Gaskamin ohne Schornstein

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Ein Gaskamin ohne Schornstein ist in Deutschland möglich, aber anders, als die Werbung oft suggeriert. In fast allen Fällen braucht das Gerät trotzdem eine Abgasführung ins Freie – nur eben nicht über einen gemauerten Schornstein, sondern durch die Außenwand. Echte Geräte ohne jede Abgasführung sind für Wohnräume die große Ausnahme.
Die drei Gerätearten verstehen
Gasfeuerstätten werden nach der Art unterschieden, wie sie Verbrennungsluft bekommen und Abgas loswerden. Diese Einteilung entscheidet, ob Sie einen Schornstein brauchen.
| Art A | Ohne Abgasanlage. Luft kommt aus dem Raum, Abgas bleibt im Raum. Nur für kleine Leistungen und mit Sicherheitseinrichtung zulässig. |
| Art B | Luft aus dem Raum, Abgas über eine Abgasanlage, meist den Schornstein. Klassischer Gaskamin. |
| Art C | Raumluftunabhängig: Luft und Abgas laufen durch ein dichtes Doppelrohr nach außen, über Dach oder durch die Außenwand. |
Wer „ohne Schornstein“ sucht, landet in der Praxis bei Art C mit Außenwandanschluss. Geräte der Art A sind im Heizungsbereich für Wohnräume kaum eine Option.
Außenwandanschluss: die übliche Lösung
Ein raumluftunabhängiger Gaskamin arbeitet mit einem koaxialen Rohr: Innen strömt das Abgas nach außen, im Ringspalt außen herum strömt Frischluft zum Brenner. Das Rohr führt waagerecht durch die Hauswand, außen sitzt eine Mündung, die beides trennt.
Der Brennraum ist dabei geschlossen. Das Gerät nimmt dem Wohnraum keinen Sauerstoff weg und kann auch in dichten Häusern mit Lüftungsanlage betrieben werden – ein Vorteil gegenüber offenen Kaminen.
Aber: Die Feuerungsverordnungen der Länder erlauben die Abgasführung durch die Außenwand nur unter Bedingungen. Meist ist sie auf kleine Nennleistungen beschränkt, bei Raumheizern häufig bis 11 kW, und nur zulässig, wenn eine Ableitung über Dach nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich ist. Dazu kommen Mindestabstände zu Fenstern, Türen, Nachbargrenzen und Gehwegen.
Was mit Art A und „AS“ gemeint ist
In älteren Texten und Angeboten tauchen Geräte der Art A oder „AS“ auf. Gemeint sind Feuerstätten ohne Abgasanschluss mit einer Atmosphärenüberwachung: Sie schaltet das Gerät ab, bevor der Sauerstoffgehalt im Raum gefährlich sinkt oder sich Abgas anreichert.
Das klingt nach einer bequemen Lösung, hat aber Grenzen. Alle Verbrennungsprodukte bleiben im Raum, einschließlich Wasserdampf und Kohlendioxid. Pro Kubikmeter verbranntem Erdgas entstehen rund 1,6 Liter Wasser als Dampf – bei längerem Betrieb beschlagen Fenster, und Schimmel wird zum Thema. Zulässig sind solche Geräte nur mit ausreichend Raumvolumen und Lüftung, und für die Dauerbeheizung eines Wohnraums sind sie nicht gedacht.
Warum der Schornsteinfeger das letzte Wort hat
Fragen Sie vor dem Kauf den zuständigen Bezirksschornsteinfeger. Er kennt die Landesvorschriften, prüft die Aufstellbedingungen und muss die Feuerstätte vor der ersten Inbetriebnahme abnehmen. Ohne diese Abnahme darf das Gerät nicht betrieben werden.
Gerade beim Außenwandanschluss lohnt das Gespräch vorher: Ob Ihre Wand, der Abstand zum Nachbarfenster und die Leistung passen, lässt sich nicht nach dem Kauf noch „passend machen“.
Gasanschluss nur vom Fachbetrieb
Arbeiten an der Gasinstallation dürfen in Deutschland nur der Netzbetreiber oder ein bei ihm eingetragenes Installationsunternehmen ausführen. Das gilt für den Erdgasanschluss ebenso wie für die Flüssiggasleitung von einem Tank. Die Montage des Kamins selbst ist einfacher, der Anschluss aber keine Heimwerkerarbeit.
Wann sich ein Gaskamin lohnt
Ein Gaskamin ist weniger Heizung als Stimmung auf Knopfdruck. Er zündet per Fernbedienung, macht keine Asche, braucht kein Holzlager und lässt sich über Thermostat regeln. Die Leistung liegt meist zwischen 3 und 8 kW, was für ein Wohnzimmer gut reicht.
Sinnvoll ist er, wenn ohnehin ein Gasanschluss im Haus liegt und kein Schornstein vorhanden ist. Ohne Gasanschluss wird es mit Flüssiggastank aufwendig. Mehr zu den Geräten selbst im Beitrag zum Gaskaminofen.
Alternativen ohne jede Abgasführung
- Elektrokamin. Flammeneffekt mit Licht oder Wasserdampf, keine Verbrennung, keine Abnahme nötig. Siehe Elektrokamin mit Wasserdampf.
- Bioethanol-Kamin. Echte Flamme, aber geringe Heizleistung, Feuchtigkeit und CO₂ bleiben im Raum. Nur mit Lüften und nie nachfüllen, solange der Brenner warm ist.
- Raumluftunabhängiger Holzofen. Braucht einen Schornstein, arbeitet aber mit geschlossener Verbrennung. Siehe raumluftunabhängiger Kaminofen.
Sicherheit im Betrieb
Jede Gasfeuerstätte im Wohnraum sollte von einem CO-Melder begleitet werden. Kohlenmonoxid ist geruchlos und entsteht bei gestörter Verbrennung. Riechen Sie Gas: kein Licht schalten, kein Telefon im Raum, Fenster öffnen, Haus verlassen und von draußen den Notdienst des Gasversorgers rufen.
Häufige Fragen
Braucht jeder Gaskamin einen Schornstein?
Nein. Raumluftunabhängige Geräte können unter Bedingungen durch die Außenwand angeschlossen werden. Eine Abgasführung ins Freie brauchen sie trotzdem.
Wie viel kostet der Einbau?
Das Gerät selbst liegt meist bei 1.500 bis 5.000 Euro. Dazu kommen Gasleitung, Außenwanddurchführung und Abnahme – rechnen Sie mit weiteren 500 bis 2.000 Euro, je nach Leitungsweg.
Wie warm wird es mit einem Gaskamin?
Die übliche Leistung von 3 bis 8 kW reicht, um ein Wohnzimmer von 30 bis 50 m² zu beheizen, abhängig von der Dämmung. Als alleinige Heizung für ein ganzes Haus ist ein einzelner Gaskamin nicht gedacht.
Darf ich einen Gaskamin in der Mietwohnung nachrüsten?
Nur mit Zustimmung des Vermieters. Wanddurchbruch und Gasleitung sind bauliche Veränderungen.


