Nachhaltigkeit in den eigenen Vier Wänden

Inhalt9 Abschnitte
Nachhaltigkeit im eigenen Zuhause beginnt selten mit der Wärmepumpe. Die meisten wirksamen Schritte sind klein, günstig und sofort umsetzbar: weniger heizen, anders lüften, Wasser sammeln, Material wiederverwenden, reparieren statt wegwerfen. Wer später groß modernisiert, hat damit schon die Hälfte der Gewohnheiten, die sich lohnen.
Heizen: der größte Hebel
In einem durchschnittlichen Haushalt entfällt der größte Teil des Energieverbrauchs auf die Heizung. Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart grob 6 Prozent Heizenergie. Wohnräume brauchen meist 20 °C, Schlafzimmer 16 bis 18 °C.
Dazu kommt richtiges Lüften: mehrmals täglich einige Minuten Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster, statt das Fenster dauerhaft zu kippen. Gekippte Fenster kühlen die Laibung aus und begünstigen Schimmel. Weitere Hebel wie Heizkörper entlüften, Thermostate richtig nutzen und Rollläden nachts schließen stehen im Beitrag 22 Tipps zum Heizkosten sparen.
Strom sparen ohne Verzicht
- LED statt Halogen. LED-Lampen brauchen für dieselbe Helligkeit etwa ein Fünftel bis ein Zehntel der Energie einer Glüh- oder Halogenlampe.
- Standby vermeiden. Fernseher, Spielkonsole, Drucker und Ladegeräte ziehen auch ausgeschaltet Strom. Eine Steckdosenleiste mit Fußschalter trennt alles auf einmal.
- Verbrauch messen. Ein Strommessgerät für die Steckdose zeigt, welches alte Gerät der eigentliche Stromfresser ist – oft der Zweitkühlschrank im Keller.
- Waschen bei niedriger Temperatur. 30 oder 40 °C reichen für normal verschmutzte Wäsche. Das Eco-Programm dauert länger, braucht aber weniger Energie.
Wasser: Trinkwasser ist zu schade für den Garten
Wer einen Garten gießt, verbraucht im Sommer schnell viele tausend Liter Leitungswasser. Regenwasser ist dafür besser geeignet: kalkfrei, zimmerwarm, kostenlos. Schon eine Regenwassertonne am Fallrohr sammelt bei einem Gewitter mehrere hundert Liter. Für größere Gärten lohnt ein Speicher mit Regenwasserpumpe.
Im Haus spart ein Sparduschkopf viel: Herkömmliche Duschköpfe liefern oft 12 bis 15 Liter pro Minute, sparsame Modelle 6 bis 9 Liter. Weil dabei auch weniger warmes Wasser gebraucht wird, sinken Wasser- und Energiekosten zugleich.
Gebrauchtes Holz statt neuem
Alte Balken, Dielen und Bretter aus Abriss und Umbau sind abgelagert, formstabil und oft schöner als neues Holz. Aus ihnen entstehen Regale, Tischplatten, Bänke oder ein Bettgestell mit Charakter. Quellen sind Bauteilbörsen, historische Baustoffhändler, Kleinanzeigen und Nachbarn, die gerade den Dachstuhl erneuern.
Prüfen Sie Altholz vor der Verwendung im Innenraum. Holz aus Dachstühlen und Fachwerk wurde früher oft mit Holzschutzmitteln behandelt, die heute verboten sind. Im Zweifel nur Holz verwenden, dessen Herkunft Sie kennen, oder für Außenprojekte einsetzen. Auf Holzwurmbefall achten: frische Bohrmehlhäufchen zeigen aktive Larven. Mehr dazu unter Holzwurm bekämpfen.

Reparieren statt ersetzen
Ein tropfender Wasserhahn braucht meist nur eine Dichtung, ein klemmender Rollladen einen neuen Gurt. Reparieren spart Geld und Ressourcen, und viele Arbeiten sind für Heimwerker einfach. Reparaturcafés in vielen Städten helfen bei Elektrogeräten, wo eigenes Werkzeug oder Wissen fehlt. Eine Anleitung für einen typischen Fall steht im Beitrag Rollladen reparieren.
Lebensraum für Insekten
Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge finden in aufgeräumten Gärten und auf Balkonen kaum Nahrung. Heimische, ungefüllte Blütenpflanzen helfen am meisten, etwa Lavendel, Thymian, Salbei, Glockenblumen oder Wildstauden. Gefüllte Zuchtformen sehen üppig aus, bieten aber oft weder Pollen noch Nektar.
Ein Nistplatz ergänzt das Angebot. Wie ein Insektenhotel gebaut wird, das wirklich besiedelt wird, steht unter Insektenhotel selber bauen. Ein Komposthaufen schließt den Kreislauf im Garten, siehe Holzkomposter.
Außenbeleuchtung zähmen
Licht in der Nacht lockt Insekten an, die an Lampen verenden, und stört den Rhythmus vieler Tiere. Leuchten Sie nur, wo und wann es nötig ist: Bewegungsmelder statt Dauerlicht, abgeschirmte Leuchten, die nach unten strahlen, und warmweißes Licht mit höchstens etwa 3.000 Kelvin. Kaltweißes Licht mit hohem Blauanteil zieht Insekten besonders stark an.
Baustoffe und Reinigungsmittel
Bei Renovierungen lohnt der Blick auf emissionsarme Produkte, erkennbar etwa am Blauen Engel. Kalkfarbe, Holzfaserdämmung und Lehmputz sind natürliche Alternativen zu Kunststoffprodukten. Im Haushalt reichen meist wenige Reiniger: Spülmittel, ein Allzweckreiniger, Essig oder Zitronensäure gegen Kalk – letztere nie auf Marmor, Kalkstein oder Travertin.
Häufige Fragen
Was bringt am meisten?
In fast jedem Haushalt die Heizung: ein Grad weniger und richtiges Lüften. Danach folgen Warmwasser und alte Elektrogeräte.
Ist Nachhaltigkeit teuer?
Die meisten Maßnahmen sparen Geld. Teuer wird es erst bei Sanierung und neuer Heizung. Planung und Förderung dafür behandelt der Beitrag Nachhaltige Modernisierung.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?
Für viele Haushalte ja, vorausgesetzt, Balkon oder Fassade liegen in Richtung Süden, Osten oder Westen und werden nicht verschattet. Ein kleines Steckersolargerät erzeugt vor allem tagsüber Strom, der direkt im Haushalt verbraucht wird – Kühlschrank, Router und Standby-Verbraucher laufen dann teilweise mit eigenem Strom. Anmelden müssen Sie es im Marktstammdatenregister, in der Mietwohnung vorher mit dem Vermieter sprechen.
Wo bekomme ich gebrauchtes Baumaterial?
Bei Bauteilbörsen, Abrissfirmen, historischen Baustoffhändlern und über Kleinanzeigen.



