Kernbohrmaschine
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Eine Kernbohrmaschine bohrt kein Loch, sie schneidet einen Ring. Die Diamantkrone fräst nur eine schmale Nut, der Kern in der Mitte bleibt stehen und wird am Ende als Zylinder herausgezogen. Deshalb schafft sie Durchmesser, bei denen jeder Bohrhammer aufgibt – vom Dosenloch mit 68 mm bis zum Abluftdurchbruch mit 160 mm und mehr.
Wofür man sie braucht
Die typischen Aufgaben im Haus sind überschaubar, kommen aber bei fast jeder Sanierung vor: Durchbrüche für Abwasser- und Lüftungsrohre, Öffnungen für die Abluft der Dunstabzugshaube, Leitungsdurchführungen für Wärmepumpe oder Klimaanlage, Löcher für Unterputzdosen in hartem Mauerwerk. Mit dem Bohrhammer ließe sich das alles auch stemmen – nur ausgefranst, laut, mit Rissen im Putz und dreimal so viel Nacharbeit.
Eine Kernbohrung dagegen ist sauber und maßhaltig. Das Rohr passt mit wenigen Millimetern Luft, die Fuge lässt sich ordentlich abdichten, und die Wand drumherum bleibt heil.
Trocken oder nass bohren
Die wichtigste Entscheidung fällt über das Kühlverfahren, und sie hängt am Baustoff.
| Trockenbohren | Nassbohren | |
| Baustoffe | Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Klinker | Beton, Stahlbeton, Naturstein |
| Kühlung | Luft, Staubabsaugung | Wasser über die Spindel |
| Durchmesser handgeführt | meist bis etwa 150 mm | mit Ständer deutlich darüber |
| Nachteil | viel Feinstaub | Schlamm, Wasser im Raum |
Stahlbeton wird nass gebohrt. Trocken überhitzt die Krone dort in kurzer Zeit, die Diamantsegmente verglasen oder lösen sich. In weichem Mauerwerk ist trocken dagegen die angenehmere Methode – mit einem Baustaubsauger der Staubklasse M am Absaugstutzen, weil der Bohrstaub Quarz enthält.
Die Bohrkrone
Die Krone ist das eigentliche Werkzeug, die Maschine nur der Antrieb. Auf dem Stahlrohr sitzen gelötete oder lasergeschweißte Segmente, in denen Industriediamanten in einer Metallbindung stecken. Beim Bohren nutzt sich die Bindung ab und legt neue Diamanten frei.
Daraus folgt eine Faustregel, die viele überrascht: Weiche Bindung für harten Baustoff, harte Bindung für weichen, abrasiven Baustoff. Eine Krone für Beton wird in sandigem Kalksandstein schnell abgeschliffen, eine Krone für Mauerwerk poliert sich auf Beton stumpf. Universalkronen sind ein Kompromiss, der für gelegentliche Arbeiten reicht.
Beim Anschluss gibt es zwei verbreitete Systeme: kleinere Kronen und Dosensenker haben meist M16 oder ein Innengewinde für Adapter, größere Nasskronen fast immer 1 1/4 Zoll UNC. Prüfen Sie das vor dem Kauf – Adapter kosten Leistung und Rundlauf.
Maschine, Leistung, Drehzahl
Handgeführte Kernbohrmaschinen liegen meist zwischen 1200 und 2500 Watt, Ständermaschinen für große Durchmesser darüber. Wichtiger als die Wattzahl ist das Getriebe: Kleine Kronen brauchen hohe Drehzahl, große niedrige. Maschinen mit zwei oder drei Gängen decken deshalb einen viel breiteren Bereich ab als solche mit nur einem.
Unverzichtbar sind eine mechanische Rutschkupplung und ein Sanftanlauf. Verklemmt sich eine 150-mm-Krone in der Bewehrung, reißt das Drehmoment dem Bediener sonst die Maschine aus der Hand. Maschinen für das Nassbohren gehören zudem über einen PRCD-Personenschutzschalter betrieben, der oft schon im Kabel sitzt – Wasser und 230 V liegen hier nur Zentimeter auseinander.
Wann ein Bohrständer Pflicht ist
Bis etwa 100 mm in Mauerwerk kann man freihändig bohren, wenn die Maschine gut in der Hand liegt. Darüber und bei jeder Nassbohrung in Beton ist ein Ständer die bessere Wahl. Er wird mit Dübel und Spindel an der Wand oder mit einer Vakuumplatte auf glatten Flächen befestigt und hält die Krone exakt in der Achse.
Der Gewinn ist nicht nur Komfort: Eine Krone, die schief läuft oder wackelt, verkantet, überhitzt und verschleißt ungleichmäßig. Mit Ständer bohren Sie schneller, gerader und mit deutlich längerer Standzeit der Krone.
So gelingt eine Kernbohrung
- Leitungen orten. Mit einem Ortungsgerät Strom, Wasser und Heizung ausschließen – gerade bei Durchbrüchen neben Küchen und Bädern.
- Durchmesser festlegen. Für Rohre mit Dichteinsatz gibt der Hersteller des Einsatzes den Bohrdurchmesser vor. Sonst wenige Millimeter größer als das Rohr.
- Anbohren. Trockenkronen haben einen Zentrierbohrer, der später entfernt wird. Bei Nasskronen mit Anbohrhilfe oder leicht schräg ansetzen, bis die Krone ringsum greift.
- Gleichmäßig vorschieben. Druck nur so hoch, dass die Drehzahl kaum abfällt. Wer drückt, bohrt nicht schneller, sondern heißer.
- Kern entfernen. Bei dicken Wänden zwischendurch die Krone herausziehen und den Kern abbrechen, sonst klemmt er.
- Von beiden Seiten bohren, wenn die Rückseite sichtbar bleibt: erst bis zur Hälfte, dann mit einem durchgebohrten Zentrierloch von der anderen Seite. Das verhindert Ausbrüche.
Die Statik nicht vergessen
Eine Kernbohrung durch eine tragende Stahlbetonwand oder -decke ist kein Heimwerkerthema mehr. Durchtrennte Bewehrung lässt sich nicht reparieren. Vor jedem Durchbruch in tragenden Betonbauteilen gehört die Freigabe durch einen Statiker, bei Decken in Mehrfamilienhäusern auch die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. In Mauerwerk sind einzelne Rohrdurchbrüche meist unkritisch, bei Stürzen und schlanken Pfeilern aber ebenfalls nicht.
Typische Fehler
- Trocken in Beton. Die Krone wird blau, die Segmente verglasen, die Bohrung steht.
- Zu viel Druck. Er bremst die Drehzahl, statt den Vortrieb zu erhöhen.
- Zu wenig Wasser. Der Bohrschlamm muss abfließen, sonst schleift er an der Krone statt am Beton.
- Stumpfe Krone weiter benutzen. Verglaste Segmente lassen sich an einem Schärfstein oder in Kalksandstein kurz wieder freibohren.
Häufige Fragen
Kaufen oder mieten?
Für zwei oder drei Durchbrüche lohnt sich Mieten. Baumaschinenvermieter verleihen Maschine, Ständer und Wasserbehälter oft als Paket, die Krone wird dabei häufig nach gebohrter Tiefe abgerechnet. Eigene Maschinen beginnen bei etwa 300 Euro, dazu kommen Kronen ab 50 Euro je Durchmesser.
Geht das auch mit der Schlagbohrmaschine?
Kleine Trockenbohrkronen bis etwa 82 mm laufen an kräftigen Bohrmaschinen, aber nur ohne Schlag – der zerstört die Diamantsegmente. Für Beton taugt das nicht. Mehr dazu unter Beton bohren.
Wie tief kommt man?
Standardkronen haben eine Nutzlänge von rund 400 bis 450 mm, das reicht für die meisten Außenwände. Für dickere Bauteile gibt es Verlängerungen.
Was mache ich mit dem Kern?
Er ist ein sauberer Zylinder aus Wandmaterial und kann als Bauschutt entsorgt werden. Bei Beton zeigt er übrigens schön, ob man Bewehrung getroffen hat – dann sieht man den Stahl im Querschnitt.



