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Heimwerker-Berater

Nistkasten Rotkehlchen

Gartenvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Inhalt9 Abschnitte
  1. Wie das Rotkehlchen brütet
  2. Die Halbhöhle
  3. Der Standort macht den Unterschied
  4. Das Katzenproblem
  5. Selbst bauen
  6. Alternativen, die oft besser funktionieren
  7. Brutverlauf und Störungen
  8. Das Rotkehlchen im Winter
  9. Häufige Fragen

Das Rotkehlchen brütet nicht in dunklen Höhlen wie die Meise, sondern in halboffenen Nischen nahe am Boden. Ein normaler Nistkasten mit rundem Flugloch bleibt deshalb leer. Es braucht eine Halbhöhle, gut versteckt im Gebüsch – und selbst dann ist das Rotkehlchen ein wählerischer Mieter.

Wie das Rotkehlchen brütet

In der Natur baut das Rotkehlchen sein Nest in Mulden und Nischen: in Böschungen, zwischen Wurzeln umgestürzter Bäume, in dichtem Efeu, in Mauerlöchern, manchmal in alten Gießkannen im Schuppen. Das Nest ist ein kleiner Napf aus Moos, Laub und Halmen, innen mit Haaren ausgepolstert, und hat einen Durchmesser von etwa 10 bis 13 cm. Gebrütet wird meist ab April, oft zweimal im Jahr, in manchen Jahren sogar dreimal.

Anders als Meisen lebt das Rotkehlchen viel am Boden und sucht dort Insekten, Würmer und Spinnen. Es mag unaufgeräumte Ecken mit Laub, Hecken und Unterholz.

Die Halbhöhle

Ein Rotkehlchenkasten sieht aus wie ein normaler Nistkasten, dessen Front zur Hälfte fehlt. Die obere Hälfte der Vorderseite ist offen, die untere geschlossen und hoch genug, damit das Nest nicht herausfallen kann. Manche Modelle haben statt der halben Front eine längliche Öffnung von etwa 3 × 5 cm oder zwei runde Löcher.

Bodenfläche innenetwa 12 × 12 cm
Höhe Rückwandetwa 20 cm
Frontuntere Hälfte geschlossen, etwa 8 bis 10 cm hoch
Materialunbehandeltes Holz, mindestens 18 mm stark, oder Holzbeton
Dachvorn deutlich überstehend, damit kein Regen hineinfällt

Dieselbe Halbhöhle nutzen auch Hausrotschwanz, Grauschnäpper und Bachstelze. Welche Art einzieht, hängt vor allem vom Standort ab.

Der Standort macht den Unterschied

  • Niedrig. Etwa 1 bis 2 m über dem Boden, nicht höher als 3 m.
  • Versteckt. Im dichten Gebüsch, in Efeu oder Wildem Wein an der Hauswand, hinter Kletterpflanzen am Zaun.
  • Geschützt. Die offene Front zeigt nicht zur Wetterseite, am besten nach Osten oder Nordosten.
  • Ruhig. Nicht am Gartenweg, nicht neben der Terrasse, fern vom Futterhaus.

Der Hausrotschwanz dagegen mag es offener und höher, etwa unter dem Dachvorsprung eines Schuppens. Hängt der Kasten dort, zieht eher er ein als das Rotkehlchen.

Das Katzenproblem

Halbhöhlen sind von Natur aus leichter zugänglich als Höhlen mit kleinem Flugloch, und sie hängen niedrig. Genau deshalb ist die Deckung durch dichte, am besten dornige Pflanzen so wichtig. Ein Kasten mitten in einem Weißdorn, einer Berberitze oder einer Hecke mit viel Efeu ist für Katzen schwer zu erreichen. Frei an einem Pfosten oder an der glatten Hauswand hat er dagegen kaum eine Chance.

Zusätzlich hilft ein Drahtgitter mit großen Maschen vor der Öffnung, durch das der Vogel schlüpfen kann, eine Katzenpfote aber nicht bis zum Nest reicht.

Selbst bauen

Der Rotkehlchenkasten ist der einfachste Nistkasten überhaupt, weil kein Flugloch gebohrt werden muss. Die Grundmaße entsprechen einem Meisenkasten, nur die Front wird in halber Höhe gekürzt. Anleitung und Zuschnitt stehen unter Nistkasten selber bauen; wer lieber zusammensteckt, findet Halbhöhlen auch als Nistkasten-Bausatz.

Alternativen, die oft besser funktionieren

Rotkehlchen nehmen Kästen deutlich zögerlicher an als Meisen. Oft bringt eine rotkehlchenfreundliche Gartenecke mehr als der Kasten allein:

  • Reisighaufen und Totholz, in denen das Rotkehlchen selbst eine Nische findet. Eine Benjeshecke ist dafür ideal.
  • Dichter Efeu an Mauern und Zäunen.
  • Laub liegen lassen unter Sträuchern, damit Insekten und Würmer da sind.
  • Eine alte Kanne oder ein Tontopf, schräg in die Hecke gelegt, mit der Öffnung leicht nach unten gegen Regen. In England ist das ein bekanntes Rotkehlchenquartier.

Brutverlauf und Störungen

Ein Rotkehlchengelege besteht meist aus vier bis sechs Eiern, die das Weibchen etwa zwei Wochen lang bebrütet. Danach bleiben die Jungen noch rund zwei Wochen im Nest, bevor sie es verlassen – oft bevor sie richtig fliegen können. In dieser Zeit ist jede Annäherung ans Nest eine Gefahr: Rotkehlchen geben ein Nest bei Störung schneller auf als Meisen, und neugierige Blicke hinterlassen Spuren, denen Katzen und Elstern folgen.

Wer ein brütendes Rotkehlchen im Garten entdeckt, verschiebt Heckenschnitt und Aufräumarbeiten in der Umgebung, bis die Jungen ausgeflogen sind. Schonende Pflegeschnitte an Hecken sind in der Brutzeit ohnehin nur erlaubt, wenn dabei keine Nester beeinträchtigt werden.

Das Rotkehlchen im Winter

Rotkehlchen bleiben oft den ganzen Winter bei uns und verteidigen auch in der kalten Jahreszeit ein Revier – deshalb singen sie selbst im Dezember. Im Winter fressen sie gern weiches Futter am Boden: Haferflocken, Rosinen, Mehlwürmer, Beeren. Körnerfutter aus dem Meisenknödel liegt ihnen weniger.

Häufige Fragen

Wann sollte der Kasten hängen?

Im Herbst oder spätestens im Februar. Rotkehlchen besetzen ihre Reviere früh, und der Kasten sollte bis dahin eingewachsen wirken.

Wie reinige ich die Halbhöhle?

Nach der letzten Brut, ab etwa Mitte September, das Nest herausnehmen und den Kasten ausbürsten. Wegen der offenen Front geht das ohne Werkzeug.

Warum brütet ein Rotkehlchen im Blumenkasten?

Weil es eine geschützte, halboffene Mulde gefunden hat. Die Brut dauert von der Eiablage bis zum Ausfliegen etwa vier Wochen. So lange bitte nicht gießen und keine Pflanzen umsetzen.

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