Gewinde schneiden - so geht es richtig

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Ein Gewinde von Hand zu schneiden ist keine Kunst, aber eine Frage der richtigen Maße. Das häufigste Problem ist ein falsches Kernloch – zu klein, und der Gewindebohrer bricht ab, zu groß, und das Gewinde hält nicht. Mit der Tabelle unten, etwas Öl und Geduld gelingt es beim ersten Versuch.
Innen- und Außengewinde
Ein Innengewinde entsteht mit einem Gewindebohrer in einem vorgebohrten Loch; es nimmt später eine Schraube auf. Ein Außengewinde wird mit einem Schneideisen auf einen runden Bolzen geschnitten; so entsteht eine Gewindestange oder eine Schraube. Für beides gibt es Handwerkzeuge, die sich für Einzelstücke und Reparaturen in der Werkstatt eignen.
Das Werkzeug
- Gewindebohrer, als Satz aus Vor-, Mittel- und Fertigschneider oder als Einschnitt-Gewindebohrer für durchgehende Löcher
- Windeisen zum Drehen der Gewindebohrer
- Schneideisen mit Schneideisenhalter für Außengewinde
- Spiralbohrer in der passenden Kernlochgröße, dazu ein Kegelsenker
- Schneidöl oder Schneidpaste
- Schraubstock, Körner, Hammer, Messschieber
Fertig zusammengestellte Sätze stehen beim Gewindeschneidsatz, einzelne Werkzeuge beim Gewindeschneider.
Die Kernlochtabelle
Für metrische Regelgewinde gilt die einfache Faustformel: Kernloch = Nenndurchmesser minus Steigung.
| Gewinde | Steigung | Kernlochbohrer |
| M3 | 0,5 mm | 2,5 mm |
| M4 | 0,7 mm | 3,3 mm |
| M5 | 0,8 mm | 4,2 mm |
| M6 | 1,0 mm | 5,0 mm |
| M8 | 1,25 mm | 6,8 mm |
| M10 | 1,5 mm | 8,5 mm |
| M12 | 1,75 mm | 10,2 mm |
Feingewinde haben eine kleinere Steigung und damit ein größeres Kernloch, M10 × 1 etwa 9 mm. Für Zollgewinde gelten eigene Tabellen.
Welcher Gewindebohrer für welches Material
Gewindebohrer aus HSS (Schnellarbeitsstahl) reichen für Baustahl, Aluminium, Messing und Kunststoff. Für Edelstahl sind Bohrer aus kobaltlegiertem HSS-E besser, weil der Werkstoff zäh ist und stark verfestigt. Einfache Werkzeugstahl-Bohrer aus Billigsätzen taugen allenfalls für weiches Material und brechen in Stahl schnell. Beim Kernlochbohren helfen die richtigen Metallbohrer und eine niedrige Drehzahl.
Innengewinde Schritt für Schritt
- Ankörnen und bohren. Die Stelle ankörnen, Kernloch senkrecht bohren – am besten mit Ständerbohrmaschine.
- Ansenken. Das Loch mit dem Kegelsenker leicht anfasen, etwas größer als der Nenndurchmesser. So beginnt der Gewindebohrer sauber, und der erste Gang franst nicht aus.
- Vorschneider ansetzen. Senkrecht einsetzen, leicht drücken und im Uhrzeigersinn drehen, bis er greift. Nach den ersten Umdrehungen mit dem Winkel prüfen, ob er gerade steht.
- Schneiden mit Öl. Etwas Schneidöl hinein, dann jeweils eine halbe bis eine Umdrehung vor und eine Vierteldrehung zurück. Das Zurückdrehen bricht die Späne, sonst verklemmen sie und der Bohrer bricht.
- Mittel- und Fertigschneider nacheinander durchdrehen.
- Späne entfernen. Loch ausblasen oder auswaschen, mit einer Schraube prüfen.
Außengewinde Schritt für Schritt
- Bolzen vorbereiten. Der Durchmesser liegt etwas unter dem Nennmaß, bei M8 zum Beispiel um 7,8 mm. Die Stirnseite wird kräftig angefast, damit das Schneideisen greift.
- Einspannen. Den Bolzen senkrecht in den Schraubstock, Schutzbacken verwenden.
- Schneideisen ansetzen. Die Seite mit dem Anschnitt zeigt zum Bolzen. Waagerecht aufsetzen, mit Druck im Uhrzeigersinn drehen, bis es greift.
- Wie beim Innengewinde schneiden: Öl, halbe Umdrehung vor, Vierteldrehung zurück.
Sacklöcher: die heimtückische Variante
Bei Sacklöchern, also Löchern ohne Durchgang, sammeln sich die Späne im Grund. Bohren Sie das Kernloch mindestens um einige Gewindegänge tiefer, als das Gewinde reichen soll. Drehen Sie den Gewindebohrer öfter ganz heraus und entfernen Sie die Späne. Spüren Sie Widerstand am Grund, sofort aufhören – mit Kraft bricht der Bohrer im Loch ab, und dann wird es mühsam.
Wenn der Gewindebohrer abbricht
Ein abgebrochener Gewindebohrer ist gehärtet und lässt sich kaum ausbohren. Manchmal hilft ein spezieller Ausdreher mit Fingern, die in die Spannuten greifen. Bei wertvollen Werkstücken bleibt oft nur der Weg zum Fachbetrieb mit Funkenerosion. Vorsicht ist billiger als jede Reparatur.
Ausgerissene Gewinde reparieren
Ein ausgerissenes Innengewinde lässt sich retten: Entweder wird es auf die nächstgrößere Größe aufgeschnitten, oder es wird ein Gewindeeinsatz eingesetzt. Dafür wird das Loch mit einem speziellen Gewindebohrer aufgeschnitten und eine Drahtspirale eingedreht, die wieder das Originalmaß ergibt. Für dünne Bleche, in denen kein Gewinde hält, gibt es Einnietmuttern, siehe Gewindenietzange.
Typische Fehler
- Kernloch nach Gefühl gebohrt. Die Tabelle hat einen Grund.
- Ohne Öl geschnitten. Das Gewinde wird rau, der Bohrer stumpf.
- Schief angesetzt. Das Gewinde ist nicht zu retten, die Schraube sitzt schräg.
- Mit Verlängerung am Windeisen. Mehr Hebel heißt mehr Bruchgefahr, nicht mehr Erfolg.
Häufige Fragen
Brauche ich immer drei Gewindebohrer?
Nein. Einschnitt-Gewindebohrer schaffen das Gewinde in einem Durchgang, sind aber schwerer zu drehen. Für Sacklöcher und zähe Werkstoffe ist der Dreiersatz angenehmer.
Kann ich Gewinde mit der Bohrmaschine schneiden?
Mit Maschinengewindebohrern und einer Maschine mit Rechts-Links-Lauf und niedriger Drehzahl ja. Von Hand ist die Kontrolle aber besser.
Geht das auch in Holz?
Mit speziellen Holzgewindeschneidern ja, etwa für Holzspindeln. Für Möbel verwendet man eher Einschraubmuttern.



