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Heimwerker-Berater

Kalkmörtel

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 10 Abschnitte
Kalkmörtel
Inhalt10 Abschnitte
  1. Wie Kalkmörtel abbindet
  2. Mörtelgruppen – alt und neu
  3. Wo Kalkmörtel hingehört
  4. Warum Zement im Altbau schadet
  5. Anmischen
  6. Verarbeiten und nachbehandeln
  7. Alte Fugen erneuern
  8. Typische Fehler
  9. Sicherheit
  10. Häufige Fragen

Kalkmörtel ist ein Mörtel mit Kalk als Bindemittel statt Zement. Er ist weicher, elastischer und diffusionsoffener als Zementmörtel und bindet langsamer ab. Genau deshalb ist er der richtige Mörtel für Altbauten, Fachwerk und Natursteinmauern – und der falsche für tragende Neubauwände oder Sockel, die ständig nass werden.

Wie Kalkmörtel abbindet

Es gibt zwei Arten von Baukalk. Luftkalk härtet nur, indem er Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt und wieder zu Kalkstein wird. Das braucht Luft, eine gewisse Restfeuchte und viel Zeit: Die volle Festigkeit entwickelt sich über Monate, im Inneren dicker Fugen über Jahre.

Hydraulischer Kalk, als natürlicher hydraulischer Kalk mit NHL bezeichnet, enthält zusätzlich Bestandteile, die mit Wasser reagieren. Er bindet auch ohne Luftzutritt ab, ist früher belastbar und verträgt mehr Feuchte. Die Zahl hinter NHL (2, 3,5 oder 5) gibt die Mindestdruckfestigkeit in N/mm² an.

Mörtelgruppen – alt und neu

Viele Anleitungen und ältere Pläne nennen noch die alten Bezeichnungen. Die Zuordnung hilft beim Lesen:

Alte BezeichnungBindemittelHeutige Einordnung, grob
Mauermörtel MG IKalkMauermörtel geringer Festigkeit nach DIN EN 998-2
Mauermörtel MG II / IIaKalk-ZementM 2,5 bzw. M 5
Putzmörtel P ILuft- oder hydraulischer KalkFestigkeitsklasse CS I nach DIN EN 998-1
Putzmörtel P IIKalk-ZementCS II

Die europäischen Normen DIN EN 998-1 für Putzmörtel und DIN EN 998-2 für Mauermörtel unterscheiden nach Festigkeit und Verwendungszweck statt nach Bindemittel. Auf dem Sack steht beides meist dabei.

Wo Kalkmörtel hingehört

  • Altbau und Denkmalpflege: Neuer Mörtel muss weicher sein als der Stein, damit Spannungen in der Fuge enden und nicht im Stein.
  • Fachwerk: Ausfachungen und Putz müssen die Bewegungen des Holzes mitmachen.
  • Natursteinmauerwerk, besonders weicher Sandstein und Kalkstein.
  • Innenputz in Wohnräumen, wegen der feuchteregulierenden und schimmelhemmenden Wirkung.
  • Neuverfugung historischer Ziegelmauern.

Nicht geeignet ist reiner Kalkmörtel für hoch belastetes Mauerwerk, Sockel und erdberührte Bereiche. Dort kommen Kalkzement- oder Zementmörtel zum Einsatz, etwa Trasszementmörtel für Naturstein im Außenbereich.

Warum Zement im Altbau schadet

Ein harter Zementmörtel in einer weichen Ziegel- oder Sandsteinwand kehrt das Prinzip um: Die Fuge wird härter und dichter als der Stein. Feuchte kann nur noch über den Stein verdunsten, Salze reichern sich darin an, und bei Frost platzen die Steinkanten ab, während die Fuge unversehrt stehen bleibt. Der Mörtel soll immer das Opfer sein, nicht der Stein. Deshalb werden historische Mauern mit Kalkmörtel neu verfugt.

Anmischen

Fertiger Kalkmörtel als Trockenmörtel ist die sicherste Wahl, weil Körnung und Mischung stimmen. Wer selbst mischt, nimmt gewaschenen, gemischtkörnigen Sand und Kalk im Volumenverhältnis von etwa 1 : 3. Für sanierte Denkmäler wird die Rezeptur oft auf den Bestand abgestimmt, dafür gibt es Mörtelanalysen.

  1. Trocken vormischen, dann Wasser zugeben, bis eine geschmeidige, nicht flüssige Masse entsteht.
  2. Gründlich durchmischen, am besten mit dem Rührquirl oder im Zwangsmischer.
  3. Kalkmörtel darf stehen: Luftkalkmörtel bleibt im abgedeckten Kübel lange verarbeitbar. Hydraulischer Kalk bindet dagegen ab und sollte in einigen Stunden verbraucht sein.

Grundlagen zum Anrühren stehen unter Mörtel richtig anrühren.

Verarbeiten und nachbehandeln

Der Untergrund wird gereinigt und gut vorgenässt, damit er dem Mörtel nicht das Wasser entzieht. Fugen werden etwa 2 cm tief ausgekratzt und in Lagen gefüllt. Anschließend braucht Kalkmörtel Geduld: Er darf nicht zu schnell austrocknen. In den ersten Tagen feucht halten, vor Sonne, Wind und Schlagregen schützen, etwa mit Jutetuch oder Folie mit Abstand. Frost ist tabu, bis der Mörtel ausreichend fest ist; in der Praxis heißt das Verarbeitung bei mindestens 5 °C und nicht kurz vor dem Winter.

Alte Fugen erneuern

Mürbe, ausgewaschene Fugen in Ziegel- oder Natursteinmauern werden mit einem Fugeisen oder einem schmalen Meißel ausgekratzt, nicht mit dem Winkelschleifer, der die Steinkanten beschädigt. Die Tiefe sollte etwa das Doppelte der Fugenbreite betragen, mindestens 15 bis 20 mm. Anschließend wird ausgeblasen oder ausgebürstet und kräftig vorgenässt. Der neue Mörtel wird mit dem Fugeisen in Lagen eingedrückt und verdichtet, bis die Fuge voll ist. Nach dem Anziehen wird die Oberfläche mit einem Holz oder einer Bürste bearbeitet, damit sie der Umgebung ähnelt. Die Farbe des neuen Mörtels hängt stark vom Sand ab; eine Musterfläche an unauffälliger Stelle erspart Überraschungen.

Typische Fehler

  • Zementhaltigen Fertigmörtel in eine historische Kalkwand gesetzt. Die Steine leiden, nicht die Fuge.
  • Trocken verarbeitet. Der Untergrund saugt dem Mörtel das Wasser weg, er „verdurstet“ und bleibt mürbe.
  • Kurz vor dem ersten Frost gearbeitet. Luftkalkmörtel braucht Wochen, bevor er Frost verträgt.

Sicherheit

Kalk ist stark alkalisch und ätzend. Schutzbrille und Handschuhe sind beim Anmischen Pflicht, Spritzer ins Auge sofort mit viel Wasser ausspülen und ärztlich untersuchen lassen. Beim Umgang mit Kalkpulver eine Staubmaske tragen.

Häufige Fragen

Wie lange braucht Kalkmörtel zum Aushärten?

Oberflächlich ist er nach Tagen fest, die volle Festigkeit durch Karbonatisierung erreicht er nach Monaten. Hydraulische Kalkmörtel sind schneller belastbar.

Bei welchen Temperaturen verarbeite ich Kalkmörtel?

Zwischen etwa 5 und 25 °C, nicht bei Frostgefahr, nicht in praller Sonne. Die ideale Jahreszeit ist der späte Frühling.

Was kostet Kalkmörtel?

Fertige Kalkmörtel als Trockenmörtel kosten je nach Qualität und Sackgröße meist etwa 10 bis 30 Euro für 25 bis 30 kg, Spezialmörtel für die Denkmalpflege mehr. Wann welcher Baustoff passt, zeigt Zement, Mörtel, Putz oder Beton.

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