Kupferrohr biegen - mit und ohne Machine - Schritt für Schritt erklärt

Inhalt10 Abschnitte
Kupferrohr lässt sich biegen, wenn man das Material kennt und den Radius nicht zu eng wählt. Weiche Rohre gehen mit der Biegefeder von Hand, halbharte mit der Biegezange, harte nur nach dem Ausglühen oder gar nicht. Ein Bogen spart gegenüber einem Fitting eine Lötstelle – und jede eingesparte Lötstelle ist eine weniger, die undicht werden kann.
Weich, halbhart, hart
Kupferrohre werden in drei Festigkeitszuständen gehandelt, erkennbar an der Kennzeichnung auf dem Rohr.
| Zustand | Kennzeichnung | Lieferform | Biegen |
| Weich | R220 | in Ringen | von Hand mit Biegefeder, kleine Durchmesser |
| Halbhart | R250 | Stangen | mit Biegezange oder Biegegerät |
| Hart | R290 | Stangen | nur mit Gerät oder nach Ausglühen, meist gar nicht |
Harte Rohre werden meist gar nicht gebogen, sondern mit Fittings verbunden. Weiche Rohre in Ringen sind für Heizungsanschlüsse, Kältetechnik und Leitungen mit vielen Bögen gedacht.
Kalt oder warm biegen
Kaltbiegen ist der Normalfall. Das Rohr wird bei Raumtemperatur mit einem Werkzeug gebogen, das die Wandung stützt und ein Einknicken verhindert. Weiche und halbharte Rohre lassen sich so bis zu 90° biegen, je nach Durchmesser und Werkzeug auch mehr.
Warmbiegen ist nötig, wenn hartes Rohr gebogen werden soll. Kupfer verfestigt sich bei der Verarbeitung. Erhitzt man es bis zur dunklen Rotglut, etwa 700 °C, wird es wieder weich – man spricht von Ausglühen. Danach kann es an der Luft abkühlen oder mit Wasser abgeschreckt werden, weich bleibt es in beiden Fällen. Beim anschließenden Biegen verfestigt es sich erneut.
Ausglühen erfordert einen Lötbrenner, eine nicht brennbare Unterlage und Vorsicht mit allem Brennbaren in der Umgebung. Wer das zum ersten Mal macht, sollte an Reststücken üben.

Der Mindestradius
Jedes Rohr hat einen kleinsten Biegeradius, unterhalb dessen es knickt, einfällt oder an der Außenseite reißt. Mit einem Biegegerät sind Radien vom etwa Drei- bis Vierfachen des Außendurchmessers üblich, von Hand mit der Biegefeder eher das Fünffache und mehr. Ein 15er-Rohr wird also von Hand mit mindestens etwa 75 mm Radius gebogen. Die Biegegeräte haben für jeden Rohrdurchmesser ein eigenes Segment mit dem passenden Radius.
Mit der Biegefeder von Hand
Die Biegefeder ist eine eng gewickelte Stahlfeder, die über oder in das Rohr geschoben wird und die Wandung beim Biegen abstützt. Sie eignet sich für weiche Rohre bis etwa 18 mm.
- Passende Feder wählen. Außenfedern für das jeweilige Außenmaß, Innenfedern für das Innenmaß. Sie muss eng sitzen.
- Biegestelle markieren und die Feder so aufschieben, dass sie diese Stelle mittig abdeckt.
- Langsam biegen, am besten über das Knie oder um eine runde Form. Ruckartige Bewegungen knicken das Rohr.
- Etwas überbiegen und dann auf das Zielmaß zurückbiegen. Das löst die Feder und erleichtert das Abziehen.
- Feder abziehen, bei Außenfedern mit leichtem Drehen.
Mit Biegezange oder Biegegerät
Für halbharte Rohre und saubere, wiederholbare Bögen ist eine Biegezange oder ein Biegegerät das richtige Werkzeug. Gängige Geräte decken Außendurchmesser von etwa 6 bis 28 mm ab, mit Segmenten für jede Größe. Einzelheiten zu Bauformen stehen unter Rohrbiegegerät.
- Segment für den Durchmesser einsetzen.
- Rohr einlegen und mit dem Haken fixieren.
- Markierung am Rohr auf die Nullmarke des Segments ausrichten.
- Biegen bis zur gewünschten Gradzahl auf der Skala. Viele Geräte zeigen sie direkt an.
- Rückfederung ausgleichen. Kupfer federt einige Grad zurück, deshalb leicht überbiegen.
Eine Spirale biegen
Für Wärmetauscher, Kühlschlangen oder Deko wird weiches Rohr um einen Zylinder gewickelt, etwa ein Stück Kunststoffrohr, eine Gasflasche oder ein Holzstück. Rohr an einem Ende fixieren und langsam, Windung für Windung, um den Kern führen. Bei größeren Durchmessern hilft das alte Handwerkerverfahren: Das Rohr wird mit trockenem Sand gefüllt und an beiden Enden verschlossen. Der Sand stützt die Wand von innen.
Leitungen, die Sie nicht selbst biegen sollten
Gasleitungen sind in jedem Fall Sache eines eingetragenen Installationsbetriebs. Bei Trinkwasserleitungen gelten ebenfalls strenge Regeln, und nicht jedes Werkzeug oder Verfahren ist dafür zugelassen. Heimwerker sollten Kupferbögen auf Heizungsanschlüsse, Wasserleitungen im eigenen Bereich nach der Absperrung und nicht druckführende Anwendungen beschränken, wenn sie keine Fachkenntnis haben. Wie Kupfer dauerhaft verbunden wird, beschreibt Lötzinn.
Typische Fehler
- Ohne Stütze gebogen. Das Rohr knickt ein und der Querschnitt ist verengt.
- Zu enger Radius. Die Außenseite wird dünn und reißt später unter Druck.
- Hartes Rohr kalt gebogen. Es bricht oder zeigt Haarrisse, die man erst bei der Druckprobe bemerkt.
- Biegestelle an der Lötstelle. Mindestens einige Zentimeter Abstand zur nächsten Verbindung halten.
Häufige Fragen
Kann man Kupferrohr ohne Werkzeug biegen?
Weiches Rohr mit kleinem Durchmesser ja, mit großem Radius. Sauber und ohne Einfallen gelingt es aber nur mit Biegefeder oder Gerät.
Welche Durchmesser gehen von Hand?
Mit der Biegefeder weiche Rohre bis etwa 18 mm. Darüber wird es kraftaufwendig und ungenau.
Wo bekomme ich ein Biegegerät?
Einfache Biegezangen kosten ab etwa 25 Euro, Geräte mit mehreren Segmenten 50 bis 150 Euro. Viele Mietstationen verleihen sie auch.



