Gerüstbohlen

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Gerüstbohlen sind die Beläge, auf denen man auf einem Gerüst steht und arbeitet. Von ihnen hängt ab, ob der Boden unter den Füßen trägt – deshalb gelten für sie strengere Regeln als für jedes andere Brett auf der Baustelle. Eine Bohle, die bricht, lässt keine zweite Chance.
Was eine Gerüstbohle ausmacht
Klassische Gerüstbohlen sind massive Bretter aus Nadelholz, meist Fichte, in einer Dicke von 4,5 cm oder mehr. Übliche Längen liegen zwischen 3 und 5 m, die Breite oft zwischen 20 und 28 cm. An den Stirnseiten sind sie mit Blechkappen oder Bandeisen gegen das Aufspalten gesichert. Das Holz muss nach DIN 4074 sortiert sein, mindestens in der Sortierklasse S 10 bei visueller oder MS 10 bei maschineller Sortierung. Damit ist gewährleistet, dass Äste, Faserneigung und Risse im zulässigen Rahmen bleiben.
Die Arten
| Art | Stärken | Schwächen |
| Holzbohle | preiswert, vielseitig, gut zuzuschneiden | schwer, witterungsanfällig, muss laufend geprüft werden |
| Stahlbelag | sehr tragfähig, rutschhemmend gelocht, langlebig | schwer, passt nur ins eigene System |
| Aluminiumbelag | leicht, korrosionsbeständig | teurer, ebenfalls systemgebunden |
| Rahmentafel mit Sperrholz | leicht, rutschfest, oft mit Durchstiegsklappe | systemgebunden, Holzplatte altert |
Bei modernen Systemgerüsten werden meist Stahl- oder Alubeläge mit Klauen in die Riegel eingehängt. Holzbohlen findet man vor allem bei älteren Rohrkupplungsgerüsten und bei einfachen Arbeitsbühnen.
Tragfähigkeit und Lastklasse
Gerüste werden in Lastklassen eingeteilt, die festlegen, wie viel Last je Quadratmeter die Belagfläche tragen muss. Für leichte Arbeiten wie Streichen reichen niedrige Klassen, für Mauerarbeiten mit Steinstapeln braucht es höhere. Welche Stützweite eine Bohle in welcher Lastklasse überbrücken darf, steht in der Aufbau- und Verwendungsanleitung des Gerüstherstellers bzw. in den Tabellen der einschlägigen Normen. Faustregel: Je weiter die Auflager auseinanderliegen, desto dicker muss die Bohle sein – und desto weniger darf sie tragen.

Vor jedem Einsatz prüfen
Eine Holzbohle altert. Nässe, Sonne, Stöße und Überlastung schwächen sie, oft unsichtbar. Sehen Sie sich jede Bohle vor dem Einbau an:
- Risse, besonders quer zur Faser oder an den Enden
- Fäulnis oder weiche Stellen, oft zuerst an den Auflagerpunkten
- Bleibende Durchbiegung – eine durchhängende Bohle hat ihr Leben hinter sich
- Beschädigte Endkappen, lose Bandeisen
- Große Äste, Bohrlöcher oder Einschnitte, die nicht hingehören
Beschädigte Bohlen werden sofort aussortiert und unbrauchbar gemacht, damit sie nicht aus Versehen wieder auf dem Gerüst landen. Gerüstbohlen werden nicht gestrichen: Farbe verdeckt genau die Risse, die man sehen muss.
Richtig verlegen
- Auflager prüfen. Die Bohle liegt auf festen Riegeln oder Gerüsthaltern, nie auf losen Steinen oder Eimern.
- Überstand beachten. Die Enden müssen ausreichend über das Auflager hinausragen, dürfen aber nicht zur Wippe werden. Das Maß nennt die Aufbauanleitung.
- Gegen Verschieben sichern. Bohlen dürfen nicht kippen, rutschen oder abheben, auch nicht bei Wind.
- Belag lückenlos. Zwischen Bohlen und zur Wand hin nur schmale Spalte, damit weder Fuß noch Werkzeug durchfallen.
- Seitenschutz anbringen. Geländer, Zwischenholm und Bordbrett gehören an jede Seite, an der man abstürzen kann.
Eine Bohle ist noch kein Gerüst
Viele Heimwerker legen eine Bohle über zwei Böcke oder zwei Leitern. Für niedrige Arbeiten ist das mit stabilen Arbeitsböcken vertretbar, ab einer gewissen Höhe nicht mehr. Es fehlen Seitenschutz, Aussteifung und eine sichere Standfläche. Wer an der Fassade, am Dachrand oder über Treppen arbeitet, mietet ein Systemgerüst oder ein fahrbares Arbeitsgerüst. Das kostet für ein Wochenende weniger als die Behandlung nach einem Sturz.
Lagerung und Pflege
Holzbohlen lagern trocken, luftig und flach auf Kanthölzern, nicht direkt auf dem Boden. Nasse Bohlen werden gestapelt mit Zwischenlagen, damit sie abtrocknen können. Mörtel- und Farbreste entfernen Sie nach der Arbeit, bevor sie aushärten; sie machen die Oberfläche rutschig und verdecken Schäden.
Kaufen oder mieten
Wer nur einmal ein Gerüst braucht, mietet es komplett mit Belägen – dann passt alles zusammen, und die Prüfung ist Sache des Vermieters. Wer regelmäßig selbst baut und ein eigenes Gerüst hat, kauft Bohlen passend zum System. Gebrauchte Holzbohlen unbekannter Herkunft sind ein Risiko: Niemand weiß, was sie schon getragen haben.
Was sie kosten
Eine neue Holzbohle nach DIN 4074 kostet je nach Länge meist 20 bis 60 Euro. Stahl- und Alubeläge für Systemgerüste liegen deutlich darüber und werden meist zusammen mit dem Gerüst gekauft.
Häufige Fragen
Kann ich Gerüstbohlen selbst herstellen?
Aus sortiertem Bauholz mit Nachweis theoretisch ja, praktisch lohnt sich das nicht. Ohne Sortiernachweis ist ein Brett keine Gerüstbohle.
Wie lange hält eine Holzbohle?
Das hängt von Lagerung und Nutzung ab, nicht vom Kalender. Entscheidend ist die Prüfung vor jedem Einsatz.
Welche Bohle soll ich kaufen?
Die, die zu Ihrem Gerüstsystem passt und für dessen Lastklasse freigegeben ist. Alles andere ist Improvisation in der Höhe.

