Kantenfräse

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Eine Kantenfräse ist eine kleine, handliche Oberfräse, die man mit einer Hand führen kann. Sie hat eine flache Grundplatte, einen kompakten Motor und nimmt Fräser mit 6 oder 8 mm Schaft auf. Ihre Domäne sind Kanten: runden, fasen, profilieren und überstehende Umleimer oder Laminat exakt bündig abfräsen. Für tiefe Nuten und große Profile ist die größere Oberfräse zuständig.
Kantenfräse, Einhandfräse, Oberfräse
Die Begriffe überschneiden sich. Kantenfräse und Einhandfräse bezeichnen meist dasselbe Gerät: eine kompakte Fräse mit 500 bis 800 Watt, die sich mit einer Hand führen lässt. Mit angebautem Tauchkorb wird aus manchen Modellen eine kleine Oberfräse. Die klassische Oberfräse ist größer, schwerer, stärker und wird immer mit zwei Händen geführt. Wer die Unterschiede genauer sehen möchte, findet sie im Beitrag Oberfräse, Kantenfräse und Einhandfräse. Die allgemeinen Grundlagen des Fräsens stehen bei der Handfräse.
Was eine Kantenfräse kann
- Kanten abrunden an Tischplatten, Regalböden und Brettern.
- Fasen unter 45 Grad oder anderen Winkeln.
- Umleimer bündig fräsen. Aufgebügelte oder verleimte Kantenstreifen stehen immer etwas über; die Fräse nimmt den Überstand exakt bis zur Plattenfläche ab.
- Schichtstoff und Laminat an Arbeitsplatten bündig abfräsen. Dafür wurden Kantenfräsen ursprünglich entwickelt, im Englischen heißen sie deshalb Laminate Trimmer.
- Kleine Nuten und Falze mit Parallelanschlag.
- Schablonenarbeit mit Kopierring an kleinen Teilen.
Leistung und Drehzahl
Kantenfräsen haben meist zwischen 500 und 800 Watt und drehen im Leerlauf bis etwa 30.000 Umdrehungen je Minute. Für Kanten mit kleinen Fräsern ist die hohe Drehzahl ein Vorteil, sie ergibt eine glatte Oberfläche. Eine Drehzahlregelung ist trotzdem wichtig: Kunststoffe schmelzen bei zu hoher Drehzahl, und größere Profilfräser brauchen weniger Umdrehungen. Akkumodelle gibt es ebenfalls; sie sind besonders praktisch auf der Baustelle, etwa beim Anpassen von Arbeitsplatten.
Grundplatten und Zubehör
Der Wert einer Kantenfräse zeigt sich in ihrem Zubehör.
| Gerade Grundplatte | Standard für Kantenprofile mit Anlaufkugellager. |
| Schräg verstellbare Grundplatte | Für Fasen und Kanten in beliebigem Winkel. |
| Führungsrolle | Stützt die Fräse an der Kante, wenn der Fräser kein Lager hat. |
| Parallelanschlag | Für Nuten und Falze in festem Abstand zur Kante. |
| Tauchkorb | Macht die Kantenfräse zur kleinen Oberfräse. |
| Absaugadapter | Für Staub- und Spanabsaugung. |
Die passenden Fräser
Für Kantenarbeit braucht man vor allem Fräser mit Anlaufkugellager. Das Lager läuft an der Kante des Werkstücks entlang und begrenzt die seitliche Frästiefe, sodass man keinen Anschlag braucht.
- Bündigfräser: gerade Schneide, Lager oben oder unten, für Umleimer und Schablonen.
- Abrundfräser: Radien von etwa 2 bis 10 mm für Kanten.
- Fasefräser: meist 45 Grad.
- Profilfräser: Hohlkehle, Karnies, Viertelstab für Zierkanten.
Kaufen Sie Fräser mit Hartmetallschneiden und passendem Schaftdurchmesser. Die Schaftgröße muss zur Spannzange passen; 6 und 8 mm sind die Regel.
Schritt für Schritt: Umleimer bündig fräsen
- Umleimer vollständig aushärten lassen. Frischer Leim schmiert und reißt den Streifen ab.
- Bündigfräser einsetzen und die Tiefe so einstellen, dass die Schneide die ganze Umleimerhöhe erfasst und das Lager an der Platte läuft.
- Probefräsen an einem Reststück.
- Fräse flach auf die Plattenfläche setzen, anlaufen lassen und gegen die Drehrichtung des Fräsers entlang der Kante führen.
- Ecken vorsichtig umfahren. Am Ende einer Kante reißt das Material leicht aus; von der Ecke zur Mitte fräsen hilft.
- Kante mit Schleifklotz brechen, damit sie nicht scharf bleibt.
Sicherheit
Auch kleine Fräsen erreichen Lautstärken, bei denen Gehörschutz nötig ist. Eine Schutzbrille schützt vor Spänen, die mit hoher Geschwindigkeit wegfliegen. Werkstück immer festspannen, da man mit einer Hand fräst und die andere frei sein sollte, um die Maschine zu führen, nicht das Werkstück. Den Fräser wechselt man nur bei gezogenem Stecker oder entnommenem Akku.
Typische Fehler
- In die falsche Richtung geführt. Wer mit der Drehrichtung fräst, wird von der Maschine gezogen und reißt Kerben in die Kante. Außenkanten gegen den Uhrzeigersinn umfahren.
- Fräse gekippt. Weil man nur eine Hand am Gerät hat, neigt es sich an Kanten leicht. Die Grundplatte muss immer vollflächig aufliegen, bei schmalen Kanten hilft ein zweites Brett als Auflage.
- Zu viel auf einmal. Große Radien in Hartholz fräst man in zwei Durchgängen, sonst brennt das Holz an und der Motor wird überlastet.
- Kugellager nicht gereinigt. Harz und Leimreste bremsen das Lager, es läuft nicht mehr frei, hinterlässt Brandspuren und drückt Riefen in die Kante.
- Kunststoff mit voller Drehzahl. Acrylglas und Kantenstreifen aus Kunststoff schmelzen und verkleben den Fräser.
Worauf es beim Kauf ankommt
- Gute Sicht auf den Fräser, idealerweise mit transparenter Grundplatte und Arbeitslicht.
- Feine Tiefeneinstellung, möglichst mit Skala oder Stellrad.
- Spindelarretierung für einhändigen Fräserwechsel.
- Ergonomischer Griff, schlank genug für die Hand.
- Zubehör im Lieferumfang oder zumindest nachkaufbar.
Häufige Fragen
Was kostet eine Kantenfräse?
Einfache Geräte gibt es ab etwa 50 Euro. Markengeräte mit Drehzahlregelung und Zubehör liegen zwischen 100 und 250 Euro, Akkumodelle und Profigeräte mit Tauchkorb darüber.
Welche Materialien kann ich damit fräsen?
Holz, Holzwerkstoffe, Schichtstoff, Acrylglas und andere Kunststoffe, mit passenden Fräsern auch Mineralwerkstoffe. Für Kunststoffe die Drehzahl reduzieren.
Kann eine Kantenfräse die Oberfräse ersetzen?
Für Kanten und kleine Arbeiten ja. Für tiefe Nuten, große Fräser und lange Schablonenarbeiten fehlt ihr die Leistung. Ein Einhandgerät mit Tauchkorb wie die Makita RT0700C schließt die Lücke teilweise.



