Gewindenietzange

Inhalt9 Abschnitte
Mit einer Gewindenietzange setzen Sie Blindnietmuttern: kleine Hülsen mit Innengewinde, die in ein Bohrloch gesteckt und von vorn verpresst werden. Danach hat das Blech ein belastbares Gewinde, und das ohne Zugang zur Rückseite. Das ist die Lösung, wenn eine Schraube in dünnem Blech, einem Hohlprofil oder einer Wand halten soll, hinter die keine Mutter passt.
Wie eine Blindnietmutter funktioniert
Die Nietmutter wird auf einen Gewindedorn der Zange geschraubt und in das Bohrloch gesteckt. Beim Zusammendrücken der Griffe zieht der Dorn das Gewinde nach vorn. Der dünnwandige Schaft der Mutter staucht sich hinter dem Blech zu einem Wulst und klemmt das Material zwischen Kopf und Wulst fest. Dann wird der Dorn herausgedreht, und die Mutter bleibt mit freiem Gewinde zurück.
Wo sie eingesetzt werden:
- Fahrzeugbau: Anbauteile an Rahmen, Karosserie und Anhänger.
- Metallbau: Befestigungen an Vierkant- und Rundrohren.
- Möbel und Ladenbau: Gewinde in Aluminiumprofilen.
- Gehäuse und Schaltschränke: Montagepunkte in dünnen Blechen.
- Wohnmobil- und Bootsausbau: Befestigungen an Wänden mit Hohlraum.
Die Bauarten der Zange
| Bauart | Kraft | Typische Gewinde |
| Einhandzange | gering | M3 bis M6, vor allem Aluminium |
| Zweihandzange mit langen Hebeln | hoch | M5 bis M10, Stahl und Edelstahl |
| Scherenzange (Gelenkhebel) | sehr hoch | bis M12, auch Edelstahl |
| Akku- oder Druckluftgerät | maschinell | Serienarbeit |
Für den gelegentlichen Einsatz bis M8 in Stahl ist eine Zweihandzange mit langen Hebeln die richtige Wahl. Wer mit dem Akkuschrauber arbeiten will, findet Alternativen beim Nietaufsatz für den Akkuschrauber. Einen Überblick über weitere Modelle bietet der Beitrag zur Nietmutternzange.
Die richtige Nietmutter
Kopfform. Flachkopf ist Standard und steht etwa 1 mm über. Senkkopf sitzt bündig in einer angesenkten Bohrung. Kleinkopf braucht wenig Platz, hält aber etwas weniger.
Schaft. Glatte, runde Schäfte können sich bei hohem Anzugsmoment mitdrehen. Gerändelte oder sechskantige Schäfte sind verdrehsicher und die bessere Wahl, wenn später oft geschraubt wird. Sechskantschäfte brauchen allerdings ein Sechskantloch.
Material. Verzinkter Stahl für die meisten Anwendungen, Edelstahl für außen und feuchte Bereiche, Aluminium für Aluminiumbleche und wenn wenig Setzkraft zur Verfügung steht.
Klemmbereich. Jede Nietmutter ist für einen bestimmten Bereich von Blechstärken ausgelegt, etwa 0,5 bis 3 mm. Zu dünnes Blech wird nicht gegriffen, zu dickes lässt den Wulst nicht entstehen. Die Angabe steht auf der Verpackung.
Das Bohrloch
Der Bohrdurchmesser richtet sich nach dem Schaft der Nietmutter und steht in der Tabelle des Herstellers. Bei gängigen Flachkopf-Nietmuttern sind es zum Beispiel für M6 meist 9 mm. Das Loch muss exakt passen: Ist es zu groß, dreht sich die Mutter mit oder wird durchgezogen; ist es zu klein, passt sie nicht hinein. Bohren Sie mit einem scharfen Bohrer und entgraten Sie das Loch auf beiden Seiten.
So setzen Sie eine Nietmutter
- Dorn und Mundstück passend zur Gewindegröße einsetzen.
- Setzweg einstellen. Bei vielen Zangen gibt es eine Stellschraube, die den Hub begrenzt. Den Wert findet man durch einen Probeversuch an einem Reststück.
- Nietmutter aufschrauben, bis sie am Mundstück anliegt.
- In das Loch stecken, die Zange senkrecht zum Blech halten.
- Griffe zusammendrücken, bis der Anschlag erreicht ist.
- Dorn herausdrehen. Prüfen, ob die Mutter fest sitzt und sich nicht mitdreht.
Typische Fehler
- Setzweg zu groß. Das Gewinde wird gestaucht oder abgerissen, die Schraube geht später schwer oder gar nicht hinein.
- Setzweg zu klein. Der Wulst bildet sich nicht vollständig, die Mutter dreht sich im Loch.
- Zange schräg gehalten. Die Mutter setzt sich einseitig, der Kopf liegt nicht an.
- Falscher Klemmbereich. Die Mutter hält bei zu dünnem oder zu dickem Material nicht.
- Dorn verschlissen. Ein beschädigtes Dorngewinde zerstört das Gewinde der Nietmutter. Dorne sind Verschleißteile.
Nietmutter oder Gewinde schneiden?
In Blech unter etwa 3 mm reicht die Materialstärke nicht für ein geschnittenes Gewinde: Es hätte nur ein bis zwei tragende Gänge und würde ausreißen. Hier ist die Nietmutter klar überlegen. In dickem Material ist dagegen ein geschnittenes Gewinde die einfachere und festere Lösung.
Grenzen
Blindnietmuttern übertragen Zug- und Querkräfte gut, sind aber keine Schweißmutter. Bei stark wechselnden Lasten oder Vibrationen kann eine glatte Nietmutter sich lockern. Für sehr hohe Lasten sind durchgehende Verschraubungen mit Mutter oder eingeschweißte Gewinde besser. Für Holz, Kunststoff und weiche Werkstoffe gibt es eigene Spreiz- oder Einschlagmuttern.
Normale Blindniete ohne Gewinde verarbeitet man mit der Blindnietzange oder Popnietzange.
Häufige Fragen
Was kostet eine Gewindenietzange?
Sets aus Zange, Dornen und Sortiment Nietmuttern gibt es ab etwa 30 Euro. Robuste Zangen für Stahl und Edelstahl bis M10 liegen bei 50 bis 150 Euro.
Kann ich eine gesetzte Nietmutter wieder entfernen?
Ja, indem man den Kopf mit einem Bohrer in Schaftgröße abbohrt und den Rest nach hinten durchschlägt. Das Loch wird dabei meist etwas größer.
Hält eine Nietmutter in Aluminium?
Ja, bei passender Nietmutter aus Aluminium oder Stahl und richtigem Klemmbereich. Das Anzugsmoment der Schraube sollte bei weichen Blechen maßvoll bleiben.


