Kabel angebohrt - was tun?

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Es knallt, die Sicherung fliegt, das Licht geht aus – oder es passiert gar nichts, und genau das ist gefährlicher. Wer ein Kabel in der Wand angebohrt hat, muss den Stromkreis abschalten und die Stelle von einer Elektrofachkraft reparieren lassen. Eine angebohrte Leitung ist auch dann beschädigt, wenn alles weiter funktioniert: Die Isolierung kann verletzt sein, und an der Stelle entsteht später Hitze oder ein Kurzschluss.
Sofort: Sicherheit vor allem anderen
- Bohrmaschine loslassen und nicht mehr anfassen, solange der Bohrer in der Wand steckt und unklar ist, ob Spannung anliegt.
- Stromkreis abschalten. Den passenden Leitungsschutzschalter im Sicherungskasten ausschalten. Ist der Fehlerstromschutzschalter (FI) ausgelöst, bleibt er aus.
- Weitere Stromkreise im Zweifel ebenfalls abschalten, wenn nicht klar ist, welcher betroffen ist.
- Den Schalter sichern, etwa mit Klebeband und Zettel, damit ihn niemand wieder einschaltet.
- Erst dann den Bohrer herausziehen.
Bei Brandgeruch, Rauch oder Funken aus der Wand die Hauptsicherung ausschalten und im Zweifel die Feuerwehr rufen.
Woran Sie erkennen, dass etwas getroffen wurde
Eindeutig ist es, wenn die Sicherung oder der FI auslöst, es knallt oder Funken sprühen. Weniger eindeutig: Kupferspäne im Bohrmehl, ein plötzlich schwergängiger Bohrer, der dann durchrutscht, oder Steckdosen und Lampen im Raum, die nicht mehr funktionieren. Umgekehrt beweist eine funktionierende Steckdose nichts – der Bohrer kann auch nur die Isolierung angekratzt haben. Wer vermutet, eine Leitung getroffen zu haben, behandelt sie als beschädigt.
Warum das kein Fall für Isolierband ist
Arbeiten an der elektrischen Anlage hinter der Steckdose dürfen nur Elektrofachkräfte ausführen. Das hat handfeste Gründe: Eine im Putz verborgene Reparatur muss dauerhaft sicher sein, auch nach Jahren, bei Wärme und Feuchte. Isolierband löst sich, einfache Klemmen im Putz sind nicht zugänglich und nicht zulässig, und ein unsachgemäß geflickter Leiter kann warm werden und einen Schwelbrand verursachen – unbemerkt, hinter frischem Putz. Hinzu kommt, dass bei einem späteren Schaden die Versicherung nach der Ursache fragt.
Wie die Fachkraft repariert
Die Elektrofachkraft legt die Leitung um die Schadstelle frei und prüft, welche Adern beschädigt sind. Je nach Befund wird die Leitung in einer Abzweigdose neu verbunden, mit einem zugelassenen Reparatursystem für das Einputzen verbunden oder auf einem Stück neu verlegt. Danach misst sie Isolationswiderstand und Schutzleiter, bevor der Stromkreis wieder freigegeben wird. Der Aufwand liegt meist bei einer bis zwei Stunden Arbeit plus Material.
Was Sie vorbereiten können: den Stromkreis im Sicherungskasten notieren, die Umgebung der Bohrstelle frei räumen und die Stelle nicht weiter aufstemmen.

Wo Leitungen verlaufen dürfen
Elektroleitungen in Wänden sollen nach DIN 18015-3 in festgelegten Installationszonen verlegt werden:
| Zone | Lage |
| waagerecht oben | 15–45 cm unter der Decke |
| waagerecht unten | 15–45 cm über dem fertigen Fußboden |
| waagerecht mittig | 90–130 cm über dem Fußboden, in Räumen mit Arbeitsflächen wie Küchen |
| senkrecht | 10–30 cm neben Türen, Fenstern und Raumecken |
Außerdem verlaufen Leitungen senkrecht über und unter Schaltern und Steckdosen. Verlassen Sie sich aber nicht darauf: In Altbauten und bei Eigenleistungen wurde oft quer durch die Wand verlegt.
Vor dem Bohren suchen
Ein Leitungssuchgerät findet stromführende Leitungen, Metall und bei manchen Geräten auch Holzbalken. Die Erfassungstiefe liegt bei einfachen Geräten meist im Bereich einiger Zentimeter. Leitungen ohne Last oder bei ausgeschaltetem Stromkreis zeigen reine Spannungsdetektoren nicht an, Metalldetektoren dagegen schon. Fahren Sie die Stelle kreuzweise ab und markieren Sie Funde. Einen Überblick über Geräte gibt Kabelsuchgerät.
Ergänzend hilft: Bohrtiefe mit dem Tiefenanschlag begrenzen, in den Installationszonen gar nicht bohren und bei Unsicherheit nur wenige Millimeter tief vorbohren, um den Putz zu prüfen.
Und wenn es eine Wasserleitung war?
Tritt Wasser aus, sofort den Haupthahn schließen und Elektrogeräte in der Nähe abschalten. Ein angebohrtes Heizungsrohr verliert Druck; dann die Heizung ausschalten und den Installateur rufen. Auch hier gilt: kein Provisorium einputzen.
Das Loch verschließen
Erst nach der Reparatur wird die Wand geschlossen. Die Fachkraft sagt, ob die Leitung wieder eingeputzt werden darf. Dann wird das Loch mit Gips oder Reparaturspachtel gefüllt, bei größeren Aufbrüchen in zwei Lagen, geschliffen und gestrichen. Wer künftig Bohrungen vermeiden will, findet Alternativen unter Bilder aufhängen ohne Bohren.
Häufige Fragen
Ist ein angebohrtes Kabel gefährlich, wenn alles funktioniert?
Ja. Eine verletzte Isolierung kann später Kriechströme, Erwärmung oder einen Kurzschluss verursachen. Der FI-Schalter schützt Personen, nicht aber vor jedem Brand durch einen schlechten Kontakt.
Kann ich selbst prüfen, ob noch Spannung anliegt?
Für die sichere Feststellung der Spannungsfreiheit ist ein zweipoliger Spannungsprüfer vorgeschrieben, einpolige Prüfschraubendreher sind dafür ungeeignet. Mehr dazu unter Stromprüfer. Die Reparatur bleibt trotzdem Sache der Elektrofachkraft.
Zahlt die Versicherung?
Das hängt vom Vertrag ab. Folgeschäden wie ein Wasserschaden durch eine angebohrte Leitung können über die Wohngebäude- oder Hausratversicherung laufen. Melden Sie den Schaden zeitnah und dokumentieren Sie ihn mit Fotos.


