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Heimwerker-Berater

Wozu wird Aceton verwendet?

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 10 Abschnitte
Wozu wird Aceton verwendet?
Inhalt10 Abschnitte
  1. Was Aceton ist
  2. Wofür es sich in der Werkstatt eignet
  3. Wo Aceton nichts zu suchen hat
  4. Aceton, Verdünnung, Isopropanol: der Unterschied
  5. So wenden Sie es an
  6. Brandgefahr ernst nehmen
  7. Welche Handschuhe
  8. Mythen rund um Aceton
  9. Aufbewahrung und Entsorgung
  10. Häufige Fragen

Aceton ist eines der stärksten Lösungsmittel, die man frei kaufen kann. Es löst frischen Bauschaum, Klebstoffreste, Harz, Fett und Lack, verdunstet rückstandsfrei und ist billig. Genau diese Stärke ist aber auch das Problem: Aceton greift viele Kunststoffe und Lacke an, ist leicht entzündlich und dringt durch normale Einmalhandschuhe. Wer weiß, wo es hingehört und wo nicht, hat einen sehr nützlichen Helfer.

Was Aceton ist

Chemisch heißt es Propanon, die Formel lautet C₃H₆O. Es ist eine klare, farblose Flüssigkeit mit typischem, süßlichem Geruch, mischt sich mit Wasser in jedem Verhältnis und siedet schon bei 56 °C. Der Körper bildet Aceton übrigens selbst in kleinen Mengen beim Fettabbau. Industriell entsteht es heute überwiegend als Nebenprodukt bei der Herstellung von Phenol.

Siedepunkt56 °C – verdunstet sehr schnell
Flammpunktetwa −20 °C – bildet schon bei Frost zündfähige Dämpfe
Explosionsbereichetwa 2,5 bis 13 Volumenprozent in Luft
Einstufungleicht entzündbar, augenreizend, Dämpfe können benommen machen

Wofür es sich in der Werkstatt eignet

  • Frischen Bauschaum entfernen. Solange PU-Schaum nicht ausgehärtet ist, löst ihn Aceton von Händen, Werkzeug und Fensterrahmen. Ausgehärteter Schaum muss mechanisch weg; siehe Bauschaum entfernen.
  • Sekundenkleber lösen. Cyanacrylat wird durch Aceton weich; mehr dazu unter Sekundenkleber entfernen.
  • Entfetten vor dem Kleben und Lackieren. Metall und Glas werden mit einem acetongetränkten Tuch fettfrei, und es bleibt kein Film zurück.
  • Frisches Epoxidharz und Polyesterharz von Werkzeug und Pinseln entfernen, bevor es abbindet.
  • Etikettenreste und Klebereste auf Glas und Metall.
  • Farbspritzer von Glas, Fliesen und unempfindlichen Metallteilen.

Wo Aceton nichts zu suchen hat

Plexiglas (Acrylglas). Aceton löst die Oberfläche an und erzeugt feine Spannungsrisse, die das Glas milchig machen. Für die Pflege von Acrylglas gibt es eigene Reiniger; siehe Plexiglas polieren.

Styropor und viele Hartkunststoffe. Polystyrol löst sich in Aceton regelrecht auf, ABS, PVC und Polycarbonat quellen an oder werden trüb. Auch viele Gehäuse von Elektrowerkzeugen bestehen aus solchen Kunststoffen.

Lackierte Flächen. Autolack, Möbellack und Kunstharzlack werden angelöst oder matt. Wer einen Spritzer auf lackiertem Holz entfernen will, nimmt lieber ein milderes Mittel.

Gummidichtungen. Viele Elastomere quellen auf und werden spröde.

Unproblematisch sind Glas, Keramik, Metalle, Stein sowie Polyethylen und Polypropylen. Im Zweifel an einer unauffälligen Stelle testen.

Aceton, Verdünnung, Isopropanol: der Unterschied

MittelStärketypischer Einsatz
IsopropanolmildReinigen von Elektronik, Glas, Entfetten empfindlicher Teile
SpiritusmildGlas, Schellack, allgemeine Reinigung
AcetonstarkKleber, Harz, frischer PU-Schaum, Entfetten von Metall
Nitroverdünnungstark, GemischNitrolacke, Spritzpistolen reinigen

Faustregel: mit dem mildesten Mittel anfangen, das die Aufgabe erledigt. Aceton kommt dann zum Einsatz, wenn Isopropanol oder Spiritus nicht mehr reichen.

So wenden Sie es an

  1. Wenig nehmen. Ein paar Tropfen auf ein fusselfreies Baumwolltuch genügen meist. Aceton verdunstet so schnell, dass größere Mengen nur in die Raumluft gehen.
  2. Kurz einwirken lassen. Bei Kleberesten das feuchte Tuch einige Sekunden aufdrücken, dann wischen oder mit einem Kunststoffspachtel abschieben.
  3. Nachwischen. Mit einem sauberen Tuch den gelösten Schmutz aufnehmen, sonst verteilt man ihn nur.
  4. Nie in Gefäßen aus Kunststoff umfüllen, die nicht ausdrücklich lösemittelbeständig sind. Glas oder Metall ist sicher.

Brandgefahr ernst nehmen

Acetondämpfe sind schwerer als Luft, sammeln sich am Boden und können von einer entfernten Zündquelle entzündet werden – einer Heizung, einem Schalter, einer laufenden Maschine mit Bürstenmotor. Nie in der Nähe von offenem Feuer, glühenden Heizspiralen oder beim Schleifen und Schweißen verwenden. Gut lüften, nur so viel abfüllen wie nötig und die Flasche sofort wieder verschließen.

Mit Aceton getränkte Lappen sind in der Tonne gefährlich. Lassen Sie sie im Freien ausgebreitet ausdünsten, bevor sie entsorgt werden.

Welche Handschuhe

Normale Einweghandschuhe aus Nitril halten Aceton nur sehr kurz stand; es dringt innerhalb weniger Minuten durch. Für längeres Arbeiten sind Handschuhe aus Butylkautschuk geeignet. Nitril taugt allenfalls als Spritzschutz, der nach Kontakt sofort gewechselt wird. Auf der Haut entfettet Aceton stark und trocknet sie aus; danach eincremen. Bei Arbeiten über Kopf oder mit Spritzgefahr gehört eine Schutzbrille dazu.

Mythen rund um Aceton

Aceton als Zusatz im Tank. Im Internet kursiert der Tipp, ein Schuss Aceton im Benzin oder Diesel spare Kraftstoff. Belegt ist das nicht, und das Lösungsmittel kann Dichtungen und Kunststoffteile im Kraftstoffsystem angreifen. Finger weg.

Aceton macht alles sauber. Es löst viel, aber nicht Kalk, Rost oder Zementschleier. Dafür braucht es andere Mittel.

Aufbewahrung und Entsorgung

Aceton gehört in die Originalflasche, dicht verschlossen, kühl, fern von Wärmequellen und außerhalb der Reichweite von Kindern. Keine Getränkeflaschen verwenden. Reste und verschmutztes Aceton gehen zur Schadstoffsammelstelle des Wertstoffhofs oder zum Schadstoffmobil, nicht in den Ausguss und nicht in den Hausmüll.

Häufige Fragen

Ist Nagellackentferner dasselbe?

Viele Nagellackentferner bestehen überwiegend aus Aceton, enthalten aber Wasser, Rückfetter und Duftstoffe. Für die Werkstatt ist reines Aceton aus Baumarkt oder Drogerie besser, weil es keine Rückstände hinterlässt.

Kann ich Pinsel mit Aceton reinigen?

Für Harze und Kontaktkleber ja. Pinsel mit Acryl- oder Dispersionsfarbe werden mit Wasser ausgewaschen, für Lacke auf Lösemittelbasis nimmt man die vom Hersteller angegebene Verdünnung.

Ist Aceton giftig?

In üblichen Mengen und bei guter Lüftung gilt es als vergleichsweise wenig giftig. Hohe Dampfkonzentrationen verursachen Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit. Nicht verschlucken, nicht in die Augen bringen.

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