nur nach oben und unten – gut über dem Esstisch, schlecht als einzige Lichtquelle im Zimmer.
Das Gestell neu bespannen
Der klassische Weg. Ziehen Sie den alten Stoff ab und heben Sie ihn auf – er ist die perfekte Schnittschablone.
- Alten Bezug an einer Naht auftrennen und flach auslegen
- Neuen Stoff danach zuschneiden, umlaufend 3 cm Nahtzugabe dazugeben
- Die beiden geraden Kanten je einen Zentimeter umschlagen und absteppen, an einer Stelle eine kleine Öffnung lassen
- Stoff um das Gestell legen, oben und unten mit Textilkleber oder kleinen Klammern fixieren
- Zugabe nach innen umschlagen und verkleben
Bei einem konischen Gestell ist der Zuschnitt kein Rechteck, sondern ein Kreisringabschnitt – deshalb lohnt es sich so sehr, den alten Bezug als Schablone zu behalten.
Für den ersten Versuch eignet sich fest gewebter Baumwollstoff besser als glatte Kunstfaser: Er lässt sich besser spannen und rutscht beim Kleben nicht weg.
Die Alternative: Stoff über den Schirm ziehen
Statt zu bespannen können Sie einen fertigen, einfarbigen Schirm auch überziehen. Ein Stoffschlauch, oben und unten gesäumt und mit einem Gummizug versehen, wird einfach übergestülpt. Das lässt sich jederzeit wieder wechseln und ist für Mietwohnungen und Kinderzimmer die praktischste Lösung.
Materialien jenseits von Stoff
Bambus und Rattan. Dünne Stäbe lassen sich um zwei Ringe binden oder wickeln. Sehr dekoratives, gerichtetes Licht mit Schattenspiel an der Wand. Vor der Verarbeitung ein paar Stunden wässern, dann biegen sich die Stäbe ohne zu brechen.
Papier und Origami. Faltarbeiten aus festem Papier ergeben geometrische Schirme mit weichem Licht. Damit sich das Papier gut falten lässt, hilft es, die Faltlinien vorher mit einem stumpfen Falzbein zu prägen.
Pappmaché. Über einen Luftballon aufgebaut ergibt es einen Kugelschirm mit lebendiger Oberfläche. Mindestens fünf Lagen, jede vollständig trocknen lassen – sonst schimmelt es innen.
Spitzendecke mit Textilhärter. Über einen Ballon gespannt, eingestrichen, getrocknet: Der Ballon wird angestochen, übrig bleibt ein filigraner Schirm.
Weckgläser ergeben mit einer kleinen Fassung Hängeleuchten für die Küche. Der Deckel wird mittig gelocht, das Glas hängt daran.
Drahtgeflecht als Gerüst, umwickelt mit Garn, Kordel oder Papierschnur – der Übergang zum Makramee.
Übertöpfe und Schalen aus Metall oder Keramik ergeben mit einer Bohrung im Boden eine Hängeleuchte. Achten Sie hier besonders auf Wärmeabfuhr: Ein geschlossener Metalltopf staut die Wärme.
Reinigen und pflegen
Stoffschirme saugen Sie mit der Polsterdüse auf kleiner Stufe ab, Papierschirme nur trocken mit einem weichen Pinsel. Nasse Reinigung verträgt fast kein Schirmmaterial – Wasserränder auf Stoff bekommen Sie nicht mehr heraus.
Bei Rauchvergilbung lohnt die Reinigung meist nicht; neu bespannen ist schneller und sieht besser aus. Genau dafür ist das alte Gestell ja da.
Makramee und Garnwicklung
Eine der beliebtesten Techniken der letzten Jahre, weil sie ohne Nähmaschine und ohne Kleber auskommt. Auf zwei Metallringe werden Baumwollkordeln geknüpft – Kreuzknoten, Rippenknoten, Wellenmuster.
Rechnen Sie großzügig: Für einen Schirm von 30 cm Durchmesser und 25 cm Höhe brauchen Sie je nach Knotendichte 40 bis 80 Meter Kordel mit 3 mm Stärke. Zu wenig Material ist der häufigste Grund, warum solche Projekte auf halber Höhe liegen bleiben.
Die verwandte, einfachere Variante ist die reine Wicklung: Kordel oder Paketschnur dicht um ein Drahtgeflecht gewickelt, jede Lage an die vorige geschoben. Das Ergebnis wirkt ruhiger und geht deutlich schneller.
Recycling-Ideen, die tatsächlich funktionieren
Nicht jeder Gegenstand eignet sich als Lampenschirm. Diese haben sich bewährt:
- Alter Hut aus Stroh oder Filz, kopfüber aufgehängt – gibt gerichtetes Licht nach unten
- Küchenreibe oder Sieb aus Metall, ergibt ein lebendiges Lochmuster an der Decke
- Weinkiste oder Obststeige, innen weiß gestrichen, als quadratische Hängeleuchte
- Kunststoff-Blumenübertopf mit Bohrung im Boden, sehr günstig und in vielen Farben erhältlich
Bei allem, was ursprünglich nicht für Leuchten gedacht war, gelten dieselben zwei Regeln: Abstand zum Leuchtmittel und Wärme muss abziehen können. Ein geschlossener Metallbehälter ohne Öffnung ist kein Schirm, sondern ein Wärmestau.
Wann sich der Selbstbau nicht lohnt
Ein einfacher weißer Schirm kostet neu 10 bis 20 Euro. Wer nur Ersatz für einen kaputten Standardschirm braucht, spart durch Selbstbau kein Geld.
Lohnend wird es bei Sondermaßen, bei Gestellen, für die es keinen Ersatz mehr gibt, bei besonderen Farben und Stoffen – und bei allem, was es so nicht zu kaufen gibt. Das ist meist auch der eigentliche Grund.



