Feinwerkzeuge

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Mit Feinwerkzeug ist im Baumarkt meist das oszillierende Multifunktionswerkzeug gemeint: ein handliches Gerät, dessen Werkzeug nicht rotiert, sondern mit hoher Frequenz um wenige Grad hin und her schwingt. Das macht es zum Spezialisten für Stellen, an die keine Säge und kein Schleifer herankommt. Es ersetzt keine dieser Maschinen, aber es erledigt die zehn Prozent der Arbeit, an denen alle anderen scheitern.
Wie das Werkzeug arbeitet
Der Motor treibt über einen Exzenter eine Welle an, die das Werkzeug um etwa 1,5 bis 2 Grad zu jeder Seite auslenkt – je nach Gerät 10.000 bis 20.000 Mal pro Minute. Die Bewegung ist so klein, dass das Gerät kaum Rückschlag erzeugt und sich mit einer Hand führen lässt. Ein Sägeblatt schneidet dadurch mit der Stirnseite, also direkt in die Fläche hinein.
Das ist der eigentliche Grund für das Werkzeug: Tauchschnitte an Stellen, wo nichts anderes hinpasst. Eine Türzarge über dem neuen Bodenbelag kürzen, ein Loch für die Steckdose in eine verbaute Platte schneiden, einen Nagel in der Fuge kappen – das sind die Paradedisziplinen.
Oft wird auch der kleine Rotationsschleifer, bekannt durch Marken wie Dremel oder Proxxon, als Feinwerkzeug bezeichnet. Er dreht mit bis zu 35.000 Umdrehungen und eignet sich für Gravieren, Polieren und feines Trennen. Das ist ein anderes Gerät für andere Aufgaben.

Was es kann – und was nicht
Stärken
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Für längere Schnitte gehört die Stichsäge oder die Handkreissäge her, für Flächen der Exzenterschleifer. Wer das Multitool dafür nimmt, verbraucht Blätter und Geduld.
Die typischen Einsätze
Renovieren. Türzargen und Sockelleisten kürzen, wenn neuer Boden verlegt wird. Das Blatt liegt flach auf einem Reststück des Belags, schon stimmt die Schnitthöhe.
Fliesen und Fugen. Mit einem Hartmetall- oder Diamantsegment lässt sich alter Fugenmörtel ausräumen, ohne die Fliesen zu beschädigen – vorausgesetzt, man arbeitet geduldig und in der Fugenmitte.
Trockenbau. Ausschnitte für Dosen und Leitungen in bereits montierte Gipskartonplatten.
Möbel und Restaurierung. Schleifen in Profilen, Zwischenräumen und Ecken, Kleber und Lackreste abschaben.
Sanitär. Silikon ausräumen, Rohre in der Wand bündig abtrennen.
Weitere Beispiele stehen im Beitrag zu den Einsatzgebieten von Multitools.
Die Werkzeugaufnahme entscheidet über die Folgekosten
Das Gerät selbst kauft man einmal, die Blätter immer wieder. Deshalb zählt die Aufnahme mehr als die Wattzahl.
- Starlock (Bosch und Fein, in drei Stufen Starlock, StarlockPlus und StarlockMax) ist verbreitet und erlaubt einen Werkzeugwechsel ohne Schlüssel in Sekunden. Kleinere Starlock-Werkzeuge passen in größere Aufnahmen, umgekehrt nicht.
- Universalaufnahmen mit Schraube und Zentrierstiften akzeptieren viele Fremdblätter, der Wechsel dauert aber länger.
- Herstellereigene Systeme binden Sie an einen Anbieter. Das ist nur dann kein Problem, wenn dessen Zubehör gut erhältlich ist.
Achten Sie vor dem Kauf darauf, welche Blätter es im Baumarkt um die Ecke gibt. Ein Tauchsägeblatt aus Bimetall kostet schnell 5 bis 15 Euro, Diamant- und Hartmetallsegmente deutlich mehr.
Leistung und Drehzahl
Netzbetriebene Geräte haben meist 200 bis 400 Watt. Mehr Leistung bedeutet vor allem, dass das Gerät unter Last nicht einbricht – wichtig bei Hartholz und beim Ausräumen von Fugen. Eine stufenlos einstellbare Schwingzahl ist Pflicht: Kunststoff schmilzt bei voller Frequenz, Metall braucht eher niedrige Werte, Holz verträgt die volle Drehzahl.
Akkugeräte haben inzwischen fast gleichgezogen. Wer schon Akkus eines Systems besitzt, liegt mit der Akkuvariante richtig. Für Dauereinsätze wie Fugen ausräumen im ganzen Bad ist ein Netzgerät entspannter.
Weitere Kaufkriterien
- Gewicht. Um 1,5 kg lässt sich das Gerät auch über Kopf noch halten, deutlich schwerer ermüdet der Arm.
- Vibrationsdämpfung. Bei längeren Arbeiten spüren Sie jeden Unterschied in Handgelenk und Fingern.
- Absaugung. Ein Anschluss für den Werkstattsauger hält Schleifstaub vom Werkstück und aus der Lunge fern. Beim Schleifen mit Absaugung schneidet das Schleifblatt spürbar länger.
- Tiefenanschlag und Führungen. Praktisch für wiederholbare Schnitttiefen in Gipskarton und Fugen.
- Koffer. Das Zubehör ist klein und verschwindet sonst in der Werkzeugkiste.
Arbeiten mit dem Multitool
- Blatt passend zum Material. Holzblätter haben grobe Zähne und stumpfen an Nägeln sofort ab. Bimetall schneidet Holz mit Nägeln, Hartmetall und Diamant sind für Mörtel und Fliesenfugen.
- Nicht drücken. Das Werkzeug schneidet mit der Schwingung, nicht mit Kraft. Zu viel Druck lässt die Schwingung zusammenbrechen, das Blatt wird heiß und stumpf.
- Blatt leicht wiegen. Beim Tauchschnitt das Blatt in kleinen Bögen hin und her bewegen, damit die Späne herauskommen.
- Blatt versetzen. Bei Starlock und vielen anderen Aufnahmen lässt sich das Blatt in mehreren Winkeln montieren. Wer es zwischendurch umsetzt, nutzt die Zähne gleichmäßiger ab.
Sicherheit
Gehörschutz und Schutzbrille gehören dazu, bei Schleif- und Fugenarbeiten auch eine Staubmaske der Klasse FFP2. Wer in Wänden schneidet, prüft vorher mit einem Leitungssuchgerät, wo Strom- und Wasserleitungen liegen. Das Multitool geht durch ein Kabel genauso mühelos wie durch Gipskarton.
Häufige Fragen
Was kostet ein gutes Multitool?
Einfache Netzgeräte gibt es ab etwa 40 Euro. Solide Geräte mit Schnellwechselaufnahme und guter Vibrationsdämpfung liegen bei 100 bis 250 Euro, Profigeräte darüber.
Kann ich damit Fliesen schneiden?
Bedingt. Kleine Ausschnitte und Kerben mit einem Diamantsegment gehen, gerade Schnitte durch ganze Fliesen erledigt ein Fliesenschneider schneller und sauberer.
Warum werden meine Blätter so schnell stumpf?
Meist ist es zu viel Druck, die falsche Blattart oder Metall im Holz. Ein Holzblatt, das einen einzigen Nagel trifft, ist hinüber. Bei Altholz immer Bimetall nehmen.



