Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Acryl oder Silikon: Unterschiede und Einsatzbereiche

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 11 Abschnitte
Acryl oder Silikon: Unterschiede und Einsatzbereiche
Inhalt11 Abschnitte
  1. Was Acryl ist
  2. Was Silikon ist
  3. Die Unterschiede auf einen Blick
  4. Wo Acryl hingehört
  5. Wo Silikon hingehört
  6. Vorsicht bei Naturstein und Metall
  7. Hybride: das Beste aus beiden?
  8. Die Fuge richtig dimensionieren
  9. Verarbeitung: gleich und doch anders
  10. Typische Fehler
  11. Häufige Fragen

Acryl und Silikon sehen in der Kartusche gleich aus und werden gleich verarbeitet. Damit enden die Gemeinsamkeiten. Acryl lässt sich überstreichen, verträgt aber kaum Bewegung und kein Dauerwasser. Silikon ist dauerelastisch und wasserfest, nimmt aber keine Farbe an. Aus diesen zwei Sätzen ergibt sich fast jede Entscheidung.

Was Acryl ist

Acryl-Dichtstoff ist eine Kunststoffdispersion auf Wasserbasis. Er härtet aus, indem das Wasser verdunstet. Dabei schrumpft er etwas – tiefe Fugen sinken leicht ein.

Nach dem Aushärten ist Acryl plastoelastisch: Es gibt etwas nach, reißt aber, wenn sich die Fuge dauerhaft stark bewegt. Dafür haften Farbe und Putz gut darauf. Frisches Acryl lässt sich mit Wasser glätten und von Werkzeug abwaschen.

Was Silikon ist

Silikon ist ein Kunststoff auf Basis von Siliziumverbindungen. Er härtet mit der Luftfeuchtigkeit aus und bleibt danach dauerhaft gummielastisch. Silikonfugen nehmen Bewegungen zwischen verschiedenen Bauteilen auf – etwa zwischen Badewanne und Fliese, die sich beim Befüllen absenkt.

Silikon ist wasserdicht, beständig gegen UV und Temperaturwechsel. Farbe hält darauf nicht; sie perlt ab oder blättert nach kurzer Zeit.

Die Unterschiede auf einen Blick

EigenschaftAcrylSilikon
Elastizitätgering, plastoelastischhoch, dauerelastisch
Überstreichbarjanein
Wasserbeständigkeitspritzwasserfest, nicht für Dauernässewasserdicht
Schrumpfmerklichkaum
Glätten mitWasserGlättmittel oder Spülwasser
Preis je Kartuschegünstigeretwas teurer
Entfernenleichtmühsam, Rückstände

Wo Acryl hingehört

  • Anschlussfugen im Innenraum, die gestrichen werden: Wand zu Decke, Wand zu Türzarge, Fensterbank innen.
  • Risse in Putz und Gipskarton, bevor gestrichen oder tapeziert wird.
  • Fugen an Fußleisten und Treppenwangen, die in Wandfarbe verschwinden sollen.

Wie die Fuge sauber wird, steht unter Acrylfuge ziehen.

Wo Silikon hingehört

  • Bad und Küche: Duschwanne, Badewanne, Waschtisch, Arbeitsplatte zur Wand. Hier braucht es Sanitärsilikon mit Fungizid gegen Schimmel.
  • Glas und Metall, etwa Fensteranschlüsse und Aquarien – mit dafür zugelassenen Produkten.
  • Bewegungsfugen zwischen Bauteilen aus verschiedenen Materialien.
  • Fugen im Außenbereich, sofern keine Farbe darauf soll.
Sanitärsilikon wird aufgetragen
Sanitärsilikon wird aufgetragen | Foto: / Depositphotos.com

Vorsicht bei Naturstein und Metall

Viele günstige Silikone vernetzen essigsauer – man riecht es beim Verarbeiten. Die dabei frei werdende Säure kann Naturstein wie Marmor oder Kalkstein dauerhaft verfärben und empfindliche Metalle angreifen. Für Naturstein gibt es neutral vernetzendes Natursteinsilikon, das keine Randzonen verfärbt. Auch auf Spiegeln ist neutrales Silikon Pflicht, sonst wird die Spiegelschicht angegriffen.

Hybride: das Beste aus beiden?

MS-Polymere und Hybrid-Dichtstoffe sind elastisch wie Silikon und trotzdem überstreichbar. Sie haften auf vielen Untergründen, auch feucht, und eignen sich für Fugen, die Bewegung aufnehmen und gleichzeitig gestrichen werden sollen, etwa außen am Fensteranschluss. Sie sind teurer als beide Klassiker, lösen aber manches Dilemma.

Die Fuge richtig dimensionieren

Eine Dichtstofffuge darf nur an zwei Seiten haften, an den Flanken. Haftet sie auch am Fugengrund, reißt sie bei Bewegung. Tiefe Fugen werden deshalb mit einer Rundschnur aus PE-Schaum hinterfüllt. Als Faustregel gilt: Die Fuge sollte etwa halb so tief wie breit sein, mindestens aber einige Millimeter.

Zu dünne Fugen reißen ab, zu dicke härten schlecht durch – Silikon trocknet von außen nach innen und braucht für 2 bis 3 mm etwa einen Tag. Mehr zum Thema unter dauerelastische Fuge.

Verarbeitung: gleich und doch anders

Beide Dichtstoffe kommen aus derselben Kartuschenpresse, und die Grundregeln sind dieselben: Untergrund sauber, trocken und fettfrei, Ränder abkleben, in einem Zug ziehen, sofort glätten und das Klebeband abziehen, solange die Masse frisch ist.

Die Unterschiede liegen im Detail. Acryl glättet man mit klarem Wasser, Silikon mit Glättmittel oder Wasser mit einem Tropfen Spülmittel. Acryl lässt sich frisch mit Wasser abwaschen, Silikon nur mit Tüchern und Lösungsmittel. Und Silikon verlangt beim Untergrund mehr Sorgfalt: Auf Staub, Seifenresten und alten Silikonfilmen haftet es schlecht. Ein Reiniger auf Alkoholbasis vor dem Verfugen hilft.

Typische Fehler

  • Acryl in der Dusche. Hält ein paar Monate, dann schimmelt und löst es sich.
  • Silikon überstrichen. Die Farbe blättert ab, die Wand sieht schlimmer aus als vorher.
  • Neues Silikon auf alte Reste. Silikon haftet schlecht auf Silikon. Die alte Fuge muss vollständig raus, siehe Silikonfugen entfernen.
  • Badewanne leer verfugt. Füllen Sie sie vorher mit Wasser, damit sie abgesenkt ist; sonst reißt die Fuge beim ersten Bad.

Häufige Fragen

Welches Material für die Fensterbank?

Innen Acryl, wenn gestrichen wird. Außen Silikon oder Hybrid-Dichtstoff, weil hier Bewegung und Wetter wirken.

Wie lange halten die Fugen?

Silikonfugen im Bad sind Wartungsfugen und halten oft fünf bis zehn Jahre, bis Schimmel oder Ablösung einen Austausch nötig machen. Acryl im Trockenbereich hält, solange die Fuge sich nicht stark bewegt.

Welches ist für Einsteiger leichter?

Acryl. Es verzeiht mehr, lässt sich mit Wasser korrigieren und abwaschen, und kleine Unebenheiten verschwinden unter der Farbe. Silikon zeigt jeden Absatz und jede Delle dauerhaft.

Kann ich Acryl über Silikon auftragen?

Nein. Acryl haftet auf Silikon nicht. Das Silikon muss vollständig entfernt werden.

Das könnte Sie auch interessieren