Stinkender Abfluss

Inhalt10 Abschnitte
- Ursache 1: Der Geruchsverschluss ist leer
- Ursache 2: Beläge im Rohr
- Ursache 3: Der Siphon sitzt falsch oder ist undicht
- Ursache 4: Fehlende oder verstopfte Rohrbelüftung
- Sonderfall Waschmaschine und Spülmaschine
- Was nichts nützt
- Die einfache Vorbeugung
- Wann es ernst ist
- Schnell prüfen: welche Ursache ist es?
- Der Sonderfall Bodenablauf im Keller
Ein riechender Abfluss ist fast nie ein Hygieneproblem der Wohnung, sondern ein technisches. Vier Ursachen decken nahezu alle Fälle ab, und sie lassen sich der Reihe nach ausschließen.
Ursache 1: Der Geruchsverschluss ist leer
Jeder Ablauf hat einen Siphon, in dem Wasser steht. Dieses Sperrwasser trennt den Raum vom Kanalnetz. Verdunstet es, steigt der Kanalgeruch ungehindert auf.
Typisch bei: selten genutzten Abflüssen – Gäste-WC, Bodenablauf im Keller, Waschbecken in der Waschküche, Dusche nach dem Urlaub.
Die Lösung: einen Eimer Wasser einlaufen lassen. Der Geruch ist meist binnen Minuten weg.
Dauerhaft: Bei Abläufen, die wochenlang ungenutzt bleiben, gießen Sie einen Esslöffel Speiseöl nach. Es schwimmt auf und verhindert die Verdunstung. Für Bodenabläufe gibt es außerdem Einsätze mit Rückstauverschluss.

Ursache 2: Beläge im Rohr
An der Rohrwand bildet sich über Monate eine Schicht aus Fett, Seifenresten, Haaren und Hautschuppen. Sie zersetzt sich und riecht faulig.
Typisch bei: Küchenspüle, Dusche, Waschbecken – also überall dort, wo regelmäßig Fett oder Seife hineinläuft.
Die Lösung: Der Siphon wird geöffnet und ausgeräumt. Danach ein Enzymreiniger über Nacht – er baut organisches Material biologisch ab und ist für diesen Zweck die wirksamste Behandlung.
Chemischer Rohrreiniger löst den Geruch nur kurzfristig; er greift die Beläge an, entfernt sie aber nicht vollständig.
Ursache 3: Der Siphon sitzt falsch oder ist undicht
Nach einer Reinigung wieder eingesetzt, aber nicht bis zum Anschlag – dann fehlt der Geruchsverschluss ganz oder teilweise.
Typisch bei: Duschen mit Glockensiphon, kurz nachdem jemand den Ablauf gereinigt hat.
Die Lösung: Glocke oder Tasse herausnehmen und kontrolliert wieder einsetzen. Prüfen Sie außerdem die Dichtungen der Überwurfmuttern – eine verhärtete Dichtung lässt Luft durch.
Ursache 4: Fehlende oder verstopfte Rohrbelüftung
Der Fall, den die meisten nicht auf dem Schirm haben.
Eine Abwasseranlage braucht eine Belüftung, meist über eine Lüftungsleitung, die über das Dach führt. Fehlt sie oder ist sie verstopft – durch ein Vogelnest, Laub, Eis –, entsteht beim Abfließen Unterdruck. Der saugt das Sperrwasser aus den Siphons ab.
Erkennbar daran: Es gluckert beim Ablaufen. Der Geruch tritt auf, nachdem woanders im Haus Wasser abgelaufen ist – etwa wenn die Waschmaschine abpumpt oder die Toilette gespült wird. Mehrere Abläufe sind betroffen.
Die Lösung: Das ist ein Fall für den Fachbetrieb. Abhilfe schaffen die Reinigung der Lüftungsleitung oder der Einbau eines Rohrbelüfters, der Luft nachströmen lässt, ohne Gerüche durchzulassen.
Sonderfall Waschmaschine und Spülmaschine
Riecht es nur, wenn diese Geräte laufen, liegt es meist am Gerät selbst und nicht am Abfluss. Flusensieb, Türdichtung, Waschmittelschublade und Ablaufschlauch sind die üblichen Verdächtigen.
Ein Wartungsprogramm bei 90 Grad mit Zitronensäure oder Waschmaschinenreiniger löst das in den meisten Fällen.

Was nichts nützt
Duftsteine und Abflussdeos überdecken den Geruch, ohne die Ursache zu berühren. Nach ein paar Tagen ist er zurück – zusammen mit dem Duft.
Natron und Essig ist das populärste Hausmittel und das wirkungsloseste: Beide neutralisieren sich gegenseitig, übrig bleibt Salzwasser.
Chlorreiniger tötet Bakterien an der Oberfläche ab, entfernt aber keine Beläge. Und er darf keinesfalls mit sauren Reinigern zusammenkommen – dabei entsteht giftiges Gas.
Die einfache Vorbeugung
- Haarsieb in Dusche und Badewanne
- Fett nie in den Abfluss, sondern abkühlen lassen und in den Restmüll
- Einmal im Monat heißes Wasser mit Spülmittel durchlaufen lassen
- Enzymreiniger alle paar Wochen über Nacht, wenn ein Abfluss zur Geruchsbildung neigt
- Siphon zweimal im Jahr öffnen und ausräumen
- Selten genutzte Abflüsse regelmäßig spülen
Wann es ernst ist
Riecht es dauerhaft aus mehreren Abläufen, steigt beim Spülen Wasser in der Toilette oder dringt Geruch aus der Wand, kann eine defekte Abwasserleitung dahinterstecken – ein Riss, eine offene Muffe, ein Rohrbruch im Erdreich.
Das ist kein Reinigungsproblem. Eine Kamerabefahrung für 150 bis 400 Euro zeigt, wo das Problem sitzt, und ist an dieser Stelle gut angelegtes Geld.
Schnell prüfen: welche Ursache ist es?
Eine kurze Reihenfolge, mit der Sie in wenigen Minuten eingrenzen können:
Riecht es nur an einem Ablauf? Dann Siphon und Beläge prüfen.
Riecht es an mehreren? Dann steht die Rohrbelüftung im Verdacht.
Verschwindet der Geruch nach einem Eimer Wasser? Dann war das Sperrwasser verdunstet.
Gluckert es beim Ablaufen? Rohrbelüftung.
Tritt der Geruch auf, nachdem woanders Wasser abgelaufen ist? Ebenfalls Rohrbelüftung.
Riecht es nur bei laufender Waschmaschine? Dann liegt es am Gerät, nicht am Abfluss.
Diese sechs Fragen führen in den allermeisten Fällen zur richtigen Ursache – und ersparen die falsche Behandlung.
Der Sonderfall Bodenablauf im Keller
Kellerabläufe sind die häufigste Geruchsquelle im ganzen Haus – und die am leichtesten zu behebende.
Sie werden selten benutzt, das Sperrwasser verdunstet, und der Kanalgeruch steigt ungehindert auf. Zwei Liter Wasser alle paar Wochen lösen das.
Wer den Ablauf gar nicht mehr braucht, kann einen Rückstauverschluss oder einen dichten Aufsatz einsetzen. Zuschütten oder zubetonieren sollte man ihn nicht: Bei einem Wasserschaden oder einer undichten Waschmaschine ist er der Weg, auf dem das Wasser abläuft.
Prüfen Sie bei dieser Gelegenheit auch, ob der Ablauf überhaupt funktioniert. Ein zugesetzter Kellerablauf fällt erst auf, wenn man ihn braucht – und dann steht das Wasser.



