Weißkalkhydrat

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Weißkalkhydrat ist gelöschter Kalk – ein feines, weißes Pulver aus Calciumhydroxid, das seit Jahrhunderten für Mörtel, Putz und Farbe verwendet wird. Es härtet an der Luft aus, indem es Kohlendioxid aufnimmt und wieder zu Kalkstein wird. Der Stoff ist stark alkalisch und ätzend für die Augen; wer damit arbeitet, braucht eine Schutzbrille.
Was Weißkalkhydrat ist
Chemisch ist es Calciumhydroxid, Ca(OH)₂. Es entsteht in zwei Schritten: Kalkstein wird bei etwa 900 °C gebrannt, dabei entweicht Kohlendioxid, und es bleibt Branntkalk (Calciumoxid). Dieser wird anschließend mit Wasser „gelöscht“, wobei viel Wärme frei wird. Das Ergebnis ist Kalkhydrat, im Handel als trockenes Pulver.
Die Bezeichnung auf dem Sack lautet meist CL 90-S. CL steht für Calcium Lime (Luftkalk), 90 für den Mindestanteil von Calcium- und Magnesiumoxid in Prozent, S für „slaked“, also gelöscht. Die Anforderungen regelt die DIN EN 459-1, die ältere Norm DIN 1060 wird noch oft zitiert.
Die wichtigsten Eigenschaften
| pH-Wert | Gesättigte Lösung etwa 12,4 – stark alkalisch |
| Erhärtung | An der Luft durch Aufnahme von CO₂ (Carbonatisierung), langsam, über Wochen bis Monate |
| Wasserdampf | Sehr diffusionsoffen, reguliert Feuchte |
| Wirkung gegen Schimmel | Hohe Alkalität hemmt Pilzwachstum, solange der Kalk nicht durchcarbonatisiert ist |
| Festigkeit | Gering im Vergleich zu Zement, dafür elastisch und rissarm |
Weil Luftkalk nur an der Luft erhärtet, eignet er sich nicht für ständig nasse Bauteile, Sockel im Spritzwasserbereich oder unter Wasser. Dort braucht es hydraulischen Kalk oder Zement.
Kalk ist nicht gleich Kalk
- Branntkalk (Weißfeinkalk, CL 90-Q): ungelöscht, reagiert heftig mit Wasser und wird dabei heiß. Gefährlich in der Handhabung, im Heimwerkerbereich selten nötig.
- Weißkalkhydrat (CL 90-S): gelöscht, als Pulver, das Standardprodukt im Baumarkt.
- Sumpfkalk: gelöschter Kalk, der monatelang oder jahrelang unter Wasser gelagert wurde. Feiner, geschmeidiger, ideal für Kalkfarbe und Feinputz.
- Hydraulischer Kalk (NHL): enthält Anteile, die auch unter Wasser erhärten. Für Außenputz und Mauerwerk mit Feuchtebelastung.
- Kohlensaurer Kalk: gemahlener Kalkstein, als Garten- oder Rasenkalk im Handel. Chemisch etwas völlig anderes.
Wofür Heimwerker es nutzen
Kalkmörtel und Kalkputz. Weißkalkhydrat mit Sand gemischt ergibt einen weichen, diffusionsoffenen Mörtel für Altbau, Fachwerk und Innenputz. Mehr dazu unter Kalkmörtel.
Zusatz zu Zementmörtel. Eine Portion Kalk macht Zementmörtel geschmeidiger und besser verarbeitbar. Das ist das Prinzip von Kalkzementputz.
Kalkfarbe und Kalkmilch. Mit Wasser angerührt, entsteht ein Anstrich für Keller, Stall, Gewölbe und Altbauwände. Wer eine feinere Farbe will, nimmt Sumpfkalk; siehe Kalkfarbe.
Desinfektion. In Ställen und Kellern wird Kalkmilch wegen ihrer Alkalität gegen Keime und Schimmel eingesetzt.
Mörtel anmischen
Ein klassisches Mischungsverhältnis für Kalkmörtel liegt bei 1 Teil Kalkhydrat auf 3 Teile Sand, nach Volumen. Erst trocken mischen, dann nach und nach Wasser zugeben, bis eine geschmeidige, nicht fließende Masse entsteht. Kalkmörtel bleibt deutlich länger verarbeitbar als Zementmörtel, weil er nicht chemisch mit Wasser abbindet. Wie man Mörtel allgemein richtig anrührt, steht in der Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Wichtig: Kalkputz muss langsam trocknen. Bei Sonne, Wind oder Frost verdunstet das Wasser, bevor der Kalk carbonatisieren kann, und der Putz sandet ab. Die Fläche einige Tage feucht halten, etwa durch leichtes Besprühen.
Kalkfarbe selbst ansetzen
- Einsumpfen. Kalkhydrat in einen Eimer mit Wasser einrühren, bis ein dicker Brei entsteht, und mindestens über Nacht, besser einige Tage abgedeckt stehen lassen.
- Verdünnen. Den Brei mit Wasser zu einer milchigen Flüssigkeit verrühren. Sie darf ruhig dünn sein.
- Mehrere dünne Schichten. Kalkfarbe deckt nass kaum; erst nach dem Trocknen wird sie weiß. Zwei bis vier Anstriche sind normal.
- Untergrund vorbereiten. Kalk hält auf Kalk- und Kalkzementputz, auf Lehm und Naturstein. Auf Dispersionsfarbe, Tapete oder Gips haftet er schlecht.
Sicherheit
Weißkalkhydrat trägt Gefahrenhinweise für Hautreizung, schwere Augenschäden und Reizung der Atemwege. Beim Anrühren staubt es, und ein Spritzer Kalkmilch im Auge kann die Hornhaut verätzen.
- Schutzbrille mit Seitenschutz tragen, nicht nur eine normale Brille.
- Handschuhe aus Nitril oder gummiertem Stoff, lange Ärmel.
- Staubmaske beim Umfüllen und Mischen des Pulvers.
- Im Notfall: Auge sofort mindestens 10 bis 15 Minuten unter fließendem Wasser spülen und einen Augenarzt aufsuchen.
Typische Fehler
- Kalkputz auf Gips oder Dispersionsfarbe. Der Kalk findet dort keinen Halt und blättert ab. Alte Anstriche müssen herunter.
- Zu schnell getrocknet. Sonne und Zugluft lassen den Putz absanden, bevor er fest wird.
- Mit Zement verwechselt. Reiner Kalkmörtel wird nie so hart wie Zementmörtel und gehört nicht in den Sockel oder unter Fliesen im Nassbereich.
- Ohne Schutzbrille angerührt. Der häufigste Unfall mit Kalk ist ein Spritzer beim Mischen.
Lagerung
Kalkhydrat nimmt aus der Luft Kohlendioxid und Feuchtigkeit auf und wird dabei langsam unbrauchbar. Angebrochene Säcke gut verschlossen und trocken lagern, am besten auf einer Palette statt direkt auf dem Kellerboden. Klumpiges, verhärtetes Pulver hat bereits teilweise carbonatisiert und bindet schlechter.
Häufige Fragen
Was kostet Weißkalkhydrat?
Ein 25-kg-Sack kostet im Baustoffhandel meist zwischen 10 und 25 Euro. Fertige Kalkfarben und Kalkputze sind deutlich teurer, sparen aber das Anmischen.
Kann ich Weißkalkhydrat als Rasenkalk verwenden?
Besser nicht. Es wirkt stark und schnell und kann Pflanzen und Bodenleben schädigen. Für den Garten ist kohlensaurer Kalk gedacht; siehe Rasenkalk.
Was bedeutet E 526?
Unter dieser Nummer ist Calciumhydroxid als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen, etwa als Säureregulator. Baukalk aus dem Baumarkt ist dafür natürlich nicht gedacht.

